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Die Pet- und die Aludosen-Branche wollen ein Zwangspfand verhindern. Dazu müssen sie bestimmte Rücklaufzahlen erzielen. Die Recycling-Quoten sind undurchsichtig.
Gesucht», steht in riesigen Buchstaben auf Plakaten mit Fotos von «vermissten» Pet-Flaschen. Mit dieser grossflächigen Aktion in sieben grossen Schweizer Bahnhöfen versucht die Sammelorganisation Pet-Recycling Schweiz (PRS) Passanten zu motivieren, leere Kunststoffflaschen nicht liegen zu lassen oder in den Abfall zu werfen.
Pet-Sammelboxen: Rund 15 Prozent Fremdmaterial
Doch in den neu aufgestellten Sammelboxen findet sich neben Pet-Flaschen jede Menge Abfall. Nicht anders sieht es in anderen öffentlichen Sammelbehältern aus: «Im Schnitt enthalten sie rund 15 Prozent Fremdmaterial», ärgert sich PRS-Marketingleiter Jean-Claude Würmli. Dieser Müll muss mühsam getrennt und aussortiert werden. Trotzdem hat PRS letztes Jahr 1000 neue Behälter aufgestellt. «Wir kämpfen um jede Flasche», so Würmli.
Dieser Effort ist dringend nötig: Wenn die Pet-Branche die vom Bund vorgeschriebene Recycling-Quote von 75 Prozent nicht erreicht, droht ein Pfand auf Kunststoffflaschen (saldo 12/04). Nachdem der «Kassensturz» vor drei Jahren aufgedeckt hatte, dass bei der Sammelmenge allerlei Fremdmaterial gewogen und berechnet wurde, ist die Quote deutlich unter die 75-Prozent-Marke gerutscht: Im Jahr 2003 lag sie bei 71 Prozent.
Auch bei den Aludosen sind Zweifel an der Richtigkeit über die von der Sammelorganisation Igora verbreitete «weltmeisterliche» Recycling-Quote von 91 Prozent aufgekommen. «Wieso sollten sich die Käufer der Getränkedosen umweltbewusster verhalten als Konsumenten, die zur Pet-Flasche greifen?», fragt sich Jürg Hofer, Leiter des Amts für Umwelt und Energie Basel-Stadt. Denn: Aludosen kommen ähnlich wie kleine Pet-Flaschen vor allem in der Freizeit zum Einsatz. Und bei den kleinen Flaschen liegt der Rücklauf gerade mal bei 50 Prozent.
Alu-Recycling: Keine genauen Zahlen über die Sammelquote
Im Igora-Jahresbericht 2003 fehlen jedenfalls Angaben zur erreichten Sammelquote. Die Organisation verweist auf Anfrage an das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal). Doch ob Alu, Pet oder Glas - die staatlichen Umweltschützer müssen sich auf die Daten stützen, die ihnen die Industrie zur Verfügung stellt. Und diese Zahlen können nicht allzu genau sein: Denn Aludosen werden zum Teil gemeinsam mit anderen Aluabfällen und Weissblechdosen gesammelt - der aus Aluminium bestehende Dosenanteil könne deshalb von Container zu Container ganz erheblich schwanken, sagt Verpackungsspezialist Peter Gerber vom Buwal. Trotzdem schätzt er die Quote beim Aludosen-Recycling auf rund 85 Prozent.
Doch jetzt soll eine Untersuchung des Sammelguts endlich Klarheit schaffen. Finanziert wird sie durch die Igora, und ein Empa-Experte soll dafür sorgen, dass alles mit rechten Dingen zu- und hergeht. Die Resultate sind im Sommer zu erwarten.
Igora: Hohe Gewinne, aber zu wenig Sammelbehälter
Eines steht auch ohne Untersuchung fest: Die Igora schwimmt im Geld. Bei 160 Millionen verkauften Dosen und einer vorgezogenen Entsorgungsgebühr von 4 Rappen pro Stück nahm die Organisation im Jahr 2003 6,4 Millionen Franken ein. An die Sammler und Schrotthändler wurden jedoch lediglich 1,1 Millionen Franken ausbezahlt - hinzu kommen 360 000 Franken für Gemeinden, Aufbereitungszentren und Dosenpressen. Administration und Kommunikation verschlangen hingegen mehr als die Hälfte der Einnahmen, nämlich stolze 3,6 Millionen Franken.
Geldprobleme kennt die Igora nicht. Dank Gewinnen aus den Vorjahren verfügt sie heute über ein Vermögen von mehr als 13 Millionen Franken. Früher finanzierte die Sammelorganisation mit diesem Geldsegen Dosenspielautomaten - unter anderem in zahlreichen Bahnhöfen. Die Automaten sind inzwischen verschwunden, doch Getränkedosen werden in Zügen und Bahnhöfen weiterhin massenhaft verkauft. Alu-Sammelbehälter suchen die Reisenden aber vergeblich. Kein Wunder, landen massenhaft Dosen im Abfall.
02. März 2005 | Stephan Dietrich
