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Telefonieren, SMS- und MMS-Verschicken mit Prepaid-Handys ist im Inland günstiger und attraktiver geworden. Auf EU-Niveau sind die Preise aber noch lange nicht.
Heute liegen die Prepaid-Minutentarife bei fast allen Anbietern unter 50 Rappen. Das war vor gut einem Jahr noch ganz anders. Anfang 2005 war Sunrise bei den Prepaid-Angeboten mit einem Minutentarif von 69 Rappen klar am günstigsten.
Doch ausgelöst durch einen Preiskampf neuer Anbieter auf dem Markt purzelten die Preise. Die Migros wollte M-Budget Mobile eigentlich im September 2005 mit einem Einheits-Minutentarif von 48 Rappen starten - doch wegen der drückenden Konkurrenz musste sie den Preis bis auf heute 37 Rappen korrigieren. Damit bietet M-Budget Mobile den derzeit günstigsten Prepaid-Einheitstarif. Die für die Kunden praktischen Einheitstarife haben sich auch bei den meisten anderen Anbietern durchgesetzt.
Swisscom: Hoher Tarif für Anrufe in Fremdnetze
Endlich spielt es keine Rolle mehr, ob man ins Festnetz, ins eigene Mobilnetz oder ins Netz eines anderen Anbieters anruft. Nur Swisscom und Sunrise begünstigen Anrufe ins Fest- und ins eigene Netz. Bei beiden kommt dann ein Stundentarif zur Anwendung.
Die Einheitstarife ermöglichen es, die Prepaid-Angebote besser miteinander vergleichen zu können (siehe Tabelle). Dabei fällt auf, dass Swisscom für die Anrufe in fremde Netze den mit Abstand höchsten Tarif verlangt. Carsten Roetz von Swisscom Mobile wehrt sich allerdings gegen den Vorwurf, das Prepaid-Angebot sei unattraktiv. «Unsere Kunden tätigen etwa 80 Prozent ihrer Anrufe ins eigene Mobilnetz oder ins Festnetz. Wir haben auf einen Einheitspreis verzichtet, um den hohen Anteil der netzinternen Gespräche sehr günstig anbieten zu können.» Zudem hält er fest, dass Natel Easy Liberty nicht mit den Günstigangeboten vergleichbar sei: «Wir bieten umfangreichere Dienste.»
Tatsächlich ist die Kehrseite der günstigsten Angebote, dass sie den Kunden weniger Möglichkeiten bieten. So können etwa bei Cablecom, M-Budget oder Yallo nur Sprachdienste und SMS genutzt werden, nicht aber Bildmitteilungen oder mobile Internetdienste. Die Einschränkungen sind aber nicht bei allen Anbietern gleich.
Es lohnt sich zu vergleichen. Orange, Orangeclick, Sunrise und Swisscom ermöglichen die Nutzung aller gängigen Zusatzdienste. Coop Mobile, einer der günstigsten Anbieter, hat im Gegensatz zu M-Budget immerhin Bildmitteilungen und einen Anrufbeantworter im Angebot.
Unterschiede gibt es auch bei den Kosten für das Startpaket. Besonders günstig ist dieses bei Orangeclick. Für 10 Franken gibt es eine SIM-Karte inklusive 20 Franken Guthaben. Doch auch die Konkurrenten verlangen für die SIM-Karte kaum noch etwas - oder sie versüssen den Start mit Guthaben-Geschenken. Ob man bei einem Wechsel die Rufnummer mitnehmen kann, hängt vom Anbieter ab.
Orangeclick und Swisscom: Bei den SMS am teuersten
Der Umstieg auf ein Prepaid-Angebot dürfte sich für viele lohnen. Eine Faustregel besagt, dass sich eine Prepaid-Variante für alle auszahlt, die pro Tag weniger als 10 Minuten mobil telefonieren. Und für SMS-Freaks empfehlen sich diese Angebote sowieso: Während fast alle Mobil-Abonnenten für eine SMS noch zwischen 15 und 25 Rappen zahlen, verlangen viele Prepaid-Anbieter dafür noch 10 Rappen. Ursprünglich waren die günstigen Kurzmitteilungen als Promotionstarife gedacht, doch die Anbieter konnten später nicht mehr zurückkrebsen. So ist der Preis von 10 Rappen geblieben - einzig Cablecom will diesen Tarif voraussichtlich im Juni wieder erhöhen.
