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Artikel | Haus & Garten 3/2006

Der richtige Dreh mit den Kräuterspiralen

Pfiffige Gärtner bauen ihre Kräuter in Kräuterspiralen an. Um dabei nicht ins Kraut zu schiessen, befolgt man am besten ein paar Tricks und Tipps.

Der richtige Dreh mit den Kräuterspiralen

Ob Thymian oder Dill, Salbei oder Schnittlauch: Kräuter sind wieder voll im Trend - nicht nur auf dem Speiseteller, sondern auch im eigenen Garten. Raffinierte Kräutergärten lassen sich mit wenig Aufwand anlegen. Oft genügen alte Holzleitern oder Wagenräder: Man steckt sie in die Erde und bepflanzt deren Zwischenräume. Der wahre Miraculix schwört aber auf Kräuterspiralen, auch Kräuterschnecken genannt. Diese sind kräutertechnisch ergiebig und geben auch optisch viel her. Das Spiralengärtnern will aber gelernt sein.


Am Fuss der Spirale ein kleiner Teich

«Jedes Kraut hat seine Vorlieben - einige mögen es höher, andere sonniger, wiederum andere lehmiger», erklärt die Kräuterspezialistin Elisabeth Frei aus Wildensbuch ZH. Den verschiedenen Ansprüchen in Sachen Standort, Licht und Nahrung wird man mit einer Kräuterspirale am besten gerecht. Denn als dreidimensionale Beete winden sich Spiralen in die Höhe: Dadurch kann man sowohl verschiedene Lichtverhältnisse ausnützen als auch die Bodenfeuchtigkeit terrassenartig variieren.
Als Seitenwände der Kräuterschnecken dienen Steine. Diese speichern tagsüber Sonnenwärme, die sie dann in der Nacht an den Boden abgeben. Frost bis minus 5 Grad Celsius kann so abgefangen werden.

Der Fuss der Kräuterspirale eignet sich sehr gut, um einen Kleinteich anzulegen. Dieser ist nicht nur ein toller Blickfang - er sammelt zusätzlich Wärme und ist für verschiedene Gartennützlinge ein wertvolles Biotop.

Kräuterspiralen werden im Frühjahr oder im Herbst angelegt. Für den Standort gilt: je sonniger, desto besser. Besonders geeignet sind wind- und kältegeschützte Plätzchen in Küchennähe. «Will man sich ausserdem den Segen der Kräuterhexe sichern, baut man ihr eine würdige Landebahn, indem man die Spirale schön nach Süden auslaufen lässt», rät Kräuterexpertin Elisabeth Frei.


Die Spirale - eine Anleitung in zehn Schritten

Es lohnt sich, die Gestaltung der Kräuterspirale gründlich zu planen. Und so geht es:

1. Skizze: Zeichnen Sie zuerst einen Bauplan auf.

2. Terrain: Stecken Sie das Terrain mit einem Durchmesser von 2 bis 3 Metern kreisförmig ab. Achten Sie darauf, dass die Spirale zur Umgebung passt.

3. Boden: Heben Sie die oberste Bodenschicht spatentief aus (ca. 30 bis 50 cm) und lagern Sie die Muttererde in der Nähe auf einer grossen Blache oder Plastikunterlage.

4. Drainage: Füllen Sie die Grube mit Ziegelsteinen, Bauschutt oder Feinschotter auf. Achten Sie darauf, dass der Bauschutt nicht mit giftigen Zusätzen wie zum Beispiel Teer oder Imprägnierungsmittel belastet ist.

5. Spiralform: Stecken Sie die Form mit mehreren Pfählen und einer Richtschnur ab.

6. Mauern: Errichten Sie die Mauern. Dies erfordert ein gutes Augenmass sowie etwas Geduld. Nehmen Sie dafür Feld-, Kalksand- oder Ziegelsteine. Als Erstes «zeichnen» Sie mit den Steinen eine «flache» Spirale am Boden, denn so haben Sie den Grundriss. Dann beginnen Sie beim tiefsten Punkt der Spirale und errichten die Mauern aufsteigend. Folgen Sie der Richtschnur! Die Höhe der Spirale und der Abstand zwischen der Innen- und Aussenwand hängen von der Umgebung sowie vom Platz ab, den man zur Verfügung hat. Oft sind Spiralen aber etwa 1 m hoch, und der Abstand zwischen den Mauern beträgt 50 bis 60 cm.

7. Mauerspalten: Stehen die Mauern, werden die Spalten zum besseren Halt mit Lehm oder Erde gefüllt. Sie können auch punktuelle Fixierungen mit Mörtel vornehmen, übertreiben Sie es aber nicht. Denn Mauerritzen sind kleine Biotope für Pflanzen und Nützlinge (Insekten, Kröten, Eidechsen u. a.).

8. Erde: Füllen Sie die Spirale. Dazu brauchen Sie die in der Nähe gelagerte Muttererde sowie auch Komposterde, Sand oder Kalk. Variieren Sie den Nährstoffgehalt der Erde spiralabwärts in drei verschiedene Zonen:
- Obere Zone
Durchlässig, mager, trocken: Mischen Sie etwas Sand oder Kalk in die Muttererde.
- Mittlere Zone
Halbschattig, trocken: Die Muttererde sollte genügen.
- Untere Zone
Humusreich und etwas feucht: Reichern Sie die Muttererde mit Komposterde an.

9. Teich: Heben Sie das Loch (50 bis 90 cm) für den Teich aus. Unterlegen Sie das Bassin mit einer Teichfolie. Das Wichtigste beim Teich ist der fliessende Übergang: Zwischen dem Wasser und der Erde am unteren Ende der Spirale sollte eine Verbindung bestehen. Bauen Sie um den Teich einen Kranz aus Steinen. Das sieht nicht nur schön aus, sondern erleichtert auch den Vögeln die Tränke.

10. Bepflanzung: Kaufen Sie im Fachhandel die Setzlinge jener Kräuter, die Sie auf Ihrer Spirale anpflanzen wollen. Beachten Sie dazu den Bepflanzungsvorschlag der Spezialistin Elisabeth Frei:
- Obere Zone
Mauerpfeffer, Echter Oregano, Rosmarin, Küchenthymian, Breitblättriger Salbei, Weinraute, Rotblättriger Salbei, Mutter-Kraut (evtl. Lavendel).
- Mittlere Zone
Zitronen-, Orangen-, Kümmel-Thymian, Schnittknoblauch, Basilikum (verschiedene Sorten), Petersilie, Lavendel, Polster-Oregano, Schnittsellerie, Ringelblume, Schildampfer, Mexikanischer Koriander, Zitroniges Eisenkraut.
- Untere Zone
Luftzwiebel, Schnittlauch, Gartenkerbel, Dill, Estragon, Virginische Bergminze, Süssdolde, Polster-Minze, Sauerampfer, Rotblättriger Ampfer, Rucola, Portulak, Römische Kamille, Pimpernell, Chinesischer Koriander.

Achtung: Weil Wermut und Pfefferminze wuchern, sollte man ihnen keinen Platz auf der Kräuterspirale reservieren. Und Schnittlauch und Petersilie sind nicht die besten Nachbarn.

28. Juni 2006 | ADRIANO PAVONE


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