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Banken hauen ihren Kunden oft Fachbegriffe und Fantasienamen um die Ohren. Beispiel: Migrosbank.
Kunden der Migrosbank erhielten kürzlich ein Schreiben. Unter dem Titel «5 % Julius Baer ICE Units auf Nestlé SA mit Knock-in» bot die Bank ein «strukturiertes Produkt» an - quasi als Nachfolger zum «Soft-Runner», der kurz vor der Rückzahlung stehe.
Genauere Infos lieferte das beigelegte «indikative Term-Sheet»: zum Beispiel zur «Knock-in-Option» und zum «Pay-off-Diagramm».
Alles klar? Kaum. «Schon Begriffe wie "strukturiertes Produkt", "Derivat" oder "Ausübungspreis" setzen beim Anleger ein Verständnis für finanztechnische Zusammenhänge voraus. Die wenigsten Privatanleger können solche Begriffe ohne Weiteres richtig einordnen», sagt Anlageexperte Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum Zürich.
«Und eigentlich», sagt Biland, «müssten sich Anleger hinsetzen und das Produkt durchrechnen». Nur: Was sollen Anleger überhaupt rechnen, wenn sie nichts verstehen?
«Unsere Kunden erhalten keine solchen Unterlagen, ohne dass vorher eine entsprechende Beratung - meist via Telefon - stattgefunden hätte», behauptet Migrosbank-Sprecher Stephan Züger gegenüber K-Geld. Deshalb seien sie, wenn sie solche Briefe erhielten, bereits über das Wichtigste informiert.
K-Geld ist allerdings ein Fall bekannt, in dem der Brief aus heiterem Himmel kam. «Der Kunde oder die Kundin muss die Unterlagen versehentlich erhalten haben», sagt Züger. «Dafür entschuldigen wir uns.»
Rolf Biland vom VZ hat aber auch Fragen zur Anlage an sich. Die Migrosbank bietet einen «beschränkten Kapitalschutz». Dieser gilt, solange der Kurs nicht um mehr als 12,7 Prozent sinkt. «Was ist ein solcher Kapitalschutz wert?», fragt Biland. Und antwortet selber: «Das ist wie ein Fallschirm, der sich nur öffnet, wenn man weniger als 100 Meter tief fällt.»
12. Oktober 2005 | Marco Diener
