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Artikel | saldo 20/2006

Echte Grippe wird unterschätzt

Weniger als 20 Prozent der Bevölkerung lassen sich gegen die Grippe impfen. Obwohl sie gravierende Folgen haben kann.

Auch dieses Jahr wurde der «Nationale Grippeimpftag» landauf, landab propagiert. Impfen lassen sollten sich vor allem über 65-Jährige und Menschen mit chronischen Krankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Patienten, so die Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Die WHO geht von 30 Prozent der Bevölkerung aus, die sich impfen lassen sollten.

In der Schweiz folgt nur ein Bruchteil dem Aufruf. «Im Jahr 2004 liessen sich rund 18 Prozent der Bevölkerung impfen», bestätigt Mark Witschi vom BAG. Für dieses Jahr liegen noch keine Zahlen vor. Doch Witschi rechnet nicht damit, dass sie markant höher liegen. «Dieser Prozentsatz zeigt, dass die Gefahren der echten Grippe stark unterschätzt werden», so Witschi.

Laut BAG sterben in der Schweiz jährlich gegen 1000 Personen an der Grippe, bis 5000 Personen müssen ins Spital. Das Gefährliche: Das Immunsystem des Kranken ist so sehr mit der Bekämpfung der Grippeviren beschäftigt, dass es zu schweren Komplikationen und Zusatzinfektionen kommen kann.


Schnell steigendes Fieber deutet auf eine Grippe hin

Wer sich nicht impfen lässt, sollte umso mehr über die Krankheitsformen wissen. Doch Hausarzt Thomas Walser stellt hier häufig Unwissen fest: «Grippe, grippaler Infekt, Erkältung - mit diesen Begriffen richten die Patienten ein heilloses Durcheinander an.» Die echte Grippe sei bei Älteren, Schwangeren und Kleinkindern ernst zu nehmen, betont er. Wichtig sei deshalb, die Symptome richtig zu interpretieren. «Bei Atemnot, starken Schmerzen, unerklärlichen Symptomen und Erschöpfung sollte man unbedingt zum Arzt», rät Walser.

So unterscheidet man die Krankheitsbilder:
- Echte Grippe (Influenza): Erste Symptome wie Frösteln, Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen treten plötzlich auf. Das auffälligste Merkmal ist das schnell steigende Fieber: In den ersten zwölf Stunden kann es auf 38 Grad, in Spitzen gar auf 41 Grad steigen. Später kommen Husten und Halsweh dazu. Die Genesungszeit beträgt ein bis zwei Wochen.
- Fiebrige Erkältung (grippaler Infekt): Das hohe Fieber, Hauptmerkmal der echten Grippe, fehlt. Zudem entwickelt sich die Krankheit eher schleichend. Ansonsten ähneln sich die Beschwerden, die im Schnitt nach einer Woche abklingen.

sch

06. Dezember 2006


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