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Artikel | K-Tipp 3/2007

Sojastreit: «Wer hat recht?»

Der K-Tipp-Artikel «Zu viel Soja ist ungesund» hat ein grosses Echo ausgelöst. In dieser Ausgabe beantwortet der Lebensmittelexperte Josef Schlatter die wichtigsten Fragen.

Soja-Produkte sind zwar wertvolle Lebensmittel. Sie enthalten jedoch Phyo-Östrogene (Isoflavone) und sind deshalb laut der französischen Agentur für Lebensmittel-Sicherheit AFSSA mit Vorsicht zu geniessen. Säuglinge, kleine Kinder, Schwangere aus Rücksicht auf das ungeborene Kind sowie Frauen mit Fällen von Brustkrebs in der Familie sollten Soja-Produkte und -Nahrungsergänzungsmittel gar nicht oder nur mit Mass konsumieren. Grundsätzlich sollten Konsumenten die tägliche Dosis an Isoflavonen auf ein Milligramm pro Kilo Körpergewicht beschränken.

Das schrieb der K-Tipp - grob zusammengefasst - in der letzten Nummer des vergangenen Jahres. Leser reagierten mit einer Flut von Fragen und Einwänden. Experte Josef Schlatter nimmt zu den wichtigsten Stellung.

Der K-Tipp berichtet, Isoflavone könnten das Wachstum von Tumoren fördern, im Internet steht aber genau das Gegenteil. Wer hat recht?
Josef Schlatter: Isoflavone haben Eigenschaften, die Tumore hemmen, aber auch fördern können. Welche Wirkung überwiegt, hängt von zahlreichen Faktoren ab, darunter die Lebensphase (zum Beispiel ungeborenes Kind, Frauen vor oder nach der Menopause) oder der Gesundheitszustand - etwa davon, ob bereits ein noch nicht erkannter Brusttumor besteht. Voraussagen sind im Einzelfall schwer zu machen, deshalb mahnen Experten zur Vorsicht.

Die AFSSA hat ihre Empfehlungen aus Ergebnissen von Labor- und Tierversuchen abgeleitet. Die guten Erfahrungen von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt wurden nicht berücksichtigt.
Schlatter: Der kulturelle Hintergrund respektive die genetische Konstitution gehören ebenfalls zu den Faktoren, die dafür entscheidend sind, wie Isoflavone beim einzelnen Menschen wirken. Positive Erkenntnisse aus anderen - in diesem Fall asiatischen
- Kulturkreisen lassen sich nicht einfach auf den unsrigen übertragen.

Hinter der Kritik steckt die Pharma-Industrie. Diese ist neidisch auf den Erfolg von natürlichen Pflanzenstoffen wie Soja, welche die Gesundheit fördern.
Schlatter: Natürlich heisst nicht automatisch gesund. Zur Erinnerung: Das stärkste Gift, Botulin, ist natürlichen Ursprungs. Und - dies gilt insbesondere für Nahrungsergänzungsmittel - wenn etwas gesund ist, heisst das nicht, dass das x-Fache davon noch viel gesünder ist.
Welche Alternativen gibt es zur Soja-Säuglingsnahrung, wenn das Kind keine Kuhmilch verträgt?
Schlatter: Stillen ist die beste Ernährung für Säuglinge. Kann die Mutter nicht stillen und verträgt das Kind keine Kuhmilch, sollten die Eltern das Problem mit dem Kinderarzt besprechen.

Sind die negativen Wirkungen von Soja auf bestimmte Produkte begrenzt oder betreffen sie alle?
Schlatter: Wichtig ist der Gehalt an Isoflavonen, den ein Produkt aufweist, und wie viel man davon isst, und nicht die Art des Produkts. Das gilt auch für fermentierte Soja-Produkte (zum Beispiel Joghurt und Tempeh).



Der Experte

Josef Schlatter ist Leiter der Sektion Ernährungs- und toxikologische Risiken beim BAG und Vorsitzender des Contam (Wissenschaftliches Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa).

14. Februar 2007 | Bennie Koprio


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