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Globale Aktienfonds weltweit: Für Privatanleger bilden sie eine gute Basis fürs Portfolio. Allerdings sollte man bei der Auswahl auf das Fondsprofil schauen.
Eine Grundregel jeder Geldanlage ist die Diversifikation. Sie legt dem Investor nahe, seine Gelder möglichst breit auf verschiedene Länder und Regionen zu streuen, um so das Risiko der Gesamtanlage zu mindern.
Gobale Aktienfonds bieten für eine gesunde Diversifikation eine solide Basis, weil sie automatisch genau das tun: international diversifiziert anlegen. Zudem kann der Anleger in dieser Kategorie aus knapp 200 Aktienfonds seine Wahl treffen.
Die Kriterien für die Aufnahme in diese Kategorie sind relativ breit gefächert: Wenn ein Fonds in mehr als einem Land engagiert ist, sein Vermögen zu über 80 Prozent in Aktien investiert hat und keine eindeutige Positionierung als Sektorfonds propagiert, gilt er offiziell schon als «globaler Aktienfonds».
Das muss aber nicht heissen, dass alle diese Fonds ihre Investitionen auch wirklich weltweit streuen. Dies beweist zum Beispiel der Vontobel Global Value Fonds: Der durchaus erfolgreiche Aktienfonds (Tabelle Platz 4) investiert zwar rund um den Globus, spart dabei aber dessen grösste Volkswirtschaft aus. Im Fonds-Portfolio finden sich keine Titel aus den USA. Im letzten Jahr beziehungsweise in den letzten drei Jahren hat das dem Erfolg des Vontobel-Produkts nicht geschadet: Die Einjahresperformance liegt bei rund 36 und die dreijährige bei rund 30 Prozent pro Jahr.
In den kommenden Monaten könnte die Amerika-Abstinenz im Portfolio für Schwierigkeiten sorgen. Denn vor allem in den USA sehen viele Anlageexperten demnächst wieder mehr Drive. «Bei den industriellen Ländern haben die USA derzeit das grösste Aufholpotenzial», urteilt Rolf Biland, Leiter Anlagestrategie beim Zürcher VZ Vermögenszentrum.
Erfolgreich mit unterbewerteten Aktienperlen
Anlagechef Biland favorisiert daher die auch in den USA investierten und in der Tabelle erstplatzierten Anlagevehikel Investec GS-Global Strategic Value Fund und den M & G Global Leaders Fund.
Den zwei Spitzenreitern der Tabelle ist eines gemeinsam: Strategisch folgen beide dem so genannten Value-Stil. Der Value-Investor sucht grundsätzlich nach den Aktienperlen, die langfristig grosses Gewinnpotenzial verprechen, aber zu bestimmten Zeitpunkten an der Börse unterbewertet sind.
Dabei stürzt sich der Value-Investor nicht in unbekannte Gewässer. Vielmehr bevorzugt er Unternehmen, die bereits gut am Markt eingeführt sind, solide Gewinne erwirtschaftet haben und über gute Markennamen verfügen, aber dennoch temporär unterbewertet sind.
Die Gründe für eine solche Unterbewertung können vielfältig sein, angefangen von einer allgemein schlechten Börsenstimmung, in der Aktien generell verschmäht werden oder wegen Schwierigkeiten innerhalb einer Branche, die schematisch auf alle Unternehmen projiziert werden.
Ursachen für eine Unterbewertung können auch hausgemacht sein, wenn beispielsweise ein Managementskandal im Unternehmen für Unruhe gesorgt hat.
Die Schwierigkeit ist einzig, herauszufinden, ob und wann ein Substanztitel auch wirklich unterbewertet ist und langfristig wieder steigen wird. Aled Smith, Fondsmanager des britischen M & G Global Leaders Fund, filtert dazu zunächst 18 000 Titel mittels einer technischen, rein auf Kennzahlen basierenden Analyse.
Unternehmen, deren Gewinnzahlen, Cashflow und weitere Aktienkennziffern diesen Filter überstehen, werden einer näheren, qualitativen Analyse unterzogen. Am Ende des aufwändigen Analyseprozesses landen dann rund 50 Titel im 472 Millionen Euro (736 Millionen Franken) schweren Portfolio des Fonds.
Letztes Jahr konnte der M & G-Fonds vor allem dank einer Übergewichtung des Ölsektors und japanischer Werte glänzen; derzeit liegt das Schwergewicht der Investitionen mit über 26 Prozent auf dem amerikanischen Aktienmarkt.
