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Artikel | Haus & Garten 3/2005

Mit dem Drachen übers Meer

Wer in den Ferien nicht bloss auf der faulen Haut liegen will, hat die Qual der Wahl: Spezialisierte Reiseveranstalter locken mit vielen - auch ausgefallenen - Sportangeboten.

Ganz oben auf der Hitparade der beliebtesten Ferienvergnügen für Aktive stehen Biken, Golf, Kanu, Reiten, Surfen, Tauchen, Tennis und Trekken. Immer mehr Bewegungsbegeisterte suchen aber das ganz Besondere: Es treibt sie zu ausgefallenen Sportarten, zum neusten Fitnesstrend und - beim Trekken, Biken oder Reiten - in die entferntesten und exotischsten Gegenden. Aus Vergnügen wird Sport, aus Sport ein Abenteuer und aus dem Abenteuer eine aufwändige Expedition.

Kitesurfen
Als besonders hip gilt gegenwärtig Kitesurfen. Dabei lässt sich der Surfer auf seinem Brett von einem Lenkdrachen übers Wasser ziehen, wobei er je nach Windstärke gewaltige Sprünge vollbringen und zuweilen mehrere Meter in die Luft abheben kann.

«Kitesurfen ist der Renner in der Surfszene», erklärt Urs Seleger, Geschäftsführer von Spinout Sport Tours. Im Katalog des Tauch- und Surfreisespezialisten finden Ferienhungrige die verschiedensten Kite-Reviere - vom Mittelmeer über die Kapverden bis Mauritius. Je nach Destination, Unterkunft und Saison kostet eine Woche ab 2000 bis mehr als 3000 Franken. (Sämtliche Preisangaben in diesem Artikel enthalten Anreise, Unterkunft mit Halbpension sowie allfällige Kurskosten.)

Wers besonders exotisch mag: «Ryf's Surf & Fun» in Luzern organisiert Wind- und Kitesurfreisen nach Vietnam und Südafrika. Zwei Wochen gibts für rund 3000 Franken.

Yoga, Nia et cetera
Bei Fitnessferien entstehen unablässig neue Trends. Derzeit topaktuell ist «Nia» (Neuromuskuläre integrative Aktion). Dabei handelt es sich um «einen Tanz zwischen Körper, Geist und Seele - eine Mischung aus Tai-Chi, Jazz und Modern Dance -, um ein lustvolles Wechselspiel von Kraft und Ruhe», wie Christine Benguerel von der Agentur Unique Events werbewirksam erklärt.

Die Agentur lockt mit Nia-Fitnesswochen in Hurghada am Roten Meer. Der Blick ins Programm lässt aber vermuten, dass Stilberatung, Make-up, Frisuren und Lifestyle in diesen Ferien ebenso wichtig sind wie Fitness. Organisiert werden Nia-Wochen für Gruppen von mindestens 12 Personen. Kosten pro Person und Woche: 3000 bis 3500 Franken.

Fitnessferien der abwechslungsreichen Art offeriert die Aerobic- und Fitnessschule Education in Move. Im spanischen Giverola können Gäste unter fachkundiger Anleitung die unterschiedlichsten Fitnesstechniken kennen lernen: Yoga, Kampfsport-Aerobic, Hot Iron (Langhanteltraining), Body-Toning usw. Zwischendurch gibts zum Beispiel Aquafit, Biken sowie Stretching. Und abends werden Tänze von Disco-Fox über Cha-Cha-Cha bis Salsa aufs Parkett gelegt.

Bei dieser «Fit Holiday Week» (ab zirka 1000 Franken pro Person und Woche) soll Spass im Vordergrund stehen. «Weil wir auch Kinder betreuen, ist das Angebot vor allem bei jungen Familien sehr beliebt», sagt Mary Mathis von Education in Move.

Rennen und biken
Wer in den Ferien wie ein Leistungssportler leben und manchmal auch leiden möchte, fühlt sich wahrscheinlich in einer Running- oder Triathlon-Woche, wie sie etwa Toscatours für rund 1000 Franken pro Person im italienischen Cecina Mare anbietet, so richtig wohl. Beim gleichen Veranstalter können ambitionierte Rennvelofahrer auf Sardinien für gut 2000 Franken pro Woche ihre Wadenmuskeln stärken.

Aufs Biken abseits des Asphalts hat sich die Bike Adventure Tours GmbH spezialisiert. Sie bietet unter anderem 3-Wochen-Trips ins ferne Patagonien, die laut Geschäftsführer Christoph Schnelli «immer schnell ausgebucht» sind. Und das trotz Preisen von über 6000 Franken pro Person. Mit von der Partie in den wilden Landstrichen Südchiles und -argentiniens ist jeweils eine medizinische Fachperson. Und als Brücke zur Zivilisation dient ein geländegängiger «Besenwagen».

