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Auch Pflanzenmilch macht munter, und sie ist gesund. Dass sie eine Alternative bei einer Allergie gegen Kuhmilch ist, gehört aber ins Reich der Märchen.
Bis vor wenigen Jahren war Sojamilch nur strengen Vegetariern ein Begriff: als pflanzlicher Ersatz für Kuhmilch. Inzwischen hat sich das Getränk aus Fernost einen festen Platz in den Regalen der Supermärkte erobert. Der Umsatz beträgt nach Angaben des Marktforschungsinstituts AC Nielsen rund 1,8 Millionen Franken - fast doppelt so viel wie vor drei Jahren.
Milcheiweissallergie: Eines von 200 Kleinkindern betroffen
Nährboden für den Soja-Trend bilden verschiedene Ernährungslehren, die Kuhmilch vom Speiseplan verbannen und deren Konsum als unnatürlich oder sogar schädlich bezeichnen. So auch die Ernährungslehre des US-Ehepaars Harvey und Marilyn Diamond. Ihr Argument: Der Mensch trinke als einziges Säugetier auch im Erwachsenenalter Milch - sein Körper sei dafür aber nicht geschaffen.
«Viele Mütter haben mittlerweile Bedenken, dass ihr Kind eine Milchallergie entwickelt», beobachtet Monika Müller von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung. Tatsächlich leidet von 200 Kindern, die gestillt werden, nur eines an einer solchen Allergie.
Sojaprodukte: Positive Wirkung auf den Hormonspiegel
Auftrieb gaben der Sojabohne auch medizinische Studien über ihre positive Wirkung auf den Hormonspiegel: Die in der Hülsenfrucht enthaltenen Phytoöstrogene sollen gegen hormonabhängige Krebserkrankungen und Beschwerden in den Wechseljahren vorbeugen. Aber nur bei einem regelmässigen und hohen Konsum von Sojaprodukten.
Wenn auch einiges für die Bohne spricht - unwahr ist, dass ihre Milch für Personen mit einer Allergie gegen Kuhmilcheiweiss die Alternative schlechthin darstellt: «Bei den Betroffenen ist das Risiko relativ hoch, dass sie nicht nur bei Kuhmilch, sondern auch bei Soja allergisch auf das Eiweiss reagieren», so die diplomierte Ernährungsberaterin Monika Müller. Das bestätigt auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund: Vor allem bei bereits sensibilisierten Kindern trete in rund 30 Prozent aller Fälle zur Allergie gegen Kuhmilch auch noch eine gegen Soja auf.
Anders verhält es sich, wenn jemand Milchzucker (Lactose) nicht verträgt - das ist aber keine Allergie, sondern eine Unverträglichkeit. In diesem Fall ist Sojamilch ein guter Ersatz. Bei Kleinkindern ist eine Lactose-Unverträglichkeit selten, mit fortschreitendem Alter wird sie häufiger, zum Teil auch im Zusammenhang mit Darmerkrankungen. Die Ursache ist ein Enzymmangel.
Wer statt tierischer Milch lieber solche aus Soja verwenden will, sollte beachten, dass diese neben vielen Vorteilen auch ein Manko hat: Das Produkt enthält deutlich weniger Kalzium. Pro Deziliter sind es nur 21 Milligramm statt der 120 von Kuh- und 183 von Schafmilch. Es gibt aber auch Produkte aus Sojamilch, die zusätzlich mit Kalzium angereichert sind.
Längere Haltbarkeit durch kurzes Erhitzen auf 140 Grad
Hergestellt wird Sojamilch übrigens in einem einfachen Verfahren: Die Bohnen werden in Wasser eingeweicht, gemahlen und ausgepresst. Die gefilterte Flüssigkeit wird für wenige Sekunden auf 140 Grad erhitzt, um giftige und verdauungshemmende Substanzen zu zerstören und die Milch länger haltbar zu machen.
Für «Umsteiger» ist der Geschmack selbst bei aromatisierten Sojadrinks gewöhnungsbedürftig: Sie schmecken etwas wässrig und leicht bitter.
Kaum mehr Soja ohne Gentechnik
Die Sojabohne ist die Kulturpflanze mit dem höchsten Anteil gentechnisch veränderter Sorten (GVO). Es gibt Bohnen, die das Gen P 34 nicht mehr besitzen, das die meisten Allergien auslöst - andere wiederum verfügen über einen höheren Anteil ungesättigter Ölsäuren als normale Hülsenfrüchte.
Nur noch die Hälfte der Weltproduktion entfällt auf konventionelle Pflanzen. So stammen in den USA, dem grössten Exporteur von Sojabohnen, 80 Prozent der Ernte aus genveränderter Produktion.
In der Schweiz darf ein Lebensmittel mit maximal 1 Prozent GVO-Anteil verunreinigt sein. Die Ostschweizer Kantonslabors untersuchten in den letzten drei Jahren 20 Sojamilch-Proben. Resultat: Eine enthielt mehr als 1 Prozent GVO. Es handelte sich um ein Direktimportprodukt aus einem Asia-Shop.
13. April 2005 | Sigrid Cariola
