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Mit einer «Gewinnmitteilung» lockt die Firma Welline Kunden an Anlässe. Doch echte Gewinne gibt es keine -dafür werden überteuerte Bettwaren verkauft.
Tausende haben in den vergangenen Monaten Post von der Firma Welline oder einer ihrer Ableger erhalten. Der Inhalt der Briefe ist immer derselbe: Den Empfängern des Schreibens wird suggeriert, an Wettbewerben mit Namen wie «Schweizer Adventsrätsel» und «Kantons Jubiläums-Rätsel» teilgenommen zu haben.
Die Briefe lassen die Empfänger glauben, einen der Hauptpreise, darunter ein Auto, gewonnen zu haben. Der Haken daran: Der Preis muss persönlich abgeholt werden. Zur Preisübergabe dürfen die vermeintlichen Gewinner Gäste mitbringen. Allen, so das Schreiben, werde dort ein «gutes Essen» serviert.
Als Gast einer «Gewinnerin» nahm der K-Tipp am 12. Februar im Gasthaus Hirschen in Strengelbach AG an einer solchen Preisübergabe teil.
Doch die Preisübergabe ist alles andere als eine Preisübergabe und läuft nach folgendem Schema ab:
1. Die Ernüchterung
Im Keller des Hirschen, in der alten Kegelbahn, warten an diesem Samstag 13 Personen, meist Paare mittleren Alters, auf ihren Gewinn. Im Namen von Welline begrüsst der Deutsche Thomas Kruse die Anwesenden und weist zuerst alle darauf hin, dass die Getränke selber zu bezahlen seien - danach bittet er alle um Geduld, denn die Hauptpreise würden erst im Mai verlost.
Aufkommende Enttäuschung dämpft er sofort mit einem Reisegutschein, gültig für eine Person, den jedes Paar als «kleinen Gewinn» ausgehändigt bekommt. Zudem erwähnt er wortreich einen Berner namens Franz Südli. Dieser habe bei der Schlussverlosung des letztjährigen Rätsels einen Mercedes gewonnen. Was die so beruhigten Welline-Gäste nicht wissen können: Einen Franz Südli gibt es in der ganzen Schweiz nicht.
2. Die Enthüllung
Was es hingegen in Hülle und Fülle gibt, sind Bettwaren. Um die geht es nämlich an dieser Veranstaltung, denn Kruse ist keine Glücksfee, sondern ein Profiverkäufer. Wortreich preist er die Ware an und scheut sich dabei auch nicht, Hanebüchenes von sich zu geben.
So behauptet er von einer Magnetfeld-Decke keck: Die in die Decke eingearbeiteten Magnete würden die positiven Eisenbestandteile im Blut anziehen und die negativen abstossen. Das führe zu einer «Verwirbelung» des Blutes in den Gefässen und somit zu einer besseren Durchblutung. Doch was der Mann da erzählt, ist laut Pulstipp-Arzt Thomas Walser «reiner Schwachsinn».
3. Die Mondpreise
Im Geschäft, behauptet Kruse, koste die Magnetfeld-Decke 1000, das Kissen 220 und eine 90 mal 200 Zentimeter grosse, dazu passende Matratze 2400 Franken. Das sei angesichts der gebotenen Qualität gerechtfertigt, sagt er und lobt vor allem, dass die Matratze mit sieben Kilo extrem leicht sei, was «jede Hausfrau beim Bettenmachen freue».
Genau das ist es aber, was die Bettenspezialisten von Happy-Bett, Bico und Möbel-Pfister misstrauisch macht. Hochwertige Matratzen in dieser Grösse seien um die 20 Kilo schwer und höchstens halb so teuer, sagen sie auf Anfrage des K-Tipp. Und Rolf Schmid von Möbel-Pfister meint sogar, das Ganze rieche «nach einer massiv überzahlten Luftmatratze».
4. Der Superrabatt
Mit einem «einmaligen, exklusiven und sagenhaften» Rabatt auf den genannten Mondpreisen will Kruse die Anwesenden ködern und bietet Matratze, Magnetfeld-Decke und Kissen im Trio-Pack für 1500 Franken an.
