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Dehnen vor oder nach dem Training? Oder überhaupt nicht? Stretching-Expertin Karin Albrecht erklärt, wer wann aus welchem Grund Dehnübungen machen soll.
Stretching schützt weder vor Verletzungen noch vor Muskelkater. Diese provokative These australischer Wissenschaftler ging letztes Jahr um die Welt und verwirrte viele Hobbysportler. Schliesslich wird ihnen seit Jahren eingebläut: Wer vor dem Sport nicht dehnt, kann seine Gesundheit gefährden.
Trotzdem: Die neuesten Erkenntnisse der Sportmedizin dürfen nicht dazu verleiten, nun gänzlich auf die Übungen zu verzichten - so lästig sie manchen auch sind. Denn Dehnen macht gemäss Stretching-Expertin Karin Albrecht je nachdem durchaus Sinn.
«Stretching ist keine Verletzungsprävention, das haben wir auch nie behauptet», sagt Karin Albrecht, die schon verschiedene Bücher zum Thema publiziert hat. «Es hat auch keine Auswirkungen auf Ausdauer oder Kraft. Dehnen vor dem Training ist deshalb bei vielen Sportarten nicht nötig.»
Nur bei athletischen Sportarten wie zum Beispiel Kampfsport, Eishockey oder Fussball ist Stretching angesagt. «Bei solchen Sportarten ist es wichtig, dass Kopf und Körper darauf vorbereitet werden, was auf sie zukommt», so Albrecht.
Nicht notwendig ist Vordehnen hingegen bei Sportarten mit weniger extremen Bewegungen wie etwa Jogging, Walking und Velofahren. «Wenn jedoch zum Beispiel ein Jogger findet, es tue ihm gut, wenn er vor dem Laufen dehnt - super! Schaden tut es ihm auf keinen Fall», so die Expertin.
Aber: Nach dem Training sollten alle ihre Muskeln dehnen - egal, welchen Sport sie ausgeübt haben. «Das erhält die Beweglichkeit und ist meiner Meinung nach die wichtigste Anwendung.»
Stretching: Immer in Richtung aufrechte Haltung
Faustregel: Je intensiver die sportliche Leistung war, desto sanfter muss das nachfolgende Stretching sein. Auf jeden Fall sollten mindestens die Oberschenkel-, Brustkorb- und Halsmuskeln gedehnt werden. Und zwar mit Übungen, die den Sporttreibenden von der Beuge in die Streckung bringen. «Immer in Richtung aufrechte Haltung», so Karin Albrecht.
Denn viele Sportarten werden in mehr oder minder vorgebeugter Haltung ausgeübt. Richtiges Dehnen gleicht dies aus und erhält die Beweglichkeit. Der grösste Fehler, den viele machen, ist denn auch: Sie stretchen in die falsche Richtung.
BUCHTIPP
Karin Albrecht ist Leiterin der Star (School for training and recreation) und hat verschiedene Bücher zum Thema Stretching verfasst.
Im Sommer erscheint von Karin Albrecht und Stephan Meyer, dem Chef-Physiotherapeuten der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen, neu «Stretching und Beweglichkeit»*. Das Buch enthält wissenschaftliche Infos, viele Bilder und eine grosse Auswahl an Stretching-Übungen. Anleitungen gibts auch ab Seite 57 dieses SPEZIAL oder im Gesundheitstipp-Ratgeber «Fit im Alltag», zu bestellen über Tel. 01 253 90 70 oder www.gesund heitstipp.ch.
* Karin Albrecht, Stephan Meyer: «Stretching und Beweglichkeit», Haug-Verlag, Stuttgart, ca. Fr. 38.-.
29. Juni 2005 | BENNIE KOPRIO
