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Wer keinen Videorekorder hat, kann sich TV-Sendungen auch via Inter net aufnehmen lassen.
saldo testete, was diese Online-Rekorder taugen.
Noch haben Videorekorder in Schweizer Wohnzimmern ihren festen Platz. Doch Konkurrenz aus dem Internet macht die Geräte vielleicht schon bald überflüssig. www.onlinetvrecorder.com und www.shift.tv heissen die Angebote, die ganz ohne TV-Anschluss auskommen.
Das Prinzip ist einfach: Der Kunde klickt in einer Programmübersicht auf der Website die gewünschte Sendung an, diese wird aufgenommen und auf einem Server der Seite gespeichert. Später kann man die Aufzeichnung auf den eigenen Computer herunterladen und ansehen. saldo prüfte, ob die Seiten halten, was sie versprechen.
Die Voraussetzungen
Ein PC mit Internetanschluss reicht aus, weitere Zusatzgeräte braucht es nicht. Damit man die aufgenommenen Sendungen auf die eigene Festplatte herunterladen kann, sollte man aber über einen Breitbandanschluss verfügen.
Die Kosten
Bei der Anmeldung fällt der grösste Unterschied zwischen den beiden Angeboten auf: Onlinetvrecorder.com ist kostenlos, bei Shift.tv gibt es - neben dem stark eingeschränkten Gratis-Schnupperabo - ein Dreimonatsabo für rund 47 Franken oder die Einjahresvariante für 79 Franken.
Erstes Manko des Gratisangebots: Bei der Anmeldung akzeptiert die Site die E-Mail-Adresse nicht. Erst das Nachfragen im dazugehörenden Forum (http://forum.online tvrecorder.com) half weiter. Bei Shift.tv klappte die Anmeldung dagegen auf Anhieb.
Das Angebot
Bei der Senderauswahl hat die Gratisvariante die Nase vorn: Onlinetvrecorder.com bietet 38 Sender an. Darunter auch solche, die im Schweizer Kabelfernsehen nicht zu sehen sind, wie etwa den ZDF Theaterkanal. Weitere Sender sind bereits aufgelistet, aber noch nicht abrufbar. Shift.tv erweist sich hier trotz hoher Abokosten mit 21 Sendern schmal.
Das Programmieren
Die Wahl der gewünschten Sendung funktioniert bei beiden Anbietern ähnlich einfach. Bei Shift.tv gibts unter «Programmzeitschrift» eine übersichtliche Liste mit allen Sendungen. Ein Klick reicht, und schon ist die Sendung programmiert. Bei Onlinetv recorder.com geht dies unter «Aufnahme/EPG-Tabelle» ebenso reibungslos.
Der Clou des Gratisangebots: Die Sendungen lassen sich auch von unterwegs via SMS programmieren. Wer also in den Ferien bemerkt, dass der Lieblingsfilm im TV kommt, kann die Website schnell und einfach per Handy zum Aufnehmen bringen. Damit dies funktioniert, muss man aber
zuvor auf der Website die Handy-Nummer eingeben (unter «Konfiguration/SMS»). Schweizer dürfen die Vorwahl 41 nicht vergessen (0041 oder +41 funktionierte im Versuch nicht). Ein Nachteil: Im Versuch kam keine Bestätigung, ob die SMS-Programmierung funktioniert hat.
Das Herunterladen
Ist die Sendung aufgenommen, ist die Arbeit noch nicht zu Ende. Noch sind die Daten nicht auf dem eigenen PC. An diesem Punkt trumpft das kostenpflichtige Shift.tv auf. Die Aufnahme kann man hier bereits online ansehen, ohne dass man sie herunterladen muss. Doch auch der Download ist kein Problem. Eine halbe Stunde Aufnahmezeit entspricht rund 120 Megabyte Daten. Die Sendung kann man danach sofort auf einem Windows-PC abspielen.
Bei Onlinetvrecorder.com wird die Sache dagegen knifflig. Will man die Datei kostenlos herunterladen, braucht man Zeit und Geduld. Klickt man auf das Download-Symbol, geht ein neues Fenster auf. Dort muss man auf «direkter Download» drücken und danach auf «kostenloser Download». Nun ist Warten angesagt. Da der Ansturm offenbar zu gross ist für die technischen Ressourcen der Betreiber, muss sich der Kunde in einer Warteliste anstellen. Es kann gut ein bis zwei Stunden dauern, bevor das Herunterladen beginnt.
Damit nicht genug: Die heruntergeladene Datei ist verschlüsselt und muss erst mit einem Decoder-Programm freigeschaltet werden. Die Betreiber wollen so aus rechtlichen Gründen sicherstellen, dass nur derjenige den Film freischalten kann, der ihn auch programmiert hat. Die benötigte Decoder-Software findet man auf der Seite. Das Entschlüsseln geht unter Windows relativ einfach, man braucht dazu nur die Anmeldedaten, die man anfangs von der Seite erhalten hat. Die entsprechende Software für Mac-Benutzer ist hingegen viel zu kompliziert. Der saldo-Versuch zeigte: Für Mac-Nutzer ist Onlinetvre corder.com untauglich.
Die Bildqualität
Sind die Filme einmal fixfertig auf der Festplatte, so gibt es keinen grossen Unterschied mehr zwischen den beiden Anbietern. Bei beiden reicht die Auflösung längstens aus, um die Filme auf dem PC-Monitor anzusehen.
Die Grenzen werden aber deutlich, wenn man den Computer an das Fernsehgerät anschliesst. Die leicht unscharfen, etwas fleckigen Bilder unterscheiden sich dort nicht mehr von alten Aufnahmen auf VHS-Kassetten. Somit lohnt sich der Aufwand kaum, die Filme mit Spezial-Software in ein DVD-Format umzuwandeln und zu brennen.
Das Fazit
Wer Wert auf eine optimale Bildqualität legt und die Sendungen auf DVD archivieren will, lässt besser die Finger von den Online-Rekordern. Doch wenn man nur selten aufnimmt und auch am PC-Monitor fernsieht, sind die Angebote durchaus eine Alternative zum Heimgerät. Ausserdem kommt man so zu TV-Sendern, die man im Schweizer Kabelnetz meist nicht findet.
Onlinetvrecorder.com ist kostenlos und bietet mit der SMS-Programmierung ein interessantes Extra. Die unübersichtliche Homepage und das langwierige Herunterladen sind aber eine Geduldsprobe.
Einfach und schnell kommt man bei Shift.tv zu seinen Sendungen. Bei den hohen Abogebühren könnte man sich dafür aber schon bald einen günstigen Festplattenrekorder leisten.
27. September 2006 | Marc Mair-Noack
