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Die Hochschule für Technik Rapperswil wollte eine Liste von Produkten unseriöser Firmen veröffentlichen.
Nach massivem Druck krebst die Hochschule zurück.
Mit seiner Bio-Antenne und abstrusen Heilversprechen macht Hardy Burbaums Firma Oecovita Kasse (Gesundheitstipp 11/06). Aber Oecovita verkauft auch ein Gerät namens Harmonizer. Es enthält angeblich geheimnisvolle «Informationen», die Gifte und Bakterien im Trinkwasser unschädlich machen sollen. Kritische Stimmen deckt Burbaum mit Drohungen und Verleumdungen ein.
Auch viele andere Anbieter aus der Esoterik-Branche bereichern sich mit wirkungslosen Geräten für die Wasseraufbereitung. Die Firma Planet Horizons Technologies vertreibt ein Gerät namens Aqua-4D. Es soll Trinkwasser mit elektromagnetischen Impulsen reinigen.
Solche Behauptungen stören Rainer Bunge, Professor an der Hochschule für Technik Rapperswil SG: «Es ist unseriös, wenn jemand ein Produkt verkauft, dessen Wirkung nie nachgewiesen wurde.» Im Frühling veröffentlichte Bunge eine Checkliste, dank der man wirkungslose Produkte erkennen kann.
«20 Firmen drohten uns mit Klagen»
Am 10. November wollte Bunge auch eine Liste mit Anbietern solcher Produkte ins Internet stellen. Zuvor schrieb er rund 40 Firmen, darunter Oecovita und Planet Horizons Technologies. Sein Angebot: «Gerne entfernen wir Ihre Firma von der Liste, wenn Sie den Testbericht einer anerkannten Institution vorlegen.» Doch einige Adressaten liefen Sturm gegen Bunges Projekt. «Uns wurden rund 20 Klagen angedroht», berichtet er.
Oecovita-Chef Hardy Burbaum warf Bunge «Nötigung und Erpressung» vor. Er habe «Vorurteile gegen Methoden, die den wissenschaftlichen Rahmen sprengen». Planet-Horizons-Direktor Walter Thut schrieb Bunge, die Liste sei «geschäftsschädigend». Seine Geräte seien von «offiziellen Instituten auf der ganzen Welt» getestet worden. Seinen Protestbrief schickte Thut auch gleich dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) sowie Bundesrätin Doris Leuthard.
Firmen fanden bei Bundesamt Gehör
Dort stiess Thut auf offene Ohren: Anfang November intervenierte BBT-Vizedirektor Blaise Roulet in Rapperswil. «Es gehört sicher nicht zu den Aufgaben einer Hochschule, eine Kontrollfunktion auszuüben», sagt Roulet.
Nicht alle Fachleute sehen das so. Urs von Gunten, Leiter der Abteilung Trinkwasserchemie der Eawag, sagt: «Ich würde es begrüssen, wenn die Rapperswiler Hochschule die Liste veröffentlichen könnte. Hochschulen sind öffentliche Institutionen. Deshalb gehört es zu ihren Aufgaben, die Bürger über wirkungslose Produkte zu informieren.»
Das Bundesamt weist den Verdacht von sich, dass Behörden die Interessen unseriöser Firmen höher gewichten als den Schutz der Konsumenten. Roulet: «Das BBT hat die Veröffentlichung der Liste nicht untersagt.» Der Rektor der Rapperswiler Hochschule habe von sich aus beschlossen, die Liste zurückzuhalten.
Auch wenn sie unter Verschluss bleibt, hat sie doch etwas bewirkt: Die deutsche Firma Scharlatanprodukte hat einen Werbetext über das Wasserbehandlungsgerät Blue Water Kat von ihrer Webseite gelöscht. Auch diese Firma steht auf Bunges Liste. «Wir wollen keine Wirkungen versprechen, die nicht nachweisbar sind», erklärt Jan Heiland, Geschäftsführer des Scharlatanprodukte-Vertriebs. «Wir wurden deswegen schon einmal abgemahnt.»
Hilfreiche Checkliste zum Thema
Die «Checkliste zur Identi?kation von technisch wirkungslosen Verfahren und Produkten» der Hochschule für Technik Rapperswil ?nden Sie unter www.umtec.ch.
Die Behauptung des Hardy Burbaum
Der Gesundheitstipp-Redaktor habe ihm «wahrscheinlich» eine Bio-Antenne entwendet. Dies behauptet Heiler Hardy Burbaum in einem Brief, den er an Hunderte seiner Seminarteilnehmer geschickt haben will.
Wahr ist: Der Redaktor besuchte ein Seminar von Burbaum und fotografierte in einer Pause die aufgelegte Muster-Antenne. Sie soll angeblich schwere Krankheiten und Umweltgifte bekämpfen. Die Bilder der Bio-Antenne verwendete die Gesundheitstipp-Redaktion im Artikel der November-Ausgabe.
Die Redaktionsleitung
24. Januar 2007 | Andreas Gossweiler
