|
(0) |
Fachleute haben Zweifel an der Sicherheit des Grippemittels Tamiflu. In Japan sind Kinder nach Einnahme des Medikaments gestorben.
Die Angst vor der Vogelgrippe hat viele Menschen dazu verleitet, sich ohne Rezept mit Tamiflu einzudecken. Nun lassen aber Meldungen aus Japan den Verdacht aufkommen, dass das Grippemedikament alles andere als harmlos ist: Vier Kinder starben im Schlaf, und zwei Teenager begingen Suizid, nachdem sie Tamiflu geschluckt hatten. Insgesamt starben zwölf Kinder. Andere Patienten, die das Medikament eingenommen hatten, litten unter psychischen Störungen.
Auch der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic liegen Berichte von leichten psychischen Beschwerden nach der Einnahme von Tamiflu vor, aber keine Meldungen von schweren Nebenwirkungen oder Todesfällen. Zur Behandlung der Grippe ist Tamiflu in der Schweiz für Kinder ab dem ersten Altersjahr zugelassen.
Etzel Gysling, Arzt in Wil SG und Herausgeber der Zeitschrift «Pharma-Kritik», meint allerdings: «Ich würde Jugendlichen kein Tamiflu geben. Junge Patienten überstehen eine Grippe in den allermeisten Fällen ohne schwere Komplikationen.» Einen Zusammenhang zwischen den in Japan aufgetretenen Todesfällen und der Einnahme von Tamiflu hält Gysling für möglich, wenn auch nicht für gesichert.
Die Herstellerfirma Roche bestreitet, dass die Kinder wegen der Behandlung mit Tamiflu gestorben sind. «Alle Gesundheitsbehörden haben die Ungefährlichkeit von Tamiflu bestätigt», sagt Roche-Sprecherin Martina Rupp. «Acht der verstorbenen Kinder litten auch an anderen Krankheiten. Ein Teenager wurde zuvor mit einem anderen Medikament behandelt.» Psychische Störungen könnten auch als Folge des wegen der Grippe hohen Fiebers auftreten, so Rupp.
(ag)
07. Dezember 2005
