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Haare lassen mit Gillette ist ein teures Vergnügen. Die scharfen Klingen bescheren den Grossverteilern satte Gewinne. Erstmals legt ein Händler für saldo offen, wie hoch die Margen sind.
«Rasierklingen von Gillette sind gut, aber völlig überteuert», sagt Thomas Bleiker, Inhaber der Firma McShave. Seit Januar vertreibt das Zuger Unternehmen die bekanntesten Rasierutensilien der Welt direkt übers Internet. Der Schweizer Markt ist lukrativ: Mittlerweile rasiert sich in jedem dritten Haushalt jemand nass. Für Rasierklingen werden hier 65 Millionen Franken jährlich ausgegeben. Die unangefochtene Königin der Klingen ist Gillette.
Wer sich wie Fussballstar David Beckham die Edelwerkzeuge der Marktführerin über die Wangen zieht, muss dafür tief ins Portemonnaie greifen. Und das europaweit: Gillette-Produkte sind überall fast gleich teuer.
Grossverteiler verlangen 30 Prozent mehr als McShave
Als die Migros vor knapp zwei Jahren Gillette-Klingen ins Sortiment aufnahm, hofften viele auf einen Preissturz. Vergeblich. Migros schielte auf Coop und übernahm die gleich hohen Preise. Mittlerweile sind die beiden Grossverteiler die umsatzstärksten Gillette-Verkäufer der Schweiz. Gemeinsam halten sie einen Marktanteil von 70 Prozent. Tiefere Preise sind von ihnen nicht zu erwarten.
Von McShave schon. Weil die Einkaufskonditionen für kleine Händler in der Schweiz schlecht sind, bezieht Bleiker die Ware aus Übersee. Jetzt tritt McShave als Preisbrecher auf: 16 Mach-3-Power-Ersatzklingen kosten inklusive Versand Fr. 50.50. Die Grossverteiler verlangen einträchtig Fr. 65.80 - 30 Prozent mehr.
Migros kauft zu fast gleichen Konditionen ein
Trotz deutlich tieferer Preise verdient McShave gutes Geld. Um zu beweisen, dass die Konsumenten bei den Grossverteilern zu viel bezahlen, legt Bleiker exklusiv für saldo seine Einstandspreise offen (siehe Tabelle). «Wir haben nichts zu verbergen», sagt er. Und die Grossverteiler? saldo konfrontierte Migros und Coop mit den Einkaufspreisen ihres kleinen Konkurrenten und wollte wissen: Zu welchen Preisen kaufen sie ein?
Die Migros sucht erst gar nicht nach Ausflüchten. Sie räumt ein, dass ihr Einstand ähnlich tief ist wie der von McShave - «plus/minus 10 Prozent», sagt Mediensprecher Urs-Peter Naef. Coop erklärt, ihre Einstandpreise seien nicht bei allen Artikeln so tief. Die 113-Prozent-Marge auf dem Gillette-Power-Griff stimme aber in etwa. Coops Rechtfertigung: Gillette-Produkte seien beliebt. 10 Prozent der Ware werde gestohlen. «Diese Verluste müssen wir wieder wettmachen», so Mediensprecher Karl Weisskopf. Das dürfte kein Problem sein. Denn mit einem Jahresumsatz von etwa 15 Millionen Franken sichert sich Coop den grössten Teil des Gillette-Kuchens.
Coop: Zusätzliche Einnahmen durch Gebühren
Zudem kassiert der Grossverteiler gleich doppelt ab: Von seinen Kunden die hohen Margen und von Gillette die sogenannte Listinggebühr. Diese bezahlen die Hersteller von Markenartikeln einzig dafür, dass ihre Produkte bei Coop im Regal stehen. Der Eintrittspreis liegt bei 125 000 Franken. Jeder weitere Artikel kostet dann noch um die 14 000 Franken. Dafür erhalten Markenhersteller die Garantie, mit ihren Produkten in jedem Laden des Grossverteilers vertreten zu sein.
Coop bestätigt die Gebühren, macht aber geltend, im Vergleich zur Konkurrenz billig zu sein. Zudem würden mit diesen Geldern auch Werbeaktionen finanziert. Das interessiert allerdings die Konsumenten wenig.
Bleibt die Frage: Wie kann man sparen? Thomas Bleiker von McShave rät, die verschiedenen Rasiersysteme zu kombinieren. «Viele wissen nicht, dass alle Artikel der Mach-3-Linie untereinander kompatibel sind», sagt er. Auf den Gillette-Power-Griff etwa passen auch die deutlich günstigeren Turbo-Klingen. Und die gibts beispielsweise bei Denner 20 Prozent günstiger als bei der Konkurrenz.
Auch Men's-Look-Klingen kompatibel
Wer noch die ältere Sensor-Linie benutzt, kann sogar die preiswerten Dreifachklingen der Migros-Eigenmarke Men's Look aufstecken. Für diese Kompatibilität hat der Grossverteiler einen Rechtsstreit mit Gillette in Kauf genommen.
Austauschbar sind die Rasierutensilien auch zwischen den Geschlechtern. Frauen brauchen keinen Venus-Griff zu kaufen, wenn sich ihr Partner mit Gillette Power rasiert. Hier passen nämlich auch die günstigeren Venus-Klingen drauf. Übrigens: Der Trick funktioniert sogar umgekehrt. Gillette rechnet offenbar nicht damit, dass Männer es wagen, sich mit einem Frauen-Griff zu rasieren.
Gillette: Gewinn von 1,7 Milliarden Dollar
Gillette ist mit einem Umsatz von über 20 Milliarden Dollar der führende Rasierapparatehersteller der Welt. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen den Gewinn um 22 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar. Zu Gillette gehören auch die Firmen Braun (Trockenrasierer), Oral B (Zahnbürsten) und Duracell (Batterien). Im Januar wurde Gillette für 57 Milliarden Dollar von Procter & Gamble (P&G) übernommen. Mit einem kombinierten Umsatz von mehr als 60 Milliarden Dollar überholt P&G den Unilever-Konzern und steigt zum grössten Konsumgüterhersteller der Welt auf.
23. November 2005 | Franco Tonozzi
