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Artikel | saldo 19/2005

Endlich: SBB reduzieren die Strahlung

Die SBB haben die Leistung der Handy-Antennen in Zügen reduziert. Nur: Zwischen Zürich und Luzern werden die Passagiere nach wie vor stark bestrahlt.

Bis Mitte 2005 sind sämtliche Antennen umgebaut und die Strahlung reduziert» - dies versprachen die SBB, nachdem saldo im März bei Messungen aufdeckte, dass die Reisenden von Handy-Antennen in Doppelstockzügen teils massiv bestrahlt werden (saldo 4/05). Diese sogenannten Repeater senden elektromagnetische Felder über den runden Sitzbänken auf Kopfhöhe ins Abteil und verbessern den Handy-Empfang.

saldo wollte wissen, ob die SBB ihr Versprechen halten und liess Mitte November diese Hochfrequenzstrahlung von der MPA Engineering aus Effretikon ZH messen. Die Firma ist seit dreissig Jahren auf Elektrosmogmessungen spezialisiert und vom Bund akkreditiert. Messleiter Josef Peter: «Wir haben markant tiefere Strahlenwerte gemessen. Die SBB haben das Problem jetzt offenbar ernst genommen.»


Die Strahlung kann Schwindel und Kopfweh auslösen

Konkret: Auf vier von sieben untersuchten Strecken sendeten die Repeater mit maximal 2,56 Volt pro Meter (V/m), 30 bis 50 Zentimeter entfernt von der Antenne (siehe Tabelle). Fachmann Josef Peter empfiehlt sensiblen Personen, sich möglichst weit entfernt von der Antenne hinzusetzen. Denn diese reagieren bereits bei Werten ab 1 V/m mit Kopfweh, Schwindel oder Schweissausbrüchen. Mit zunehmendem Abstand zur Antenne nimmt der Elektrosmog und damit auch die gesundheitliche Belastung ab.

Die im ganzen Zug gemessene durchschnittliche Antennenstrahlung liegt zwischen 0,20 und 0,43 V/m - achtmal weniger als bei den ersten saldo-Messungen vergangenen März. Ruedi Schwarzenbach, Leiter des SBB-Umweltcenters, zeigt sich erfreut darüber: «Die Durchschnittswerte sind sehr tief und liegen weit unterhalb der Grenzwerte. Zudem senden dank der Repeater die einzelnen Handys am Ohr der Passagiere schwächer.»

Immer noch massiv zu viel Elektrosmog müssen hingegen Pendler zwischen Luzern und Zürich hinnehmen - egal, ob sie telefonieren oder nicht: Hier wurden volle 8,68 V/m gemessen - selbst in vier Metern Entfernung waren es noch 2 V/m.


Neue Züge: Antennen an weniger heiklem Ort platziert

Der Grund: Entgegen dem eigenen Versprechen haben die SBB 9 von total 301 Doppelstockwagen nicht umgerüstet. Diese dreimal stärker strahlenden Antennen befinden sich alle im Business-Abteil der ersten Klasse. Schwarzenbach: «Stimmt. Das Rollmaterial ist so stark ausgelastet, dass es schwierig ist, diese Steuerwagen aus dem Betrieb zu nehmen. Doch ich gehe davon aus, dass die verbleibenden neun Wagen bis Ende 2005 umgerüstet sind.»

Also: Ende gut - alles gut? Nicht ganz. Denn der Elektrosmog in Bahnabteilen liesse sich weiter reduzieren. Peter: «Mobiltelefone können auch noch mit 0,1 V/m ausreichend funktionieren. Zudem ist es extrem störend, dass die Repeater direkt über den Köpfen der Passagiere befestigt sind.» Immerhin aus dieser Kritik hat die Bahn gelernt: Neu schreiben die SBB den Wagenbauern vor, Handy-Antennen nicht mehr in direkter Nähe zu den Passagieren einzubauen.

23. November 2005 | Marc Meschenmoser


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