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Eine Impfung gegen Zeckenkrankheiten gibt es nicht. Die FSME-Impfung schützt nur vor einer Krankheit, die durch Zecken übertragen wird: Hirnhautentzündung.
Zeckenalarm in Luzern», «Jetzt gegen Zeckenkrankheit impfen lassen»: Die Mediensindvollmit Schlagzeilen über die kleinen Blutsauger. Ist das Risiko, durcheinenZeckenstichkrank zu werden, wirklich gestiegen, oder grenzt das Ganze an Hysterie, wohl kalkuliert von den Impfstoffherstellern Baxter und Berna Biotech/Chiron?
Tatsächlich hat die Zahl der Menschen,die an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankte, im letzten Jahr in der Schweiz zugenommen. 202 Menschen litten an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung. 2004 waren es erst 134, in den Jahren davor kaum je mehr als 100. «Die Gründe für diesen Anstieg kennen wir noch nicht», sagt Hanspeter Zimmermann von der Sektion Impfungen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Deshalb empfiehlt das BAG Erwachsenen und Kindern über sechs Jahren eine Impfung gegen FSME, wenn sie in einem Risikogebiet wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten. Als solches gelten Bezirke, in denenmindestensdreiFSME-Patienten von einer Zecke gestochen wurden.
Borreliose kommt viel häufiger vor als Hirnhautentzündung
«Hirnhautentzündungisteine schmerzhafte Viruserkrankung, bei der sich lediglich die Symptomebehandelnlassen», erklärt Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlicher-Institut. Die deutsche Behörde für die Prüfung und Zulassung von Impfstoffen beobachtet den medialen Rummel um die Impfung mit gemischten Gefühlen. «Oft ist von einem Zeckenimpfstoff die Rede», kritisiert Susanne Stöcker. «Das ist falsch. Zecken übertragen verschiedene Krankheiten - aber nur gegen Hirnhautentzündung gibt es eine Impfung.»
Mit rund 3000 Erkrankungen pro Jahr in der Schweiz ist die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose häufiger. Einen Impfschutz gibt es dagegen nicht. «Die Diagnose ist schwierig», sagt Hanspeter Zimmermann. «Die Symptome können an eine Grippe erinnern. Ein Alarmzeichen ist, wenn die Rötung des Zeckenbisses zuwandernbeginnt.»In der Anfangsphase lässt sich diese bakterielle Erkrankung mit Antibiotika behandeln. Wird dieser Zeitpunkt verpasst, sind schwere Verläufe mitGelenkentzündungenund Lähmungen möglich.
Währendborrelienverseuchte Zecken in der gesamten Schweiz zu finden sind und rund ein Drittel der Tiere den Erreger in sich trägt, ist FSME auf bestimmte Gebiete beschränkt. Der Anteil der befallenen Tiereschwanktzwischen 0,1 und 3 Prozent.
Für den Arzt Martin Hirte, Mitverfasser eines Impfratgebers, ist bei der Entscheidung für eine Impfung vorab massgebend, ob bei einer Krankheit die Gefahr einer epidemieartigen Verbreitung besteht.
Zu FSME hält er zudem fest: «Anders als bei Polio oder Diphterie wird diese Krankheit nicht von Mensch zu Mensch übertragen.» Auch müsse man die möglichen Nebenwirkungen abwägen. Die seien aber bei den FSME-Impfstoffen schlecht erfasst. Seit 2001 gibt es laut BAG für Impfstoffe 600 Meldungen über schwere Nebenwirkungen. 30 davon bezogen sich auf FSME-Impfstoffe. Die Nebenwirkungen reichten von allergischen Hautreaktionen über Muskelschmerzen bis zu krampfartigen Anfällen.
Was ist für einen Impf -Entscheid wichtig?
- Wohnort: In welchen Gebieten Zecken FSME übertragen haben, lässt sich auf der Karte ablesen, Details finden sich unter www. bag.admin.ch/infekt/krank/d/encephalite.htm.
- Freizeitverhalten: In Stadtparks oder gepflegten Gärten, sofern sie nicht an Waldgebiet grenzen, sowie in reinen Nadelholzwäldern sind Zecken selten. Über einer Höhe von 1000 Metern tragen Zecken weder FSME-noch Borrelien-Erreger in sich.
- Unverträglichkeiten: Die Impfviren werden auf Hühnerembryon
embryonalzellen gezüchtet.
Hühnereiweiss-Allergiker sollten sich nur unter klinischer Überwachung impfen lassen. Es gibt keine Erfahrungen mit Impfungen bei schwangeren Frauen.
- Alter: Bei Kindern unter sechs Jahren ist keine Impfung nötig. Bis zum Alter von zwölf Jahren sind schwere Verläufe von FSME selten. Der Schweregrad der Erkrankung nimmt mit dem Alter zu.
- Kosten: Für Menschen, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort aufhalten, übernimmt die Krankenkasse die Impfkosten.
So schützen Sie sich vor Zecken
- Festes Schuhwerk, lange Hosen und T-Shirts tragen. Auf heller Kleidung sind die Zecken leichter zu sehen.
- Hohes Gras, Farn und Unterholz meiden. Zecken bewegen sich maximal auf einer Höhe von 150 Zentimetern.
- Unbekleidete Körperstellen frühzeitig mit Antizeckenmittel behandeln. Diese wirken in der ersten Stunde relativ schwach. «K-Tipp» und Stiftung Warentest empfehlen: Zanzarin Bio-Hautschutz-Lotion, Nexa Lotte natur, Autan Active Insektenschutzmittel, Exopic Kids, Exopic 12 forte, Anti-Brumm forte.
- Zecken stechen nicht sofort, sie suchen sich geschützte Hautpartien: Kniekehlen, Achselhöhlen, Genitalbereich, Haaransatz. Findet man die Zecken innert 24 Stunden und sind sie noch nicht vollgesogen, ist die Chance gross, dass kein Erreger ins Blut gedrungen ist.
- Zecke mit einem Ruck entfernen, nicht drehen. Einstichstelle desinfizieren, Datum notieren. Treten nach ein paar Tagen oder Wochen eine «wandernde» Hautrötung, grippeähnliche Symptome oder starke Kopfschmerzen auf, sofort den Arzt aufsuchen.
29. März 2006 | Sigrid Cariola
