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Artikel | saldo 11/2006

Zu viele Keime: Jeder zehnte Salat ist unappetitlich

Bei fünf Fertigsalaten war die Gesamtkeimzahl zu hoch, einer enthielt sogar Fäkalbakterien. Dies ist das Ergebnis einer saldo-Stichprobe von 48 Produkten.

Fertig angerichtete Salate zum Mitnehmen sind praktisch - aber nicht immer gesund und appetitlich. Das zeigt die saldo-Stichprobe. In einigen Schalen tummelten sich massiv zu viele Keime, in einem Salat fanden sich sogar Fäkalbakterien. saldo schickte insgesamt 48 Proben ins Labor. Die Takeaway-Salate wurden bei Grossverteilern, Traiteurständen, Bäckereien und Delikatessgeschäften eingekauft - in den Städten Aarau, Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich.

Wer sich auf die schnelle Art verpflegen möchte, kann aus einem riesigen Salatangebot wählen. Aus diesem Grund hat saldo unterschiedliche Varianten wie Poulet-Curry-, Couscous-, Wurst-, Kartoffel-, Crevetten-, Hörnli-, Sellerie-, Eier- oder Rüeblisalat im Labor analysieren lassen. Dort wurden bei allen Produkten die aeroben mesophilen Keime gemessen. Diese sind nicht gesundheitsgefährdend, sagen aber etwas über den Frischezustand eines Lebensmittels aus.

Im Labor wurde auch nach weiteren, potenziell krank machenden Keimen wie Enterobakterien, Escherichia coli oder Staphylokokken gesucht. Die fleischhaltigen Salate wurden zudem auf Clostridium perfringens untersucht, das zu Bauchkrämpfen und Durchfall führen kann. Bei den Pouletsalaten testete das Labor, ob sie Campylobacter enthalten. Diese Keime können schwere Vergiftungen oder Infektionskrankheiten verursachen.


Migros Gourmessa: Verdorbener Wurst-Käse-Salat

Zubereitete Salate dürfen gemäss schweizerischer Hygieneverordnung nicht mehr als 10 Millionen aerobe mesophile Keime pro Gramm (KBE/g) enthalten. Übersteigt die Keimzahl diesen Wert, bedeutet das, dass die Hersteller schlechte Ausgangsprodukte verarbeitet haben, dass sie die Salate unsauber produziert oder zu lange gelagert haben.

Drei Salate überschritten den Wert um rund das Zweifache: Der Rüeblisalat der Metzgerei Lobsiger in Bern, der Rüeblisalat von Beck Koch in Luzern und das Kisir von Manor Basel.

Noch viel mehr Keime enthielt die Salatschale mit Thon der Migros Igelweid in Aarau: Mit 144 Millionen KBE/g überschritt dieses Produkt den Toleranzwert um mehr als das 14fache.

Gleich doppelt unappetitlich war der Wurst-Käse-Salat der Migros Gourmessa in Basel: Neben einer Gesamtkeimzahl von 62 Millionen pro Gramm enthielt dieser Salat auch Escherichiacoli-Bakterien. Das sind Fäkalbakterien, die nur im menschlichen oder tierischen Darm vorkommen und Magen- oder Darmerkrankungen verursachen können. Die Hygieneverordnung sieht einen Toleranzwert von 10 KBE/g vor - der Migros-Salat enthielt 260-mal mehr.

Verglichen mit ähnlichen Untersuchungen der kantonalen Labors ist das saldo-Testresultat ein relativ gutes Ergebnis, denn es wurden keine wirklich gefährlichen Mikroorganismen festgestellt. 2002 fand das Kantonale Labor St. Gallen in 6 von 30 Proben Keimzahlüberschreitungen, in einem Salat gar Staphylokokken, die eine Lebensmittelvergiftung verursachen können. Das Kantonale Labor Baselland musste 2003 drei vorverpackte Salate als gesundheitsgefährdend beanstanden, weil sie Listerien enthielten. Diese Keime können schwere, gar tödliche Krankheiten auslösen.


