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Artikel | saldo 15/2006

Botoina: 908 Franken für fragliche Wirkung

Botoina wird als kosmetische Alternative zu Botox angepriesen. Doch es nützt nicht mehr als eine normale Antifaltencreme.

Botoina: 908 Franken für fragliche Wirkung

Seit kurzem machen Apotheken Werbung für die «Weltneuheit» Botoina: «Hilft, die Mimikfalten zu entspannen», wird versprochen. Name und Aufmachung des Produktes suggerieren der ahnungslosen Kundin eine botoxähnliche Wirkung. Doch mit Botox hat das neue Produkt nichts zu tun.

Horrend ist der Preis: 328 Franken kostet die stärkste Variante des Serums, dazu kommen 134 Franken für die Augencreme, 227 Franken für die Nachtcreme und 219 Franken für die Tagescreme. Macht total 908 Franken. Wirken soll das Präparat drei bis vier Monate, danach müsse das Prozedere wiederholt werden.


Kosmetika, die durch Haut und Muskeln dringen, sind verboten

Die Herstellerin Labo Cosprophar begründet den Preis mit den hohen Kosten für die Wirkstoffe und der aufwändigen Produktion. Verwaltungsrat Marcel Lützelschwab: «Diese Creme spricht Leute an, die das absolute Wunder suchen und sich nicht mit einem billigen Produkt zufriedengeben.» Dieses Wunder besteht laut Lützelschwab darin, dass Botoina «die Muskeln entspannt, indem die Nervenimpulse auf die Muskeln reduziert werden und die Ausdrucksfalten so geglättet werden».* Möglich machen soll dies ein Wirkstoffkomplex aus Eiweissbausteinen, sogenannten Peptiden.

Hätte Botoina tatsächlich diese Wirkung, dürfte es gar nicht als Kosmetikum verkauft werden. Michel Donat vom Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Gibt es bei der Aufnahme der Substanz eine innere Wirkung, ist das Produkt als Kosmetikum nicht zulässig.» Antifaltencremes dürfen nur äusserlich wirken. Kosmetika, die durch die Haut oder sogar in Muskeln eindringen, um ihre Effekte zu entfalten, sind verboten. Das BAG will nun die Wirkungsweise von Botoina durch die kantonale Vollzugsbehörde untersuchen lassen.
Peptide gelten als neues Wundermittel in Anti-Aging-Produkten. Verschiedene Hersteller setzen sie in ihren Cremes ein - obwohl es keinen Beweis für ihre Wirkung gibt. «Für solche Stoffe wurden zwar in Zellkulturversuchen Effekte nachgewiesen, die für eine Antifaltenwirkung sprechen, doch fehlt bislang der direkte Nachweis, dass diese auch in der menschlichen Haut eintreten. Dafür müssten die Peptide in nennenswerten Konzentrationen die natürliche Hautbarriere überwinden und bis tief in die Lederhaut eindringen. Dies dürfte kaum gelingen», erklärt Joachim Kresken, Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Dermopharmazie.


Botoina: Nicht besser als andere Antifaltencremes

Der Experte zweifelt deshalb daran, dass Botoina mehr kann als vergleichbare Antifaltencremes: «Von dem Produkt sind allenfalls Wirkungen in den obersten Hautschichten zu erwarten. Bei oberflächlichen Falten kann es feuchtigkeitsspendend und hautglättend wirken.»

Nur: Das können praktisch alle Antifaltencremes. Jedoch darf man auch von diesen Produkten nicht zu viel erwarten. Die Stiftung Warentest kam 2002 nach einer Untersuchung von 14 Anti-Aging-Cremes zum Schluss: «Antifaltencremes sind gute Gesichtscremes, aber keine Wundermittel. Selbst die messbare Glättung verschwindet oft ebenso schnell, wie sie gekommen ist.»

* Als saldo Marcel Lützelschwab dessen Zitate zur Kontrolle vorlegte, wollte der Labo-Cosprophar-Verwaltungsrat sie nicht mehr in seinem Namen publiziert haben. Aus Gründen der Transparenz kommt saldo diesem Wunsch nicht nach.



Botox: 800 Franken pro Behandlung

Botoina hat ausser dem ähnlichen Namen nichts mit Botox zu tun. Botulinumtoxin ist ein starkes Nervengift, das direkt in die Gesichtsmuskeln gespritzt wird und dort die Reizübertragung vom Nerv auf den Muskel hemmt. Dadurch wird der Muskel vorübergehend gelähmt und die darüberliegenden Falten werden geglättet.

Botulinumtoxin darf nur vom Arzt angewendet werden. Bei falscher Behandlung kommt es zu Lähmungen an unerwünschten Stellen. Kostenpunkt einer Gesichtsbehandlung: rund 800 Franken. Nach drei bis sechs Monaten lässt die Wirkung nach.

27. September 2006 | Jeannette Büchel


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