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Artikel | Gesundheits-Tipp 4/2005

Das Comeback einer umstrittenen Diät

Bücher über die neue Atkins-Diät stürmen die Bestsellerlisten. Doch neu sind nur die Rezepte. Alt - und ungesund - bleibt das Prinzip: Viel Fett und keine Kohlenhydrate.

Der amerikanische Herzspezialist Robert Atkins ist seit zwei Jahren tot. Doch seine Diät feiert ein Comeback: «Die neue Atkins-Diät» ist ein Bestseller in den Buchhandlungen - obwohl die Hungerkur abgesehen von den Rezepten nicht wirklich neu ist. Wie bereits vor 30 Jahren lautet das Programm: Fett und Eiweiss darf man essen, bis man satt ist. Hingegen ist alles, was Kohlenhydrate enthält, strikt verboten: Brot, Teigwaren, Reis, Kartoffeln und Süsses.

«Mit dieser Diät ist es möglich, schnell abzunehmen», bestätigt zwar Karin Schmid, diplomierte Ernährungsberaterin im Berner Lindenhofspital. «Doch empfehlen würde ich die Diät sicher niemandem.» Denn nach dem Ende der Kur folgt das böse Erwachen: «Man hat Heisshunger auf Kohlenhydrate. Und der Körper lagert die überschüssige Energie besser ein als vor der Diät», sagt Karin Schmid. Im Nu sind die abgehungerten Kilos wieder da. Meistens kommen noch ein paar zusätzliche dazu.

Die Atkins-Diät ist langfristig nicht nur nutzlos, sondern kann auch die Gesundheit gefährden. So erlaubt sie gerade mal 20 Gramm Kohlenhydrate pro Tag. Das heisst: Wer zum Beispiel 30 Gramm Reis oder Teigwaren isst, hat diese Dosis schon überschritten. Zum Vergleich: Eine gesunde Ernährung enthält mindestens 200 Gramm Kohlenhydrate, also das Zehnfache. Auch süsses Obst und kohlenhydratreiche Gemüsearten sind in der Atkins-Diät verboten. Deshalb fehlt es an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen.


Mundgeruch und Kreislaufprobleme

Atkins empfiehlt hier Tabletten als Ersatz. Doch die meisten Ernährungsfachleute sind der Ansicht, dass eine ausgewogene Ernährung ohne Tabletten auskommt. Ausserdem gibt es keinen Ersatz für Pflanzenstoffe, die vielen Krankheiten vorbeugen.

Die Diät belastet auch den Stoffwechsel. Durch die extrem fett- und eiweissreiche Ernährung entstehen viele Säuren im Körper. «Das belastet die Nieren», erklärt Schmid. Wegen des ständigen Kohlenhydratmangels baut der Körper Fettreserven ab. Die Nebenwirkungen sind Mundgeruch und Kreislaufprobleme wegen Unterzuckerung.


Ein Teil des Diäterfolgs beruht auf Ekel

Die Atkins-Kost ist zudem sehr teuer. Günstige Nahrungsmittel wie Brot, Teigwaren, Kartoffeln und Äpfel sind verboten. Satt essen muss man sich an teuren Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Käse. Speziell kohlenhydratarme Teigwaren und Süssigkeiten, die es zu kaufen gibt, kosten rund zehnmal mehr als normale Produkte.

Und nicht zuletzt: In Restaurants ist die Diät schwer zu befolgen. Atkins' Ratschläge sind wenig hilfreich: «Essen Sie in der Pizzeria nur den Belag» und «Entfernen Sie bei Hamburgern das Brötchen.»

Ernährungsfachleute halten sowieso nicht viel von Verboten beim Essen: «Sie führen nicht zu einem gesunden Essverhalten und damit nicht zu einem langfristigen Erfolg beim Abnehmen», kritisiert Karin Schmid. Im Gegenteil: «Strikte Kuren wie die Atkins-Diät fördern Essstörungen.»

Ein grosser Teil des Diäterfolgs ist auf Übersättigung oder gar Ekel zurückzuführen: Wer bereits zum Frühstück statt Müesli und Brot nur Eier, Speck und Thunfischsalat essen darf, isst automatisch weniger.

13. April 2005 | Esther Diener-Morscher - redaktion@gesundheitstipp


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