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Wenn sich plötzlich alles dreht und der Boden unter den Füssen schwankt, bekommen viele Menschen Angst. Doch häufig sind solche Schwindelattacken ungefährlich und verschwinden mit gezielten Übungen.
Bei einem Anfall musste ich mich sofort hinlegen und erbrechen», erinnert sich Hugo Uebersax an jene Zeit, als ihn die ersten Schwindelanfälle be?elen. «Sobald ich nur den Kopf heben wollte, begann sich alles zu drehen.» Ungefähr alle zwei Wochen hatte der heute 65-Jährige solche heftigen Attacken. Die Ursache fand weder der Haus- noch der Spezialarzt.
Dank Gleichgewichtsübungen und einem Medikament, das die Blutzufuhr im Innenohr fördert, hat Uebersax die Schwindelanfälle mittlerweile unter Kontrolle. «Völlig weg sind die Attacken nicht, aber sie sind seltener geworden und weniger heftig.»
Von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen sind viele betroffen: Jeder zehnte Patient klagt beim Hausarzt über solche Beschwerden.
Die Symptome machen Angst. Raum und Bewegung sind plötzlich verzerrt, man verliert den Boden unter den Füssen. Kein Wunder, geraten Menschen, die zum ersten Mal solche Schwindelgefühle erleben, in Panik. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser rät: «Betroffene sollten einen Arzt aufsuchen, wenn die Schwindelgefühle keine offensichtliche Ursache - etwa Alkohol oder tiefen Blutdruck - haben.» Denn Schwindel ist nur ein Symptom und kann die unterschiedlichsten Ursachen haben: Durchblutungsstörungen, gewisse Medikamente, aber auch psychische Belastungen wie Stress und Ängste können Schwindel auslösen. Walser: «Häu?g kommt Schwindel bei Depressionen vor.» In seltenen Fällen kann eine ernsthafte Krankheit dahinterstecken. So ist Schwindel eine Begleiterscheinung von Epilepsie, Multipler Sklerose oder auch eines Hirntumors.
Wenn sich die Kalksteinchen im Innenohr verschieben
Am häu?gsten ist der relativ harmlose Lagerungsschwindel. Bei dieser Form verschieben sich im Innenohr Kalksteinchen und stören bei bestimmten Bewegungen das Innenohr. Diese Art von Schwindel kommt oft nach Unfällen, aber auch nach längerer Bettlägerigkeit vor. Vor allem bei Menschen ab 60 können sich die Steinchen auch spontan lösen. In vielen Fällen lässt sich aber keine eindeutige Ursache feststellen.
Bei der 44-jährigen Irene Schösswender tauchte der Lagerungsschwindel nach einem Unfall auf. Sie berichtet: «Ich war auf dem Eis ausgerutscht und auf den Kopf gefallen. Einen Monat später begann sich mir im Kopf alles zu drehen, sobald ich mich hinlegte.» Wochenlang konnte sie nur noch auf dem Rücken liegen, weil es ihr in allen anderen Positionen schwindlig und leicht übel wurde. Nur wenn sie die Augen schloss, wurde der Schwindel etwas schwächer.
Der Arzt fand die Ursache schnell: Auch in Irene Schösswenders Innenohr haben sich - wahrscheinlich durch den Unfall - kleine Steinchen gelöst.
Lagerungschwindel lässt sich mit speziellen Übungen relativ gut behandeln - ohne Medikamente. Entscheidend ist, dass Betroffene Haltungen nicht vermeiden, die den Schwindel auslösen. Im Gegenteil: Sie sollten mehrmals am Tag versuchen, mit einem Lagewechsel den Schwindel zu provozieren. Gesundheitstipp-Arzt Walser: «Dadurch lernt das Gehirn, mit den veränderten Informationen zurechtzukommen und sich darauf einzustellen.»
Gleichgewichtsübungen können helfen
Walser emp?ehlt folgende Übungen:
- Betroffene sollten sich morgens vor dem Aufstehen auf den Rücken legen und den Kopf abwechselnd von einer Seite zur anderen drehen, wobei sie auf jeder Seite 20 bis 30 Sekunden verharren sollten. Bei der ersten Drehung wird ein kurzer Drehschwindel auftreten. Das Wiederholen der Übung wird ihn jedoch zum Verschwinden bringen.
- Betroffene sollten sich auf ein Bett oder Sofa setzen und sich rasch auf jene Seite legen, die den Schwindel hervorruft. Wenn nach einiger Zeit das Unwohlsein verschwunden ist, setzt man sich auf und lässt sich dann auf die andere Seite fallen. Dann bleibt man wiederum ungefähr eine halbe Minute auf dieser Seite liegen. Das Ganze sollte man drei- bis viermal wiederholen, und zwar zwei- bis dreimal pro Tag, bis die Schwindelanfälle ganz ausbleiben.
Bei Irene Schösswender wirkten diese Übungen nach einiger Zeit. Doch endgültig los war sie ihren Schwindel erst nach einer Reise im Flugzeug. «Ich vermute, der Druckausgleich im Ohr hat die Störung verschwinden lassen.»
Medikamente gegen Schwindel sollte man nur ausnahmsweise nehmen, denn sie bekämpfen nur die Symptome.
Merkblatt Schwindel
Gratis zum Herunterladen unter www.gesundheitstipp.ch oder zu bestellen gegen ein frankiertes C5-Antwortcouvert bei: Redaktion Gesundheitstipp, «Schwindel», Postfach 277, 8024 Zürich
24. Januar 2007 | Esther Diener-Morscher
