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Iris Allenspach hat ein gewaltiges Arbeitspensum: Sie erzieht zwölf Kinder. Und sie arbeitet auf ihrem Hof. Dennoch hat die Bäuerin nicht genug: Sie möchte ein dreizehntes Kind haben.
Frau Allenspach, wollten Sie von Anfang an so viele Kinder?
Nein, mein Mann und ich haben das nicht geplant. Ich wollte aber immer eine grosse Familie haben. Ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Das fand ich ideal.
Warum ist Ihre Familie trotzdem immer grösser geworden?
Ich will keine empfängnisverhütenden Mittel benützen. Ich bin katholisch und betrachte jedes Kind als Geschenk Gottes.
Sind Sie nicht überfordert mit einem Dutzend Kinder?
Nein. Ich bin an der Aufgabe gewachsen. Ein prägendes Erlebnis war für mich die Geburt unseres dritten Kindes. Nach der Geburt hatte ich eine Depression. Kurz darauf wurde ich wieder schwanger. Da sagte ich mir: Etwas muss sich ändern.
Was haben Sie dann geändert?
Ich versuchte, die Hausarbeit rationeller zu erledigen. Und ich beschloss, mich weniger unter Druck zu setzen.
Dennoch geben zwölf Kinder viel mehr Arbeit als zwei.
Das stimmt. Aber sie helfen mir im Haushalt und auf dem Hof. Das ist für sie selbstverständlich. Unsere älteste Tochter Pia hat sogar ein Jahr lang keinen Job angenommen, um mich bei der Hausarbeit zu unterstützen. Sie ist ausgebildete Hauswirtschafterin.
Kleinkinder halten die Eltern nachts oft wach. Hat sich bei Ihnen über die Jahre ein grosses Schlafmanko angesammelt?
Nein. Die meisten Kinder schliefen durch. Ich habe gemerkt, dass Kleinkinder öfter schreien, wenn man immer sofort reagiert. Deshalb sage ich meinen Älteren: Springt nicht immer beim ersten Pieps.
Kümmern sich alle Kinder um ihre jüngeren Geschwister?
Ja - manchmal sogar mehr, als mir lieb ist! Die Kleinen sollen ja nicht zu sehr verwöhnt werden.
Haben die vielen Geburten Ihren Körper belastet?
Nach der Geburt meiner jüngsten Kinder war ich vermehrt müde. Es dauerte jeweils länger, bis ich mich von der Geburt erholt hatte.
Verursacht der Stress bei Ihnen Schlafstörungen oder Kopfweh?
Manchmal schon - vor allem im Sommer. Dann fällt auf dem Bauernhof mehr Arbeit an. Die strengste Zeit ist bei uns die Kirschenernte. Dann muss die ganze Familie anpacken.
Haben Sie überhaupt jemals Zeit, sich zu entspannen?
Nur selten. Wenn mir alles zu viel wird, bitte ich die älteren Kinder, mit unserer kleinsten Tochter Maria an die frische Luft zu gehen. Dann habe ich eine Weile lang Ruhe. Entspannung und neue Kraft finde ich auch bei der Arbeit im Garten und bei meinen täglichen Gebeten.
Würden Sie anderen Eltern empfehlen, so viele Kinder zu haben?
Nein. Das geht nur, wenn man seine Bedürfnisse in den Hintergrund stellen kann und gute Nerven hat. Ferienreisen muss man vergessen. Aber ich habe nicht nur viel Arbeit, sondern auch mehr Freude - die Kinder bringen Leben ins Haus.
Möchten Sie noch mehr Kinder?
Ja, ich hätte gerne noch einen Spielgefährten für Maria. Unser zweitjüngstes Kind, Maurus, ist fünf Jahre älter.
Iris Allenspach
Die Landwirtin Iris Allenspach bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Niklaus einen Bauernhof in Wilen TG, einem kleinen Dorf in der Nähe von Bischofszell. Zur Familie gehören Maria (1 Jahr alt), Maurus (6), Veronika (7), Dorothea (9), Julian (11), Roman (13), Lukas (15), Matthias (17), Simon (18), Florian (19), Pia (20) und Martin (21). Weil sie auswärts eine Ausbildung absolvieren, sind drei der älteren Kinder nur noch am Wochenende zu Hause.
15. März 2006 | Andreas Gossweiler
