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Artikel | K-Geld 3/2005

Bei vielen Fonds sehen Anleger nicht hinter die Kulissen

Was auf der Packung deklariert ist, sollte auch drinstecken. Bei Fonds ist das leider nicht immer der Fall.

Der Fonds lief unter der Bezeichnung Creativ-Aktienfonds. Im Fondsprospekt war nebulös von «Erfolg versprechenden Unternehmen» die Rede. Die Fondsleitung investierte aber zwei Drittel der Gelder in deutsche Hochrisiko-Aktien am inzwischen geschlossenen Neuen Markt - was längst nicht alle Anleger wussten.

Als der Kurs einbrach, klagten deshalb einige Geschädigte vor dem Frankfurter Landsgericht. Und sie bekamen im Jahr 2002 Recht.

Doch das oberste deutsche Gericht entschied diesen Frühling anders. Der Fondsprospekt habe genügend auf die Risiken hingewiesen. Deshalb erhielten die Anleger keine Entschädigung von der Fondsherausgeberin - der Bank Julius Bär.
Kreativ die Strategie des Fonds verschleiern - das ist auch in der Schweiz von Gesetzes wegen erlaubt. Das Fondsanlagegesetz gewährt den Anbietern grosse Freiheiten. In Artikel 7, Abschnitt 4, steht zwar: «Der Name des Anlagefonds darf nicht zu Täuschungen oder Verwechslungen Anlass geben.»

Doch das lässt grossen Spielraum zu. Gemäss der Wegleitung der Bankenkommission müssen nämlich nur zwei Drittel des Fondsvermögens «dauernd derart investiert sein, dass die Anlagen ausnahmslos dem Fondsnamen entsprechen». Die Fondsmanager können also ein Drittel investieren, wie es ihnen passt. Der Anleger muss im Fondsprospekt nur informiert werden, wenn die Anlagepolitik mit besonderen Risiken verbunden ist.

Lediglich bei Indexfonds besteht kein Zweifel über die Anlage. Indexfonds bilden genau den entsprechenden Index ab. Aber auch bei ihnen lohnt sich ein Blick auf den Namen.
Ein Beispiel: Indexfonds, die in Schweizer Aktien investieren, rentieren nicht alle gleich. Schliesslich gibt es ja unterschiedliche Indizes für Schweizer Aktien - so den Swiss Market Index (SMI) für grosse Titel oder den breiter angelegten Swiss Performance Index (SPI), um nur die beiden wichtigsten zu nennen.

Doch die grosse Freiheit der Fondsnamen beginnt ausserhalb der Indexwelt. Phantasienamen, die keinen Aufschluss über die Zusammensetzung des Fonds geben, sind zwar nicht mehr so verbreitet, es gibt sie aber noch immer. Zum Beispiel: Bluespring (Brunner), Morgenstern (Helaba) und Nucleus (Quantex).

Daneben gibt es eine ganze Reihe von Fondsarten, bei denen Missverständnisse programmiert sind. Die wichtigsten:
- Grüne Fonds
Hinter Begriffen wie ökologisch, ethisch, sozial verantwortlich oder nachhaltig verbergen sich ganz unterschiedliche Konzepte. Wer auf Nummer sicher gehen will, schaut sich vor dem Kauf den entsprechenden Fondsprospekt an. Dort steht, welche Anlagen ausgeschlossen sind und welches die grössten Anlagepositionen sind. Informationen finden sich auch unter www. nachhaltiges-investment.org, einem Angebot des deutschen Instituts für Ökologie und Unternehmensführung.

- Modefonds
Namen wie Innovation oder Megatrends verbergen oft mehr, als sie preisgeben. Zum Beispiel der InnovationSar der Bank Sarasin: Der Fonds hiess früher WebSar und war ein reiner Internetfonds. Seit seiner Namensänderung investiert er in «drei bis sieben Investmentthemen, die dank des Einsatzes und der Entwicklung innovativer Technologien ein langfristig überdurchschnittliches Wachstum versprechen».

Ein Blick in den Fondsprospekt verblüfft: Was die Firma Apple mit dem europäischen Luftfahrtkonzern EADS und dem Agrochemiekonzern Syngenta verbindet, weiss wohl allein das Fondsmanagement. Ein Konzept ist nicht erkennbar. Unscharf ist auch der Begriff Megatrend. Er fasst Langfristtrends wie Alterung der Bevölkerung und innovative Technologien zusammen. Das ist an sich schon ein sehr weites Feld. Wer sich aber etwa den CS EF (Lux) J Megatrend näher anschaut, ahnt, wie vage die Grenzen gesteckt sind: Der Fonds investiert in - das «J» sagts - führende japanische Wachstumsunternehmen.

- Osteuropa- und Asienfonds
Selbst an sich klare geografische Bezeichnungen können verwirren. Problematisch ist das, weil sich hinter dem gleichen Namen Fonds mit ganz unterschiedlichem Risikoprofil verbergen. Bei Osteuropafonds ist entscheidend, ob und wie stark sie sich in Russland engagieren und wie stark der Bereich Rohstoffe gewichtet ist.

Noch verwirrender ist die Sache bei den Asienfonds: Verschiedene Asien-, Pazifik- und Tigerfonds investieren auch in Australien, andere dagegen nicht. Über Sicherheit und Rendite entscheidet auch, wie gross das Indien- oder China-Engagement ist.

- Strategiefonds
Selbst bei unverdächtigen traditionellen Produkten wie den Strategiefonds können Anleger ihr blaues Wunder erleben (siehe auch S. 14). Laut Wegleitung der Eidgenössischen Bankenkommission gelten die Begriffe «ausgewogen» und «balanced» für Fonds mit einem Aktienanteil zwischen 30 und 60 Prozent. 30 Prozent mehr oder weniger Aktien ist eine recht grosse Spannweite.

«Growth» oder «Wachstum» heisst sogar, dass «grundsätzlich die Mehrheit des Gesamtfondsvermögens in Aktien» steckt, also mehr als die Hälfte. Das können aber 51 oder 100 Prozent sein.



EF steht für Aktienfonds

Ein aussagekräftiger Fondsname enthält wichtige Informationen. Jede Gesellschaft verwendet zwar ihre eigene Namensgebung, der Aufbau der Namen ähnelt sich aber meist. Ein Beispiel: der CS EF (Lux) Emerg. Markets B USD.

- Name der Fondsgesellschaft - meist ein Kürzel: CS steht für Credit Suisse Asset Management.
- Art der Anlage wie Geldmarkt, Obligationen, Aktien, Immobilien, gemischte und andere Fonds: EF steht für Equity Fund, deutsch Aktienfonds.
- Rechtsform des Fonds: Lux bedeutet, dass dieser Fonds nach luxemburgischem Recht geführt wird.
- Nähere Bezeichnung der Anlage nach Region, Branche, Anlagestil usw.: Emerg. Markets steht für Emerging Markets - zu Deutsch Schwellenländer.
- Art der Ausschüttung: B sowie C, acc und cap bedeutet, dass dieser Fonds die erzielten Erträge zum Grossteil wieder neu anlegt (Fachbegriff: thesaurierend). Mit A, D oder distr sind Fonds bezeichnet, die ihre Erträge an die Anleger ausschütten.
- Rechnungswährung, in der man Fondsanteile kaufen kann: USD steht für US-Dollar.

25. Mai 2005 | Martin Metterli


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