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Artikel | K-Geld 1/2007

Strukturierte Produkte: Die Banken sahnen ab

Der Markt für strukturierte Finanzprodukte boomt. Was viele Anleger nicht wissen: Diese Produkte sind oft teuer, intransparent und meist eine schlechte Wahl.

Strukturierte Produkte entwickeln sich zur ernsthaften Konkurrenz von Anlagefonds.
In den Kundendepots der Schweizer Banken liegen unterdessen strukturierte Produkte im Wert von über 260 Milliarden Franken.

Besonders beliebt sind die sogenannten Kapitalschutz-Produkte: Der Anleger erhält am Ende der Laufzeit bis zu 100 Prozent seines investierten Kapitals zurück. Die Finanzbranche reagierte damit auf den Börsencrash vor sechs Jahren - die verunsicherten Anleger sprachen in grosser Zahl darauf an.

Fast jedes Finanzinstitut hat heute Kapitalschutz- und andere strukturierte Produkte im Angebot. Das überrascht nicht, denn die Banken verdienen kräftig daran.

«Für Privatanleger eignen sich diese Produkte aber nur beschränkt», sagt Rolf Biland, Anlageexperte beim VZ Vermögenszentrum in Zürich. «Ausserdem sind die Kosten häufig viel höher, als der Anleger meint.»

Die Hochglanzbroschüren der Banken weisen diese Kosten jedoch kaum je aus, und der Kunde kann sie auch nur schwer entdecken. Sie sind gut versteckt. Fast immer verschwiegen wird beispielsweise die Tatsache, dass der Kunde keine Dividendenzahlungen erhält. Die Dividenden betragen leicht 2 bis 3 Prozent.


Im Durchschnitt 3,5 Prozent versteckte Kosten

Der komplizierte Aufbau von strukturierten Produkten macht es den Banken leicht, weitere Gebühren zu verstecken. Zum Beispiel mit der sogenannten Geld-/ Brief-Spanne oder Spread.

Das ist der Unterschied von Kauf- und Verkaufspreis des Produkts. Je grösser dieser Unterschied, desto mehr verdient die Bank. Der Spread beträgt für ein einfaches Produkt in der Regel bis zu 0,5 Prozent, im Extremfall aber mehr als 1 Prozent.

Bei komplexen strukturierten Produkten können zusätzlich ein Ausgabeaufschlag bis 2 Prozent beim Kauf sowie jährliche Verwaltungsgebühren bis 1 Prozent hinzukommen.

Die beiden Finanzexperten Pavel Stoimenov und Sascha Wilkens von der Universität Münster (D) gehen davon aus, dass die versteckten Kosten für strukturierte Produkte bei durchschnittlich 3,5 Prozent liegen.

Strukturierte Produkte haben in der Regel eine Laufzeit von zwei bis fünf Jahren. Danach muss der Kunde neu investieren und ist wegen der dabei wiederum anfallenden Gebühren interessanter für die Banken als ein Anleger, der seine Aktien oder Fonds 20 Jahre lang hält.

Ganz im Sinne der Banken ist auch, dass der Anleger kaum eine Möglichkeit hat, die Qualität eines bestimmten Produkts zu beurteilen. Jedes strukturierte Produkt ist eine Einzelanfertigung und unterscheidet sich mehr oder weniger stark von anderen. Die Produkte haben im Unterschied zu Fonds keinen Vergleichsindex (Benchmark), an dem sich ihre Performance messen liesse.

Strukturierte Produkte sind im Vergleich mit anderen Anlagen nie die beste Wahl (siehe Tabelle). Und ein allfälliger Kapitalschutz gilt nur für den Zeitpunkt der Fälligkeit. Wer vorher verkauft, ist gegen Verluste nicht geschützt.

Rolf Bilands Urteil: «Wer solche Produkte kauft, muss davon ausgehen, dass im Zweifelsfall die Bank Gewinnerin ist und nicht der Kunde.»