Doch der Erfolg bleibt trotz langer Überzeugungsversuche aus - und so verlegt er sich hörbar verärgert darauf, Magnetkissen zu verkaufen. Statt 220 Franken will er jetzt nur noch deren 60 und legt als Zückerchen nicht nur ein Paar Magnet-Schuheinlagen, sondern noch je einen weiteren Reisegutschein auf jedes Kissen drauf.
Drei Paare greifen nach längeren Diskussionen zu, «aber eigentlich nur wegen des zusätzlichen Reisegutscheins», wie einer der Käufer gesteht.
5. Das «gute» Essen
Nachdem definitiv niemand mehr etwas kaufen will, lässt Kruse am Ende des über zwei Stunden langen Verkaufsvortrages endlich das «gute Essen» servieren. Es gibt eine Portion Nudeln, dazu ein trockenes Poulet-Cordon-Bleu und lange Gesichter. Denn: Einen Menüsalat, Sauce oder einen Zitronenschnitz suchen die mittlerweile hungrigen Veranstaltungs-Teilnehmer vergebens - und die Getränke sind, wie bereits erwähnt, von den Gewinnern selber zu bezahlen.
Übrigens: Die verteilten Reisegutscheine sind ihr Geld nicht wert. Sie wurden von der Hotelkette Apart Holidays im Rahmen einer Werbekampagne der Firma Welline übergeben. Sie können auch tatsächlich von den Empfängern eingelöst werden. Aber: Wer damit beispielsweise im empfohlenen Hotel Todtmoos im Schwarzwald absteigt, zahlt für zwei Personen - mit oder ohne Gutschein - für eine Woche rund 960 Franken. «Dass die Gutscheine als Wettbewerbs-Gewinne verteilt werden, war nicht abgemacht und ist auch nicht in unserem Sinne», sagt Apart-Holidays-Geschäftsführer Walter Inderbitzin.
Das Spinnennetz der Firmen
Egal, ob die Firma neu MIKX oder früher Welline, Titan und ProSwi heisst - dahinter stecken immer die gleichen Urheber. Ihr Ziel: mit Gewinnversprechen Kunden an Verkaufsveranstaltungen locken.
Bis letzte Woche hiess die Firma Welline GmbH und hatte ihren Geschäftssitz in einem anonymen Wohnblock in Brunnen SZ. Als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen waren die beiden Deutschen Michael Kipp aus Delbrück (D) und Marc Emme aus Schloss Holte-Stukenbrock (D) sowie der Treuhänder Markus Waldvogel, der in Brunnen eine Unternehmensberatung betreibt.
Der Handelsregister-Eintrag unter dem Namen Welline wurde nun aber gelöscht, wie Waldvogel dem K-Tipp letzte Woche mitteilte. Neu heisse die Firma MIKX und habe ihren Sitz in Beckenried NW - also genau dort, wo Welline bereits eine Briefkasten-Adresse unterhielt.
Eng verbandelt mit Welline und damit auch mit der Nachfolgerin MIKX sind die Firmen ProSwi und Titan Sponsorenvereinigung. Auch sie locken mit Gewinnversprechen Leute an Verkaufsveranstaltungen. Die Firma Titan operiert von Schloss Holte-Stukenbrock aus, dem Wohnsitz von Welline-Geschäftsführer Marc Emme. In der Schweiz teilen sich ProSwi und Titan die Handy-Nummer mit Welline.
Die häufigen Namen- und Adresswechsel haben System. Sie erschweren es Kunden, die sich geprellt vorkommen, ihre Gewinne einzufordern oder Garantieansprüche geltend machen zu können.
Wurden Sie auch schon zu einer Verkaufsveranstaltung eingeladen? Und wie ist es Ihnen dabei ergangen? Diskutieren Sie mit unter www.ktipp.ch.
23. Februar 2005 | Markus Kellenberger - mkellenberger@ktipp.ch
