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Immer mehr hyperaktive Kinder schlucken Ritalin. Doch aus den USA kommen alarmierende Berichte von Halluzinationen und Todesfällen.
Zappelphilippe werden immer häufiger mit Medikamenten ruhig gestellt - vor allem mit Ritalin. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Absatz in der Schweiz fast verdoppelt.
Doch jetzt kommen aus den USA alarmierende Meldungen: 25 Menschen, die Medikamente gegen Hyperaktivität genommen haben, sind gestorben. Andere haben schwere Kreislaufprobleme oder Halluzinationen: Sie glauben, Schlangen, Insekten und Würmer gesehen zu haben. Auch der Zulassungsbehörde Swissmedic liegen 72 Meldungen von Nebenwirkungen bei Patienten vor, aber keine Berichte über Todesfälle.
Zu den Todesfällen in den USA sagt der Basler Kinderpsychiater Dieter Bürgin: «Ritalin ist keine harmlose Substanz. Es regt den Kreislauf an. Bei bestehenden Krankheiten kann es Probleme geben.» Etzel Gysling, Arzt und Herausgeber der Zeitschrift «Pharma-Kritik», fordert: «Man sollte die Hinweise in der Packungsbeilage verschärfen.»
Tatsächlich plant die Herstellerfirma Novartis, die Patienteninformation abzuändern. Christine Strohmaier, Medizinische Direktorin bei Novartis, beschwichtigt, Ritalin sei nicht gefährlich, wenn es die Ärzte sachgerecht einsetzten: «Dann kommen Kreislaufprobleme nicht häufiger vor als bei Menschen, die das Medikament nicht nehmen.»
Fachleute wie Dieter Bürgin kritisieren den zunehmenden Ritalin-Konsum auch aus grundsätzlichen Überlegungen: «Manche Eltern hoffen, die Pillen schafften Probleme schnell aus der Welt. Aber das ist nicht im Interesse der Kinder.» Bürgin sagt: «Ärzte dürfen Ritalin nur nach einer sorgfältigen Untersuchung verschreiben. Leider ist dies nicht immer der Fall.»
(ag)
12. April 2006
