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Artikel | Gesundheits-Tipp 3/2006

Betablocker abgeblockt

Immer weniger Ärzte verschreiben ihren Patienten Betablocker. Denn bei zu hohem Blutdruck gibt es bessere Alternativen.

Betablocker abgeblockt

Die 53-jährige Maria-Luisa Battistini hatte vor drei Jahren einen Schlaganfall. Die Ursache: zu viel Stress und zu hoher Blutdruck. Der Arzt verordnete der Patientin Blutdrucksenker. Doch es war kein Betablocker, wie ihn Ärzte jahrzehntelang in solchen Fällen verschrieben haben. Es war ein Medikament, das die Gefässe erweitert und den Körper entwässert - ein so genanntes Diuretikum.


«Als reine Blutdrucksenker nicht mehr erste Wahl»

Immer häufiger verzichten Ärzte darauf, Blutdruck-Patienten Betablocker zu verschreiben. Grund: Sie sind weniger wirksam, als die Hersteller behaupteten. Betablocker können zwar Stresshormone hemmen und lassen das Herz langsamer schlagen. Deshalb sinkt auch der Blutdruck. Aber die Medikamente verhindern weniger Schlaganfälle als angenommen. Dies haben mehrere Studien gezeigt.

Schwedische Forscher haben nun 20 Studien ausgewertet. Ihre Befunde: Patienten, die Betablocker einnehmen, sind nur um rund einen Fünftel besser vor einem Schlaganfall geschützt als Patienten, die gar nichts schlucken. Vor allem der weit verbreitete Wirkstoff Atenolol kommt schlecht weg.

In Bezug auf das Schlaganfallrisiko wirken andere Medikamente laut der schwedischen Studie doppelt so gut wie Betablocker. Dazu gehören so genannte Diuretika und ACE-Hemmer (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Ein Diuretikum ist ein harntreibendes Medikament. Es befreit den Körper von überschüssigen Salzen und zu viel Flüssigkeit. Dadurch zirkuliert weniger Blut und der Blutdruck sinkt. ACE-Hemmer erweitern die Gefässe und senken ihn auf diese Weise. Die Forscher kommen in der Studie zum Schluss: Betablocker sollte man bei hohem Blutdruck nicht sofort einsetzen, wenn die Ursache unklar ist.

Fachleute erstaunt dies nicht. «Bei hohem Blutdruck verschreibe ich in erster Linie ein Diuretikum, oft zusammen mit einem ACE-Hemmer», berichtet etwa der All-gemeinarzt und Pharmakritiker Etzel Gysling. Auch Bernhard Meier, Direktor an der Klinik für Kardiologie am Inselspital Bern, ist überzeugt: «Betablocker sind nicht mehr erste Wahl, wenn es nur darum geht, den Blutdruck zu senken.»

Kommt dazu: Die Medikamente sind bei vielen Patienten wegen der Nebenwirkungen nicht sonderlich beliebt; sie können müde machen und viele Männer leiden unter Potenzproblemen.

Dennoch bleiben Betablocker der Favorit für Patienten, «die gleichzeitig unter Herzrhythmusstörungen oder Herzkranzgefäss-Krankheiten leiden», sagt Meier. Viele Ärzte empfehlen zudem Patienten, was auch Gysling rät: «Wer einen Betablocker nimmt, der wirkt und den er gut verträgt, sollte dabei bleiben.» Denn auch andere Medikamente haben Nebenwirkungen. Patienten sollten Blutdruckmittel zudem niemals ohne ärztlichen Rat absetzen.


Viel Gemüse, Bewegung und Abspecken ersetzen Pillen

Eine Alternative zu den Pillen kann das Ändern von Gewohnheiten sein. «Mehr Bewegung, genug Schlaf und weniger Salz im Essen können schon wirksam sein. Aber am wichtigsten ist Abspecken. Zwei bis vier Kilo weniger senken den Blutdruck massiv», sagt Gysling.

Das hat sich Inge Arnold zu Herzen genommen. Sie hält ihren Blutdruck ohne Medikament unter Kontrolle. Sie bewegt sich regelmässig und macht nachmittags 20 Minuten Pause. «So kann ich mich entspannen», sagt die 60-Jährige.

Auch Constantin Hürlimann, 45, hat seinen Lebensstil geändert. «Ich esse viel Gemüse», berichtet er. Und zwischendurch einen Apfel. Während der Arbeit legt er Ruhepausen ein. Und er lässt sich nicht mehr so schnell ärgern. «Deshalb brauche ich keine Medikamente und habe einen normalen Blutdruck.»


Merkblatt Bluthochdruck: gratis unter www.gesundheitstipp.ch/service

15. März 2006 | Esther Diener Morscher


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Kommentare (1)

 
  • WalterMicke | 06.02.2009, 11:12

    So wirken Betablocker

    Als ich Rentner war, fing ich an zu joggen. In meiner Nachbarschaft
    gab es einen Sportplatz, da ging ich hin und drehte meine Runden. Die
    ersten zwanzig Minuten liefen immer ganz gut, aber dann war es vorbei.
    Zuerst war ich damit zufrieden, aber dann habe ich mich gefragt: Warum
    werde ich nicht besser? An einem Tage war alles anders. Es lief prima
    und als ich auf die Uhr sah, war eine halbe Stunde schon vergangen. Am
    nächsten Morgen war alles wie immer. Nach zwanzig Minuten hatte
    ich keine Lust mehr. Aud dem Weg nach Hause fiel mir ein, gestern
    hatte ich vergessen, meine Betablocker einzunehmen. Das vergaß
    ich am nächsten Tag absichtlich und siehe da, nach einer
    dreiviertel Stunde machte ich bewusst Schluß, weil es mir
    unheimlich vorkam. Ich konnte laufen wie ich wollte ohne mich dabei
    anzustrengen. Was gestern noch unmöglich war, ging heute ganz von
    selber. War das die Wirkung der Betablocker? Der Frage ging ich nach.
    Die Antwort war: "Ja"! Ich habe die Tablette darauf hin
    abgesetzt, aber nur ganz langsam, nach Rücksprache mit meinem
    Arzt und ständiger Kontrolle meines Blutdrucks. Jetzt weiß
    ich. Betablocker blockieren die Stimmung. Wenn ich gut trainiert bin,
    kommt nach zwanzig Minuten die "Lauffreude" auf und dann
    setzt die Wirkung der Tablette ein. Der Betablocker blockiert die
    Stimmung. Ich habe keine Lust mehr!
    Nachdem jetzt einige Zeit vergangen ist, weiß ich, die Blockade
    wirkt nicht nur beim Laufen. Sie wirkt immer. Man kann sich nicht
    dagegen wehren. Es kommt aus dem Unterbewusstsein. Es ist wie beim
    Alkohol. Wer ihn trinkt, wird betrunken, ob er will oder nicht! Nur
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