Zwei Anbieter sind bei den SMS allerdings deutlich teurer als der Rest. Bei Swisscom Natel Easy Liberty kostet eine Kurzmitteilung 20 Rappen - und dabei soll es auch bleiben:
«Im Vergleich zu den klassischen Prepaid-Angeboten von Orange und Sunrise sehen wir unsere Preise als völlig angemessen an», sagt Roetz. Bei Orangeclick kommt eine SMS gar auf 25 Rappen zu stehen. Die Kunden können jedoch für 3 Franken monatlich eine SMS-Option lösen, dank der eine Kurzmitteilung in der Folge nur noch 10 Rappen kostet. Bewusst habe man diese SMS-Option nicht im Grundpaket eingeschlossen: «Im Gegenzug hätten wir den Preis für das günstige Grundpaket erhöhen müssen, und das wollen wir nicht. Denn nicht alle Orangeclick-Kunden wollen viele SMS verschicken», erklärt Marie Claude Debons.
Orange Prepay Unlimited unterbietet M-Budget Mobile
Noch jung ist das Preismodell von Orange Prepay Unlimited. Die erste Minute ist zwar mit 50 Rappen etwas teurer als bei den anderen Anbietern, dafür kostet jede folgende Minute nur noch 25 Rappen. Ähnlich sieht es bei den Kurznachrichten aus: Für die ersten zehn SMS pro Tag fallen 19 Rappen an, alle weiteren sind gratis. Damit unterbietet Orange erstmals den Tarif von M-Budget Mobile. Für Migros-Sprecher Urs-Peter Naef kein Grund zu reagieren: «Wir bleiben für Gelegenheitstelefonierer klar das günstigste Angebot. Bei uns gelten die Tarife ab der ersten Sekunde.»
Ähnlich schätzt man die Situation bei Coop Mobile ein: «Prepay Unlimited spricht vor allem Leute an, die sehr viele SMS verschicken und deren Gespräche länger dauern. Wir richten uns dagegen an Leute, die kurze Gespräche führen und auch mal weniger SMS verschicken», so Coop-Sprecher Jörg Birnstiel. Die Fernmeldestatistik zeige zudem, dass ein durchschnittlicher Anruf mit einem Handy weniger als 1,5 Minuten dauere.
EU-Preisniveau liegt nach wie vor viel tiefer
Im europäischen Vergleich schneiden die Prepaid-Tarife noch immer schlecht ab. In Deutschland zum Beispiel gibt es Prepaid-Angebote, die Anrufe in alle Netze ab 14 Cents (22 Rappen) ermöglichen. In Österreich kostet die Gesprächsminute beim günstigsten Anbieter 9 Cents (14 Rappen). Migros-Sprecher Naef glaubt, dass auch die Schweizer Tarife noch weiter sinken, sofern der Markt spielt: «Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass wir schon bald auf EU-Niveau landen werden.» Auch Birnstiel schliesst für Coop Mobile weitere Preissenkungen nicht aus: «Wir geben auf jeden Fall das Versprechen ab, preislich zum günstigsten Marktangebot zu gehören.»
Überrissene Preise für Anrufe aus dem Ausland
Prepaid-Produkte sind für Gespräche im Inland für die meisten Kunden am günstigsten. Anrufe aus dem Ausland in die Schweiz mit diesen Angeboten sind aber gemäss einer Analyse von Comparis massiv überteuert. Der Internetvergleichsdienst hat einen Warenkorb mit je zwei Gesprächen aus den sieben wichtigsten europäischen Ferienländern in die Schweiz zusammengestellt. M-Budget Mobile und Coop Mobile schneiden dabei mit einem Preis von je rund 100 Franken mit Abstand am schlechtesten ab. Am günstigsten gehts mit einem Swisscom-Abo: Dieselben Gespräche kommen dort auf knapp 58 Franken.
Auch beim Warenkorb mit Gesprächen aus weiteren wichtigen Feriendestinationen (Tunesien, Türkei, Ägypten) sind M-Budget und Coop ausnahmslos am teuersten.
24. Mai 2006 | Mirjam Fonti
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