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Stress und falsche Essgewohnheiten können zu Sodbrennen führen. Medikamente sind nicht unbedingt nötig: Hausmittel helfen oft genauso.
Ein Stück Brot, dick beschmiert mit Butter und etwas Konfitüre: Bei Josef Laimbacher, 70, weckt der Gedanke an ein solches Frühstück schlimme Erinnerungen. Wenn er so ass, krümmte er sich vor Schmerzen.
Heute leidet er zum Glück nicht mehr unter Magenbrennen. Dies schreibt er der Umstellung seiner Ernährung zu: Er isst leichter und kleinere Portionen. Zudem trinkt er täglich mindestens einen Liter Brennnesseltee. Josef Laimbacher ist sicher: «Der Brennnesseltee stärkt die Magenschleimhaut und gibt dem Magen so besseren Schutz vor der Magensäure.»
Die Beschwerden, an denen der Rentner jahrelang litt, kennen viele: Jeder fünfte Erwachsene hat mindestens einmal wöchentlich Magenbrennen.
Oft ist der Schliessmuskel am Mageneingang schuld
Eine der häu?gen Ursachen für Sodbrennen ist ein nicht richtig funktionierender Schliessmuskel am Mageneingang. Dann kann der Mageninhalt - vor allem im Liegen und nach üppigen Mahlzeiten - zurückfliessen. Der saure Mageninhalt reizt die Schleimhaut in der Speiseröhre und kann zu Entzündungen und Schmerzen führen.
Sodbrennen nennt man dies oder auch Magenbrennen, saures Aufstossen oder Reflux.
Gründe, weshalb es so weit kommt, gibt es viele: zu üppige Mahlzeiten, ungesunde Ernährung, Übergewicht, zu enge Kleider, eine Schwangerschaft. Aber auch Nikotin, Medikamente und Alkohol können Magenbrennen verursachen.
Zigaretten lähmen die Speiseröhre
Klar ist: Wer den lästigen Schmerz loswerden möchte, muss als Erstes seine Ess- und Lebensgewohnheiten überprüfen. Die Ernährung hat einen grossen Einfluss auf die Magentätigkeit und kann die Schleimhaut unterschiedlich stark reizen. Wichtig ist deshalb eine basenreiche Ernährung, die den Säuregrad im Magen etwas absenkt. Bevorzugen sollte man Vollkornbrot, Müesli, Früchte und Gemüse.
Weniger Kaffee und Zigaretten nützen auch schon viel: Denn Zigaretten können das untere Drittel der Speiseröhre lähmen. Dadurch funktioniert das Ventil zwischen Magen und Speiseröhre nicht mehr richtig.
Beginnt der Magen trotzdem wieder zu drücken und brennen, helfen häu?g einfache Hausmittel.
Zum Beispiel Kartoffelsaft: Der Schweizer Arzt Max Bircher-Brenner hat bereits vor mehr als 80 Jahren beobachtet, dass der Saft aus frischen Kartoffeln das Sodbrennen lindert.
Darauf schwört auch Gesundheitstipp-Leserin Vreni Furter, 74: «Kartoffelsaft ist das Beste. Das Magenbrennen hört damit innert Sekunden auf.» Den Saft macht sie selbst, indem sie eine frische Kartoffel durch die Bircherraffel reibt und danach das Mus durch ein Sieb drückt. «Ich trinke einen Teelöffel Kartoffelsaft, das reicht», so Vreni Furter. Wer den Saft nicht selbst machen will, kann ihn in Drogerien kaufen.
Genauso effektiv wie Kartoffelsaft ist Natron: Greti Bangerter, 59, hat das Mittel immer zu Hause. Normalerweise verwendet man es als Backtreibmittel. Sie hingegen benutzt es als Erste-Hilfe-Rezept gegen Magenbrennen. «Ein Löffelchen davon und wenige Minuten später sind die Schmerzen vorbei», sagt die Hausfrau. Sie ist froh, ein Mittel gefunden zu haben, das sie schnell von ihren Schmerzen befreit. Früher nahm sie deswegen Kortison.
Mittlerweile weiss Greti Bangerter genau, was bei ihr die Magensäure hochkommen lässt: frisches Brot, künstliche Süssstoffe, Würste und Blätterteig. Diese Produkte versucht sie, wenn immer möglich, zu meiden.
Den Körper über die Haut entsäuern
Nebst Kartoffelsaft, Natron und Brennnesseltee können auch andere Mittel die Beschwerden von Sodbrennen lindern. Zum Beispiel
- ein Glas warmes Wasser oder Weisskohlsaft
- Kamillentee mit etwas aufgelöster Heilerde
- Kümmelsamen, die man so lange wie möglich kaut
- geschälte Mandeln oder Nüsse, trockene Haferflocken, Vollkornbrot oder Lakritze (Letzteres nicht bei hohem Blutdruck)
- ein Teelöffel mittelscharfer Senf oder Meerrettich
- Basenpulver; erhältlich in Drogerien und Apotheken.
Für den Arzt John van Limburg Stirum kann regelmässiges Sodbrennen auch ein Zeichen dafür sein, dass der Körper übersäuert ist: «Der Organismus deponiert die überschüssige Säure im Magen, wo sie am wenigsten schadet», erklärt er. Eine sanfte Entsäuerung über die Haut kann man leicht selbst machen. Van Limburg Stirum: «Man nimmt 100 Gramm Natriumbicarbonat, schüttet es in eine volle Badewanne und badet 30 bis 45 Minuten darin. Dies macht man ein- bis zweimal pro Woche.» Natriumbicarbonat gibt es in jeder Apotheke zu kaufen.
Wenn dies alles nichts nützt und die Beschwerden über längere Zeit auftreten, sollte man zum Arzt gehen.
Wie Sie Sodbrennen verhindern
- Tragen Sie keine engen Kleider.
- Kauen Sie die Speisen gut, essen Sie langsam.
- Regelmässige kleinere Mahlzeiten sind besser als wenige üppige.
- Verzichten Sie nach dem Essen auf Sport.
- Essen Sie am Abend möglichst früh, wenig und leicht. Legen Sie sich frühestens drei Stunden nach dem Essen ins Bett.
- Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper.
- Bevorzugen Sie vollwertige Nahrungsmittel wie Vollkornbrot, Vollkornteigwaren, Vollreis, Mais, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Gemüse und süsse Früchte.
- Vermeiden Sie fettige und scharfe Nahrung, säurehaltige Früchte, eiskalte Getränke und ofenfrisches Brot.
- Trinken Sie nicht mehr als zwei Tassen Kaffee und Tee pro Tag. Meiden Sie Pfefferminztee.
- Verzichten Sie auf Schokolade, Alkohol und Nikotin.
- Vermeiden Sie ständigen Ärger und Stress.
28. Juni 2006 | Gabriela Braun