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Seit 36 Jahren ist Piero Galbusera Teil der Luzerner Fasnacht. Ihn stört, dass junge Fasnächtler zu viel trinken.
Piero Galbusera, brauchen Sie Alkohol, um die Fasnacht zu geniessen?
Nein, ich kann auch ohne Alkohol lustig sein. Ich betrinke mich nie an der Fasnacht. Wenn ich in der Stadt herumgehe und Musik mache, habe ich gar keine Zeit, mich volllaufen zu lassen.
Sie verzichten aber nicht ganz auf Alkohol?
Nein. Ein bisschen Alkohol hebt die Stimmung. Ist man aber betrunken, kann man die Fasnacht nicht geniessen. Leider sehen das vor allem jüngere Fasnachtsteilnehmer anders. Nach dem ersten Fasnachtstag liegen schon die ersten «Alkoholleichen» in den Hauseingängen. Darüber rege ich mich masslos auf.
Warum?
Diese Leute sind für mich keine richtigen Fasnächtler. Sie machen nichts Kreatives, sondern lassen nur die Sau ab. Manche von ihnen ?nden es auch lustig, die Guggenmusiken zu plagen. Sie nützen es aus, dass wir ein eingeschränktes Blickfeld haben, und schubsen uns herum. Wenn sie Pech haben, geraten sie an Musiker, die zurückschlagen. Aber ich habe keine Lust, mich mit Betrunkenen zu prügeln. Aggressiven Leuten gehe ich lieber aus dem Weg.
Haben Sie als junger Fasnächtler mehr getrunken als heute?
Ja, ich trank früher mehr. Und ich habe verschiedene Sachen durcheinander getrunken. Manchmal musste ich deshalb vorzeitig heimgehen. Heute passiert mir das nicht mehr.
Was machen Sie, wenn Sie einen Kater haben?
Dann trinke ich noch ein Bier. Ich bin aber nur zu Beginn der Fasnacht verkatert. Der Körper gewöhnt sich schnell an den Alkohol.
Guggenmusiken spielen gerne laut. Leidet Ihr Gehör darunter?
Wir spielen meist im Freien. Darum belastet die Musik meine Ohren nicht so stark. Und: Ich stehe nie direkt neben der Pauke. Den Effekt der lauten Musik spüre ich erst nach der Fasnacht. Das ist eine Art Halluzination: Ich glaube, eine Guggenmusik zu hören, wenn draussen die Männer vom Abfuhrwesen mit den Abfallcontainern lärmen.
Welches Instrument spielen Sie?
Ich spiele Trompete. Früher habe ich Tuba und Posaune gespielt. Aber da hatte ich während der Fasnacht immer aufgerissene Lippen. Das hat geblutet und höllisch weh getan.
Passiert Ihnen das mit der Trompete nicht?
Nein. Die Trompete strapaziert die Lippen weniger stark. Jetzt habe ich nur noch geschwollene Lippen. Wenn ich regelmässig üben würde, hätte ich auch dieses Problem nicht. Aber die wenigsten Fasnächtler üben intensiv.
Erkälten Sie sich oft, wenn Sie in der Kälte herumziehen?
Ich erkälte mich an der Fasnacht praktisch nie. Ich schütze mich mit Thermowäsche. Die Grippe ist für mich das grössere Problem. Weil ich Masken gestalte, komme ich vor der Fasnacht mit vielen Menschen in Kontakt. Da ist die Gefahr gross, dass mich jemand ansteckt.
Gehen Sie auch an die Fasnacht, wenn Sie erkältet sind?
Ja. Ich trinke dann aber kein Bier, sondern Tee mit Schnaps. Und ich gehe schon um Mitternacht heim.
Piero Galbusera
Wenn am 15. Februar mit dem «Schmutzigen Donnerstag» die Luzerner Fasnacht beginnt, ist auch Piero Galbusera dabei. Seit seinem 16. Geburtstag hat er keine Fasnacht verpasst. Piero Galbusera spielt Trompete bei der Guggenmusik «Saunafäger». Für verschiedene Luzerner und Basler Guggenmusiken gestaltet der freischaffende Künstler jedes Jahr ausdrucksstarke Masken.
24. Januar 2007 | Andreas Gossweiler
