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Nicht alle Ökofarben sind gesund. Labels wie Natureplus erleichtern die Auswahl. Schwamm- und Fingertest helfen, Farbe und Untergrund aufeinander abzustimmen.
Wer umzieht oder der alten Wohnung ein trendiges Outfit verpassen will, greift zu Farbe und Pinsel. Doch nicht selten dauert die Freude am neuen Anstrich nur kurz. Denn viele Farben enthalten Lösungsmittel und Konservierungsstoffe, die der Gesundheit schaden können.
Beschwerden durch ökologische Lösungsmittel
Oft festgestellte Wohngiftsymptome sind Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, manchmal auch Hautreaktionen. Um Gifte von der Wohnung fernzuhalten, weichen Heimwerker und Bauherren zunehmend auf Ökofarben aus. Doch ist Vorsicht geboten: «Auch ökologische Lösungsmittel und Hilfsstoffe können zu Beschwerden führen», warnt Roger Waeber von der Abteilung Chemikalien im Bundesamt für Gesundheit.
In der Tat stehen bei vielen Naturfarben primär der Umweltschutz und die Schonung der Ressourcen im Zentrum. Entsprechend kommen statt Erdölprodukte beispielsweise Naturharze zum Einsatz. Und als Lösungsmittel wird nicht ein synthetischer Stoff verwendet, sondern Wasser oder ein nachwachsendes Material wie Orangenschalenöl. «Für die Bewohner ist eine ausschliessliche Fokussierung auf den Umweltschutz bei Herstellung und Entsorgung allerdings unbefriedigend. Denn für sie ist vor allem die Raumluftqualität wichtig. Das führt oft zu Missverständnissen», sagt Waeber.
Pulverfarben sind angerührt nur kurze Zeit haltbar
Dies haben inzwischen auch die Hersteller von Ökofarben erkannt. So regelt heute etwa das vom WWF mitgetragene Baustofflabel Natureplus nicht nur, welche Inhaltsstoffe die Farben enthalten dürfen. Strenge Grenzwerte für Emissionen stellen darüber hinaus sicher, dass kaum noch gesundheitsgefährdende flüchtige organische Stoffe (VOC) aus den Anstrichen in die Raumluft ausgasen.
«Die höhere Qualität hat aber ihren Preis. Natureplus-Farben sind vor allem im Fachhandel erhältlich», meint WWF-Bauspezialist Stefan Haas. Es gibt auch Farbpulver, die man selber anrühren kann. Doch ist dies für Laien meist zu anspruchsvoll. Die Pulverfarben haben den Vorteil, dass sie ohne Lösungs- und Topfkonservierungsmittel auskommen. Einmal angerührt, sind sie allerdings nur kurze Zeit haltbar.
Die bekanntesten Marken für Ökofarben sind Auro, Biofa und Aquamarin.
Leimfarben immer nur mit Leimfarben übermalen
«Man sollte sich im Geschäft genau erkundigen, ob der vorgesehene Farbtyp zum Untergrund passt», rät Haas. Leo Wettstein vom Malerei- und Renovationsspezialisten Rolf Zünd AG in Baden bestätigt: «Ökofarben müssen korrekt angewendet werden.» Ein häufiger Heimwerker-Fehler sei das Überpinseln von alten Leimfarbanstrichen mit Dispersions- oder Naturharzfarben. «Solche Anstriche beginnen unweigerlich zu blättern. Leimfarben dürfen immer nur mit Leimfarben übermalt werden.» Dank Finger- und Schwammtest können auch Laien rasch herausfinden, mit welchem Altanstrich sie es zu tun haben. Dieser muss fachgerecht vorbereitet werden.
Ferner sollte man beim Arbeiten mit Naturfarben daran denken, dass Natufarben deutlich langsamer trocknen als synthetische: Pro Tag liegt nur ein Anstrich drin. Ausserdem wirken viele Anstriche mit Naturfarben am Ende etwas wolkig oder streifig. «Doch punkto Qualität und Dauerhaftigkeit stehen sie den synthetischen Anstrichen nicht nach», betont Wettstein.
Es gibt sogar klare Vorteile: Zum Beispiel sind Naturfarben dampfdurchlässig und antistatisch. Laut Stefan Haas sind Naturfarben zwar teurer, doch die Malerarbeiten sollten nicht viel mehr kosten als bei konventionellen Farben. Wichtig ist es, den Maler schriftlich auf die Verwendung von Naturprodukten zu verpflichten und während der Arbeit auch mal einen Blick in die Farbtöpfe zu werfen.
Farbreste korrekt entsorgen
Öko-Farbreste sind Sondermüll, denn auch natürliche Chemie ist Chemie. Am besten kauft man Naturfarben daher nur in Geschäften, die angebrochene Farbtöpfe zurücknehmen. Gegen ein Entgelt lassen sich Farben oft auch beim lokalen Malermeister entsorgen. Sonst kontaktiert man die Sonderabfallsammelstelle der Gemeinde. Sicher ist: Öko-Farbreste gehören weder in den Abguss noch auf den Kompost. Das gilt auch für Ablaug- und Abbeizmittel sowie für Schleifstaub.
BUCHTIPP
Stefan Haas, Beatrix Mühlethaler: «Natürlich Wohnen und Bauen», Fr. 29.-, von WWF und Beobachter.
Der Ratgeber mit Adressverzeichnis erleichtert die Suche nach giftfreien und umweltschonenden Do-it-yourself-Produkten.
22. März 2006 | Elias Kopf