Der im VZ-Ranking erstplatzierte Fonds Investec Global Strategic Value geht sogar noch weiter und hat über 42 Prozent seiner 227 Millionen US-Dollar (295 Millionen Franken) in den Vereinigten Staaten investiert.
Vor dem Anlegen Portfoliostruktur analysieren
Auch hinsichtlich der Sektoren unterscheiden sich die beiden Spitzenreiter sehr deutlich: Während der M & G-Fonds die Branchen Industrie, Konsum, Dienstleistungen und Rohstoffe stark favorisiert, legt der Investec-Fonds das Schwergewicht mit 24 Prozent auf den Finanzsektor.
Allein diese Unterschiede zwischen den genannten Fonds machen deutlich: Eine genaue Analyse der Portfoliostruktur ist vor einem Investment unabdingbar. Der Privatanleger sollte überprüfen, ob die geografische Ausrichtung des Fonds mit seinem Gesamtportfolio harmonisiert. «Speziell Schweizer Anleger sollten sich bewusst sein, dass der Anteil an Schweizer Aktien in einem globalen Aktienfonds häufig sehr klein ist», mahnt Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum. Ansonsten gehen die Anleger mit einem globalen Aktienfonds unter Umständen zu grosse Währungsrisiken ein.
Grundsätzlich aber bieten globale Aktienfonds eine gute Basis für das Portfolio eines Kleinanlegers, der «mit einem globalen Fonds, der konstant gute Ergebnisse erzielt, praktisch den gesamten Aktienanteil seines Anlagevermögens abdecken kann», resümiert Anlagechef Biland.
Durch den Kauf eines einzigen globalen Fonds kann sich der Privatanleger nicht nur den Aufwand sparen, mehrere Länder- oder Regionenfonds zu kaufen und zu beobachten, sondern unter Umständen auch erhebliche Transaktionskosten, da er so nicht mehr von einem in einen anderen Länderfonds umschichten muss.
In globalen Fonds werden diese Anpassungen normalerweise regelmässig vorgenommen.
Günstige Indexfonds nur im Mittelfeld
sonst so hoch gepriesenen günstigen Indexfonds landen im Ranking der globalen Aktienfonds übrigens erst weit im Mittelfeld. Der erstplatzierte Indexfonds notiert auf Rang 46 (Balzac World Index, Einjahresperformance 28 Prozent, Dreijahresperformance 21 Prozent pro Jahr).
Indes ist es 49 aktiv gemanagten Fonds gelungen, eine höhere Einjahresperformance zu erzielen als der Weltaktienindex MSCI World, der in diesem Zeitraum um 28,76 Prozent gestiegen ist. Gemessen an der Dreijahresperformance lagen mehr als 70 Aktienfonds über der Benchmark MSCI World, die seit 2003 eine Performance von 21,61 Prozent pro Jahr erzielt hat.
Von Rangierung bis TER: So lesen Sie die Tabelle
Die Sicherheitskennzahl berechnet sich aus der Volatilität (ein Mass fürs Kursschwankungen), der negativen Elastizität (wie verhält sich der Fonds in Abwärtsphasen gegenüber dem Index?) und dem maximalen Verlust (entspricht der schlechtesten Sechsmonatsperiode).
Die Renditekennzahl setzt sich zusammen aus dem Quartils-Ranking (wie gut war der Fonds innerhalb sämtlicher Dreimonatsphasen im Vergleich zur Konkurrenz?), aus der Performance (absolute Dreijahresperformance) und der positiven Elastizität (wie verhält sich der Fonds in Aufwärtsphasen gegenüber dem Index?).
Die Rangierung in der Tabelle ergibt sich aus dem Total von Rendite- und Sicherheitskennzahl, wobei die Renditekennzahl doppelt zählt.
Fazit: Fonds mit hoher Renditekennzahl schneiden bei der Sicherheitskennzahl oft eher schlecht ab. Umgekehrt verhindert eine hohe Sicherheitskennzahl überdurchschnittliche Renditen.
Die Total Expense Ratio (TER) umfasst alle indirekten Kosten wie Management Fee, Transaktions- und Depotgebühren usw. Sie besagt also, wie viele Kosten dem Fondsvermögen in Form von Aufwendungen belastet werden. Sie wird inzwischen von den meisten Fondsgesellschaften in Prozent des Fondsvermögens ausgewiesen.
Beobachtungszeitraum für die Fondstabelle: Ende Februar 2003 bis Ende Februar 2006.
29. März 2006 | Sandra Willmeroth
