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Ich freue mich immer sehr über Restaurants, die sich dazu bekennen: «Bei uns sind Kinder herzlich willkommen.» Das bedeutet auch: «Für die anderen Gaststätten gilt das nicht.»
Früher arbeitete ich einmal in einem angesehenen Hotel. Eines Tages sagte der Hoteldirektor zu mir: «Herr Willi, wenn jemand anruft und etwas von Kindern erzählt, sagen Sie ihm, wir hätten nicht einmal eine Schaukel. Und fügen Sie ruhig hinzu: Wenn sich bei uns ein Kind wohl fühlt, fühlen sich fünfzig Erwachsene unwohl.»
Jawohl, meine Damen und Herren, Kinder gehören aus dem Restaurant verbannt! Mitsamt ihren tiefer gelegten, breiten Kinderwagen, die fortwährend den Durchgang versperren. Ihre Passagiere kreischen durchs Restaurant, demolieren das Inventar, kleckern mit dem Sirup und nörgeln beim Essen; schlimmer sind nur noch die Eltern und ihre Erziehungsmethoden. Da gibt es für die genervten Gäste an den Nebentischen nur eins: anglotzen und zurechtweisen. Rausschmeissen, nicht wahr?
Manche Gastronomen gehen präventiv gegen Kinder vor. Kindersitze? «Nur einen Moment, ich frag mal den Chef.» Wickeltisch? «Leider nein, aber auf der Damentoilette hat es einen Sims.» Das freut den Papa. Jetzt kann er endlich wieder mal auf die Damentoilette, denn dort gibt es die besten Gespräche.
Wenn sich Eltern trotzdem ins Restaurant verirren, dann gilt: Kinder als Kinder ignorieren und sie konsequent als «kleine Gäste» behandeln - als Anhängsel der Kunden, gleichgestellt den Hunden. Kontakt vermeiden. Steif bleiben. Keine Aufmerksamkeit schenken, sonst fängt das Ding noch an zu sprechen, und das kostet Zeit, und Zeit kostet Geld.
Wieso nur ist es nennenswert, wenn ein Gastgeber Kindersitze hat, Farbstifte, ein paar Malbücher, Sirup und unverkrampfte Angestellte im Service? Das müsste doch selbstverständlich sein! Die «kleinen Gäste» haben die Wahl zwischen Chicken Nuggets mit Pommes und Spaghetti Napoli inklusive Überraschungsdessert in Form eines grinsenden, mit Industrieeis gefüllten Plastikkopfs.
Zusätzliche Kindermenüs wären kein Mehraufwand, denn Kinder wählen nie etwas anderes als Pasta oder Pommes. Aber fürs Image wäre es gut.
Zum Glück hat Schweiz Tourismus reagiert und eine Hotelkategorie für den Nachwuchs lanciert: 35 Hotels bieten den Kleinen grossen Spass. Da kann der Gast davon ausgehen, dass sich das Hotel auf das Segment «Familie» spezialisiert hat und nicht wie die meisten Betriebe direkt auf alle Segmente. Vielleicht schafft ja auch die Gastronomie eines Tages, ein gemeinsames Kindermarketing auf die Beine zu stellen. Schön wäre es.
Bis dahin gibt es bestimmt auch erste Speisekarten mit der Aufschrift «Senioren sind bei uns herzlich willkommen». Rentner hätten bestimmt Freude an einem Sepp-Trütsch-Teller und einem geeisten Nella-Martinetti-Kopf als Überraschungsdessert.
30. März 2005