Trekking zu Fuss ...
Sportliche Leistung wird bei den meisten Trekking-Reisen gross geschrieben. Angebote gibts fast wie Sand am Meer, wobei derzeit Himalaya-Trekkings zuoberst auf der Hitliste stehen. Diese sind aber ziemlich teuer und auf gewissen Routen völlig überlaufen.

Ebenso viel Abwechslung, aber weniger Rummel finden Trekker beim Durchqueren von Korsika. «Voraussetzung für die täglichen - bis zu achtstündigen - Etappen ist eine gute Kondition», sagt Anita Rossel vom Veranstalter Bergfalke. Zwei Wochen mit Schweizer Bergführern kosten 1680 Franken.

... mit 1 PS
Seit Jahren schon hat Nordamerika-Spezialist Beaver Tours dreiwöchige Reittrekkings in Kanada im Programm. Auch auf diesen Reisen sollten die Teilnehmer ausdauernd und fit sein, denn mit Pferden, aber auch zu Fuss gehts im Schritttempo tagelang durch Wildnis, über Pässe und durch Sümpfe. Der Spass kostet um die 7000 Franken pro Person.

... mit Rentiernomaden
Ähnlich teuer ist das Trekking in Nordostsibirien, das sich bei Dornbierer Reisen buchen lässt.

Das Gebiet am Kolyma ist für Individualtouristen nicht begehbar. In Begleitung von Rentiernomaden vom Volk der Ewenen geht es durch die Tundra. Übernachtet wird im Zelt. «Bei dieser Mischung von Wander- und Flusstrekking sollten die Reisenden eine sportliche Einstellung mitbringen», so Sprecherin Claudia Zimmermann. Übrigens: Die Trekking-Gruppe steht in ständigem Funkkontakt mit einer russischen Heli-Basis - damit die speziellen Ferien nicht plötzlich allzu abenteuerlich werden.



INTERNET-ADRESSEN

- Kitesurfen:
www.spinout.ch
www.surf-fun.ch www.kiteholiday.com www.lumera-surfing.de
- Fitness:
www.uniqueevents.ch www.educationinmove.com
- Rennen und biken:
www.toscatours.ch www.bike-adventure-tours.ch
- Trekking:
www.bergfalke.ch www.beaver.ch
www.dornbierer.ch



Ärztlicher Rat für Fans von Aktivferien

Abwechslung, Gruppen für besser und weniger gut Trainierte, Fachbetreuung: Wer gelungene Ferien verbringen will, sollte einiges beachten, sagt Walter O. Frey. Der Arzt leitet das Swiss Olympic Medical Center «Movemed» in Zürich.

Was ist aus medizinischer Sicht wichtig, damit Aktivferien zum bereichernden Erlebnis werden?
Frey: Die Leitung sollte in den Händen von qualifiziertem Fachpersonal liegen. Sinnvoll sind zudem unterschiedlich starke Gruppen, damit überforderte Teilnehmer in einer leichteren Gruppe weitermachen können.

Es sollte zudem ein alternatives Angebot - am besten im entspannenden Bereich - zur Verfügung stehen. Wer nämlich den ganzen Tag über eine einzige Sportart ausübt, ist in der Regel schnell überfordert. Auch sollte man sich Zeit zur Akklimatisation nehmen. Und um wirklich optimal profitieren zu können, sollte man mit der entsprechenden Kondition anreisen.

Welche Sportarten würden Sie im Hinblick auf gesundheitliche Ziele besonders empfehlen?
Frey: Prinzipiell solche, die den gesamten Körper gleichmässig beanspruchen, ein geringes Unfallrisiko aufweisen und sich vorwiegend im gesundheitlich sinnvollen Kraft-Ausdauer-Bereich abspielen. Im Sommer sind das zum Beispiel Rudern, Schwimmen, Aqua-Jogging, Nordic Walking, Wandern, Biken und Inlineskaten, im Winter Langlauf, Skitouren und Schneeschuhlaufen.

Und wovon raten Sie ab?
Frey: Von Sportarten mit hohem Unfallrisiko und solchen, die gesundheitlich nur wenig bringen. Typische Beispiele sind BungeeJumping, Schlitteln und Wakeboarden.

Wann ist vor Aktivferien eine ärztliche Untersuchung angezeigt?
Frey: Statistisch gesehen, besteht ab dem 35. Altersjahr beim Sporttreiben die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Herztodes aufgrund einer Herzkranzgefässerkrankung. Neueinsteiger und Untrainierte über 35 sollten sich daher gut überlegen, ob sie sich sportlich anstrengende Ferien ohne vorherige sportärztliche Untersuchung zumuten dürfen.

Der Arzbesuch ist zudem sinnvoll vor extremen Bergtouren, Tauchgängen und Abenteuerferien in gefährlichen Zonen. Wer dort den «point of no return» überschreitet, muss hundertprozentig gesund sein. Das gilt natürlich auch für alle jene, die sich Extrembelastungen wie zum Beispiel einem Ultramarathon aussetzen.

29. Juni 2005 | Pirmin Schilliger


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