Knock-out, Floor und Bonus

- Knock-out-Schwelle: Fällt die einem Bonuszertifikat zugrunde liegende Aktie unter die Knock-out-Schwelle, verlieren sowohl der bedingte Kapitalschutz als auch die Bonuszahlung ihre Gültigkeit. Der Anleger hat keinen Anspruch mehr darauf. Der Anleger erhält in diesem Fall die Aktien zum aktuellen Kurs, allerdings ohne die Ausschüttung von Dividenden.
- Bonus: Diese Prämie erhält der Anleger, falls die Aktie während der Laufzeit eines Bonuszertifikats nicht unter die Knock-out-Schwelle gefallen ist. Der Bonus entfällt, wenn die Aktie im Vergleich zum Kurs am Festlegungsstichtag mehr zulegt, als der Bonus beträgt. Im Beispiel unten bei einem Aktienkurs von über 110 Franken.
- Floor: Der Anteil des in ein Kapitalschutz-Produkt investierten Kapitals, der garantiert zurückgezahlt wird.
- Partizipationsrate: Sie ist das Verhältnis, zu dem der Anleger an der Wertentwicklung der zugrunde liegenden Aktie teilhat. Beispiel: Eine Partizipationsrate von 100 Prozent bedeutet, dass der Anleger voll von Kurssteigerungen der Aktie profitiert.



So funktionieren Kapitalschutz-Produkte und Bonuszertifikate

Strukturierte Produkte bestehen aus einem risikoarmen und einem risikoreichen Anlageteil. Die Bank kombiniert diese beiden Teile zu einem Paket. Kosten entstehen sowohl beim Kauf der Einzelteile als auch beim Design des Produkts aus den Einzelteilen.

Anlageexperte Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum warnt: «Strukturierte Produkte sind in den meisten Fällen sehr schwierig einzuschätzen, und die Finanzmärkte verändern sich während der Laufzeit oft. Dann wird eine ursprünglich attraktive Anlage-Idee plötzlich unrentabel.»

Zu den häufigsten strukturierten Produkten gehören:

- Kapitalschutz-Produkte: Diese äusserst erfolgreiche Kategorie bietet dem Anleger eine Absicherung gegen Kursverluste. Er erhält am Ende der Laufzeit mindestens einen vorab festgelegten Teil des investierten Kapitals zurück, den sogenannten Floor.
Diese Sicherheit zahlt der Anleger unter anderem mit der Partizipationsrate. Sie ist das Verhältnis, mit dem er an der Wertentwicklung der zugrunde liegenden Aktie teilhat. Eine Partizipationsrate von 60 Prozent bedeutet, dass das Kapitalschutz-Produkt bei 1 Franken Kursgewinn der Aktie nur 60 Rappen zulegt. Der Anleger profitiert also nur beschränkt von steigenden Kursen.

- Bonuszertifikate: Diese Produkte stützen sich auf die Kursentwicklung eines Basiswerts während eines bestimmten Zeitraums. Die Laufzeit beträgt meist zwischen zwei und fünf Jahren. Basiswerte können beispielsweise Aktien, Indizes, Zinsen, Rohstoffe oder Kombinationen davon sein.

Fällt der Basiswert während der Laufzeit nicht unter einen bestimmten Kurs, erhält der Anleger am Ende der Laufzeit das investierte Kapital plus Bonus ausbezahlt. Je tiefer diese sogenannte Knock-out-Schwelle ist, desto geringer wird der Bonus ausfallen. Gar kein Bonus wird ausbezahlt, wenn der Aktienkurs am Ende der Laufzeit die Höhe des Bonus übertrifft.

Fällt der Basiswert allerdings unter die Knock-out-Schwelle, geht die Sicherheit verloren. Der Anleger hat keinen Anspruch auf Kapitalschutz und Bonuszahlung. Er erhält in diesem Fall den Basiswert ausgezahlt - allerdings ohne angefallene Dividenden.



Strukturierte Produkte sind nie die erste Wahl

Was sind verschiedene Produkte bei einer Investition von 100 Franken nach drei Jahren wert?
K-Geld hat vier Szenarien durchgerechnet.

Die Bedingungen des Vergleichs beziehen sich auf Wertpapiere des Rückversicherers Swiss Re. Es ist aktuell aber kein strukturiertes Produkt mit den gewählten Werten erhältlich.
Annahmen
- Der anfängliche Aktienpreis beträgt 100 Franken, die Dividende wird nicht reinvestiert (kein Zinseszins).
- Obligation: Der Zinssatz beträgt 3,5 Prozent.
- Aktie: Die Dividende beträgt 2,5 Prozent (über die gesamte Laufzeit konstant 2,5 Prozent von 100 Franken).
- Bonuszertifikat: Laufzeit drei Jahre. Die Knockout-Schwelle liegt bei 70 Prozent, 10 Prozent Bonus.
- Kapitalschutz-Produkt: Der Floor liegt bei 95 Prozent, die Partizipationsrate beträgt 100 Prozent.

07. Februar 2007 | Patrick Herger


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Strukturierte Produkte: Die Banken sahnen ab
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