Hersteller wollen Produktionskontrolle verbessern

saldo hat die Hersteller mit den Ergebnissen konfrontiert und nach Gründen für die hohen Keimzahlen gefragt. Peter Küng von der Migros Basel erklärte, es sei leider zwölf Tage nach dem Verkauf nicht mehr möglich, die genaue Ursache abzuklären. Man werde aber die Mitarbeiter informieren, die Wareneingangskontrolle verstärken sowie Kühlkette und Lagerhaltung überprüfen.

Thomas Bornhauser von der Migros Aare bedankte sich bei saldo: «Nur wenn wir auch auf Institutionen wie saldo zählen können, wird es uns gelingen, mögliche Fehlerquellen noch genauer unter die Lupe zu nehmen, zu eliminieren und unsere Dienstleistungen nochmals zu verbessern.»

Marcel Koch von Beck Koch AG in Luzern vermutet, dass die Dekoration auf dem Rüeblisalat der Grund für die Verunreinigung gewesen sei. Man wolle diese ab sofort waschen.

Manor Basel hat umgehend reagiert und das Produkt Kisir aus dem Verkauf genommen. Zudem wurde der Lieferant aufgefordert, die Quelle der Verunreinigung zu lokalisieren und zu beseitigen. Bis dahin werde das Produkt nicht wieder ins Sortiment aufgenommen.

Hans Ulrich Jungen von der Metzgerei Lobsiger in Bern vermutet, dass die Rüebli für den Salat zu lange gelagert worden seien: «Wir haben dazugelernt und werden in Zukunft besser aufpassen.»



Diese Salate waren einwandfrei

Aarau
Böglis Bahnissimo: Hörnlisalat, Kartoffelsalat
Coop City, Zentrum Igelweid: Chicken-Curry

Basel
Confiserie Sprüngli, Passerelle: Poulet-Curry
Coop, Centralbahnplatz: Wurstsalat
Coop, Clarastrasse: Poulet-Curry-Salat
Globus: Kartoffelsalat
Migros, Bahnhof: Salatschale Poulet
Sutter Begg, Bahnhof: Hörnlisalat

Bern
Ängeli Beck, Markthalle: Sellerie & Nüsse, Thon-Ebly
Coop, Ryfflihof: Chicken-Curry, Maissalat
Globus Delicatessa, Spitalgasse: Flusskrebssalat
Grauholz Märit, Autobahnrestaurant Ittigen: Teigwarensalat
Metzgerei Lobsiger, Warenhaus Loeb: Kartoffelsalat
Migros Gourmessa, Marktgasse: Maccaronisalat, Wurst-Käse-Salat
Vatter, Bärenplatz: Gemischter Salat

Luzern
Confiseur Bachmann, Rail City: Thon-Teigwaren-Salat
Globus Delicatessa, Pilatusstrasse: Hering-Randen, Spargel-Eier
Migros, Hertensteinstrasse: Kartoffelsalat, Teigwarensalat
Niederberger Confiserie, Buobenmatt: Wurst-Käse-Salat

St. Gallen
Al Forno Take Away, Spisermarkt: Salat gemischt mit Teigwaren und Mais
Feinbäckerei Schwyter, Neugasse: Kabis-Karotten-Salat
Gemperli Metzgerei AG, Schmidgasse: Wurstsalat
Migros Gourmessa, Neumarkt: Geflügelsalat, Wurst-Kartoffel-Salat
Rietmann Traiteur, Marktgasse: Meeresfrüchte-Salat
Starbucks, Bahnhof: Bella Italia
Upper Crust, Bahnhof: Salat gemischt mit Thon

Zürich
Confiserie Sprüngli, Hauptbahnhof: Hörnlisalat
Coop Take It, Bahnhofbrücke: Kartoffelsalat
Deli, Bellevue: Hörnlisalat
Gentner Weine, Limmatquai: Pouletsalat hausgemacht
Globus Delicatessa, Bellevue: Crevettensalat
Marinello, Shopville: Selleriesalat
Metzgerei Kauffmann, Bahnhofstrasse: Crevetten- Cocktail
Migros Gourmessa, Stadelhofen: Eiersalat
Starbucks, Limmatquai: Couscous Summer Dream
Steiner Bäckerei Konditorei, Jelmoli Gourmet Factory: Wurst-Käse-Salat

07. Juni 2006 | Jeannette Büchel, Claudine Gaibrois


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