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Artikel | Gesundheits-Tipp 10/2006

Vitaminbärchen ersetzen den Apfel nicht

Glaubt man den Firmen, gedeihen Kinder mit bunten Vitaminpräparaten besonders gut. Ernährungsfachleute und Ärzte halten dagegen: «Künstliche Vitamine haben in der Kindheit nichts verloren.»

Vitaminbärchen ersetzen den Apfel nicht

Das Kind erhalte mit den Vitaminen alles, was «für eine ausgewogene Nahrungsergänzung notwendig» sei. Und: «Gerade mit den Essgewohnheiten der Kinder wird dieser Bedarf oftmals nicht ausreichend gedeckt.» So zu lesen in der Packung der «Kids-Lutschtabletten» von Abtei.

Auch die vitaminisierten Gummibärchen «Animal Parade» sind laut dem Vertreiber für die gesunde Entwicklung des Kindes nötig: Sie machen das Kind «leistungsfähiger und schützen es vor Krankheiten», schreibt die Firma Vitaminwelten.

Die Produktepalette der Multivitamin-Präparate speziell für Kinder ist gross: Ob Lutschtabletten von Centrum oder Bonbons von Oranol - alle suggerieren sie den Eltern, sie könnten ihren Kindern damit zu Gesundheit und «erhöhten körperlichen und geistigen Leistungen» verhelfen. So stehts auf der Büchse der Oranol-Bonbons.

Doch Experten halten nicht viel von den Präparaten. Esther Infanger von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) sagt: «Vitaminpräparate können eine mangelhafte Ernährung nicht ausgleichen.» Denn Lebensmittel wie Gemüse, Früchte und Vollkornprodukte enthielten neben Vitaminen und Mineralstoffen eine Fülle von gesundheitsfördernden Nährstoffen, so Infanger.


Vitaminpillen schützen nicht vor Schnupfen

Für «vollkommen unsinnig» hält Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser die Idee, den Kleinen Vitaminpräparate zu geben. «Solche Produkte haben in der Kindheit keinen Platz», so der Arzt. Sie vermittelten den Kindern ein völlig falsches Signal: «Statt einen Apfel zu essen, lutschen sie ein Gummibärchen - mit dem Gefühl, jetzt sei alles gut und gesund», so Walser.

Zudem könne ein Zuviel an künstlichem Vitamin C zu Durchfall oder Magenbluten führen, schreibt Thomas Walser auf seiner Internetseite. Es sei auch ein «weit verbreiteter Irrtum», dass Vitamintabletten bei der Abwehr von Schnupfen und anderen Infekten helfen würden. Dem sei nicht so, «auch wenn uns das die Werbung immer wieder weismachen möchte».
Problematisch ist auch eine zu hohe Dosis Vitamin A. Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Benommenheit können die Folge sein. Eine Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund (D) an 900 Kindern zeigt: Jedes dritte Kind hat zu viel Vitamin A im Körper. Und jedes 14. Kind hat zu viel Vitamin D, E und C.

Ärzte und Ernährungsberater sind sich einig: Vitamine und Zusätze von Mineralstoffen sind bei einem Kind höchstens dann sinnvoll, wenn es krank ist, Allergien hat oder unter Mangelerscheinungen leidet. «Ob ein Kind ein Präparat benötigt, sollte man mit einem Arzt abklären», sagt Esther Infanger. Dieser verschreibe dann ein genau dosiertes Mittel.

Die Hersteller der Multivitaminpräparate sind anderer Meinung. Die Geschäftsführerin des Internetanbieters «Vitaminwelten» - und Vertreiberin der Kautierchen «Animal Parade» schreibt: «Weil sich Kinder rasant körperlich und geistig entwickeln, brauchen sie ständig eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralien.» Besonders «Naschkatzen» würden Gefahr laufen, zu wenig Vitamine zu bekommen, «wenn sie immer wieder um Schokolade betteln oder sich von anderen Süssigkeiten ernähren».

Die Firma Abtei, Herstellerin der «Kids-Lutschtabletten», sieht die Tabletten «nicht als Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung». Bei einseitiger Ernährung könne man aber mit Multivitaminpräparaten Gegensteuer geben.


Tipps für Gemüseverweigerer und Schleckmäuler

Eltern von Naschkatzen und hartnäckigen Gemüseverweigerern sollten nicht zu schnell aufgeben. Ernährungsfachfrau Carine Buhmann hat Tipps, wie Kinder freudiger Früchte und Gemüse essen: «Um den Salat attraktiver zu machen, mischt man klein geschnittene oder geraspelte Früchte darunter.» Gemüse könne man in einem Teigwarenauflauf oder Risotto verstecken, «und ein Früchtespiess ist für Kinder interessanter als eine ganze Frucht».

Kindern eine gesunde Ernährung nahezubringen, ist nicht einfach. «Dazu braucht es Ausdauer», sagt Buhmann, doch die lohne sich. «Denn frische Früchte und knackiges Gemüse liefern viele wichtige Nährstoffe.»



So ernähren Sie Ihr Kind richtig

- Kinder brauchen keine Vitaminpräparate.
- Gehen Sie mit Ihrem Kind zum Arzt, wenn Sie glauben, dass es an Vitaminmangel leidet. Liegt tatsächlich ein Mangel vor, verschreibt der Arzt ein genau dosiertes Präparat.
- Wenn das Kind absolut kein Gemüse mag: Reichlich Kartoffeln und Früchte decken den Bedarf an den meisten Vitaminen bereits.



Internet-Tipps zu Kosmetik

Wer wissen will, ob bedenkliche Inhaltsstoffe in der Tagescreme stecken, kann mit Hilfe eines Internet-Services mehr darüber erfahren. Wer auf Nummer sicher gehen will, rührt die Creme gleich selber an. Zwei Seiten liefern massenhaft Rezepte.

Inhaltsstoffe
www.bio-kosmetika.com
Mit einem Klick erfährt man, ob die gekaufte Creme bedenkliche Inhaltsstoffe enthält: Bei Allergien etwa kann das Entschlüsseln der Deklaration sehr wichtig sein. Zu diesem Angebot gelangt man, indem man auf der Hauptseite bei Service «INCI-Tester» anklickt.

Schmink-Ratschläge
www.beauty-trend-studio.com/kosmetik.htm
Welchen Hauttyp haben Sie? Was für Produkte sind dafür gut? Hier finden sich Tipps zu sanfter Pflege und Make-up. Diese Seite hebt sich wohltuend von anderen Kosmetik-Sites ab: Im Vordergrund steht die Information. Man wird also nicht mit Werbung zugepflastert.

Kosmetikrezepte
www.hobby-kosmetik.de
Ob Gesichtscreme, Anti-Aging-Balsam oder Duschgel: Alles kann man daheim selber machen. Schritt für Schritt führt einen die Betreiberin dieser Seite in die Geheimnisse von Herstellung, Zutaten und Zubehör ein. Bei Fragen hilft sie gerne weiter.

Noch mehr Rezepte
www.meinekosmetik.de
Auch hier ist der Fundus an Rezepten für Pflegeprodukte und Kosmetika riesig. Nebst Cremen und Pasten gibt es auch Anleitungen zu Gesichtspuder und Lidschatten, zudem Tipps und Tricks. Die ideale Seite für alle, die gerne experimentieren.

11. Oktober 2006 | Gabriela Braun


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