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Artikel | K-Geld 5/2006

Der Computer solls richten - für die Kunden und für die Bank

Bei Quantfonds entscheidet statt eines Fondsmanagers der Computer über die Zusammensetzung des Fonds. Im K-Geld-Vergleich schneiden sie recht gut ab.

Emotionslos investieren. Auf diesen kurzen Nenner bringt es Fondsmanager Daniel Leveau von der St. Galler Privatbank Wegelin. Er umschreibt damit eine Anlagemöglichkeit, die in den letzten fünf Jahren zunehmend beworben worden ist, die sogenannten quantitativen Fonds oder Quantfonds.

Bei diesen Fonds fällt der Computer die Anlageentscheidungen. Während bei herkömmlichen Fonds der Manager einen gewissen Spielraum hat, seine Intuition und Erfahrung auszuspielen, folgen die computergesteuerten Fonds starren Rechenregeln - für Gefühle ist kein Platz.

Die Quantfonds analysieren weit mehr Unternehmen als herkömmliche Anlagefonds. Das sogenannte Anlageuniversum kann mehrere tausend Titel umfassen.

Und sie gehen sehr systematisch vor. Sie versuchen, die gegenseitigen Abhängigkeiten diverser Finanzkennzahlen zu erfassen. So komplexe Zusammenhänge kann das menschliche Hirn kaum mehr interpretieren.

Hélène Harasty vom Westschweizer Anbieter Lombard Odier Darier Hentsch ortet den entscheidenden Unterschied zur Aktienanalyse eines Fondsmanagers im strikten Befolgen der Signale. Weist etwa die Analyse auf einen Verkauf eines bestimmten Titels hin, wird die Aktie sofort verkauft. Die Gefühlslage des Fondsmanagements spielt dabei keine Rolle.


Die Gebühren von Quantfonds sind hoch

Aber gilt das in jedem Fall? Daniel Leveau von Wegelin: «Jahrhundertereignisse führen zu einer Überprüfung der von den Rechenmodellen gemachten Vorschläge.» Leveau nennt als Beispiel die Sars-Epidemie. Sie habe eine Anpassung der Rechnerlogik nötig gemacht. Der Militärputsch in Thailand im September galt hingegen nicht als ein solch einschneidendes Vorkommnis.

Quantfonds sind im Gegensatz zu den beliebten, aber von den Banken wegen der tiefen Gebühren stiefmütterlich behandelten Indexfonds aktiv geführte Fonds. Sie sind - wie Rolf Biland vom Vermögenszentrum VZ betont - keineswegs billig, wie man aufgrund der Anlageautomatismen vermuten dürfte.

Das belegt der Vergleich, den das VZ für K-Geld erstellt hat (siehe Tabelle). Die jährlichen Kosten von Quantfonds liegen nahe bei 2 Prozent - erfasst als Gesamtkostenkennzahl Total Expense Ratio (TER). Die durchschnittlichen Kosten von Schweizer Aktienfonds betragen hingegen gemäss Fondsresearchdienst Fitzrovia rund 1,6 Prozent.

Mehr noch als die Gebühren interessieren die Renditen. Ihre Aussagekraft ist jedoch begrenzt, weil die meisten Fonds erst kurze Zeit auf dem Markt sind.

Viele grössere Fondsanbieter springen neu auf. So lancierte Marktführer UBS im Juni die ersten Quantfonds: je einen europäischen, einen amerikanischen und einen japanischen Aktienfonds sowie einen Obligationenfonds. Die Credit Suisse hat keine Quantfonds für Privatanleger im Angebot.


Viele Quantfonds liegen knapp über dem Index

Fast alle untersuchten Fonds halten sich immerhin in der besseren Hälfte der jeweiligen Vergleichsgruppe. Viele der untersuchten Produkte haben über drei Jahre hinweg den Index übertroffen, wenn auch meist nur knapp. Bei den europäischen und den US-Aktienfonds sind je zwei Quant-Produkte im Dreijahresvergleich sogar im besten Viertel platziert.

Ein grosses Angebot an Quantfonds hat die französische Gesellschaft Axa Rosenberg. Sie ist stark bei Fonds, die in Klein- und Mittelunternehmen eines bestimmten Marktes investieren. Rolf Biland wertet das als Hinweis dafür, dass die computergestützte Analyse bei einer hohen Zahl von Firmen von Vorteil sein kann.


Bewährungsprobe über längere Zeit steht noch aus

Verschiedene international auftretende Quantfonds erreichen grosse Volumen. Investitionen in Milliardenhöhe sind ein Hinweis auf das besondere Interesse institutioneller Anleger. Sie trauen den Computermodellen offenbar mehr als den Fondsmanagern.

Für Biland ist es verfrüht, ein Urteil über die Quantfonds abzugeben. Dies wird erst nach einem längeren Zeitraum und dem Durchleiden mehrerer Börsenzyklen möglich sein. Genau wie die Fondsmanager zeigen auch Computermodelle ihre Stärken oder Schwächen erst bei aussergewöhnlichen Ereignissen.

Den Quantfonds kommt derzeit die Rolle des beachtenswerten Aussenseiters zu. Wo sie sich im Vergleich zu anderen Fonds bewährt haben, wo sie also aufgrund verschiedener Beurteilungskriterien zu den Spitzenreitern gehören, ist ein Engagement durchaus sinnvoll.

Guntram Rehsche

25. Oktober 2006


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