|
(0) |
Viele Bildbearbeitungsprogramme sind teuer und kompliziert. Doch es gibt auch kostenlose und einfachere Alternativen. saldo hat sie getestet.
Hobbyfotografen können im Zeitalter der digitalen Fotografie ihre Fotos aufwendig am Bildschirm verbessern. Doch die Bildbearbeitungsprogramme sind vielfach nicht ganz billig und zudem kompliziert. Das muss nicht sein. Im Internet findet man Gratis-Software mit allen nötigen Hilfsmitteln, um die Fotos aufzupeppen. saldo testete sechs Programme. Nur eines schnitt ungenügend ab. Der Wermutstropfen: Mit einer Ausnahme laufen alle nur auf Windows-Systemen.
Das Benutzerfreundliche: Photofiltre
www.foto-freeware.de/photofiltre.php
Mit Photofiltre finden sich auch Anfänger zurecht. Farb- und Belichtungsfehler lassen sich durch einen Mausklick auf das passende Symbol beheben - ganz ohne Regler und weitere Einstellungen in Extrafenstern. Fortgeschrittene Anwender können in den Menüs feinere Anpassungen vornehmen. Obwohl alle wichtigen Werkzeuge als Symbol auf dem Bildschirm zu sehen sind, wirkt die Arbeitsoberfläche nicht überladen.
Praktisch sind die automatischen Kontrast- und Farbeinstellungen: Im Test konnte man damit einige Fotos durch einen einzigen Klick deutlich verbessern. Die Software schwächelt aber bei Spezialaufgaben: Wer stürzende Linien bei Gebäudefotos oder rote Augen bei Blitzlichtaufnahmen korrigieren will, kommt erst nach längerem Suchen in den Menüs und durch Ausprobieren zu einem befriedigenden Ergebnis.
+ Für Anfänger ebenso geeignet wie für Erfahrene.
- Das Retuschieren ist etwas umständlicher als bei anderen Programmen.
Das Übersichtliche: Magix Foto Clinic
http://magix-foto-clinic.
softonic.de/ie/55745
Die Gratisversion der Foto Clinic überzeugte im Test. Alle wichtigen Anwendungen sind durch Symbole verständlich gekennzeichnet: Helligkeit oder Kontrast einstellen, das Bild zurechtschneiden, die Schärfe verändern oder einzelne, störende Objekte auf dem Bild retuschieren. Wenn man mal nicht klarkommt: Unter «Aufgaben» finden sich Schritt-für-Schritt-Anleitungen für komplexere Arbeiten. Praktisch: Helligkeit oder Schärfe lassen sich auf einfache Weise auch nur in ausgewählten Teilen des Bildes korrigieren.
Ein originelles Extra sind die zahlreichen, professionell wirkenden Verzerrungsfilter (unter «flüssige Farben»). Kostenlos ist die Foto Clinic in der Version 4.5. Die neuste Version 6 ist Shareware und kostet rund 25 Franken.
+ Die Arbeitsoberfläche wirkt aufgeräumt und nicht mit Symbolen überfrachtet.
- Der Anwender kann die Fotos nur manuell bearbeiten. Automatische Bildverbesserungen fehlen.
Die Photoshop-Kopie: Photoplus
http://photoplus.softonic.
de/ie/11953
Photoplus 6 erinnert in der Benutzerführung mehr an Photoshop als die beiden ersten Programme. Das bedeutet: Viele wichtige Werkzeuge zur Bildbearbeitung sind im Menü versteckt. Um die Helligkeit zu ändern, muss man sich durch drei Menüpunkte klicken, bis man zu den gesuchten Einstellungen kommt. Auch wer die Bildgrösse oder die Schärfe ändern will, muss zuerst nach den passenden Befehlen suchen. Doch wer mit Photoplus einmal vertraut ist, erzielt gute Resultate. So war zwar nicht auf Anhieb nachvollziehbar, wie man rote Augen entfernt, doch nach kurzer Einarbeitungszeit ging dies einfacher als bei vielen anderen Programmen: Es genügt, das passende Symbol anzuklicken und mit der Maus die Augen auf dem Foto anzuwählen. Die Software findet selbständig den Bereich der Pupillen, der geändert werden muss.
+ Über das Bild lassen sich verschiedene Ebenen legen, die man separat bearbeiten kann - ein Extra, dass sonst kostenpflichtigen Programmen vorbehalten ist.
- Ohne Hilfedatei kommt man zu Beginn nicht weit.
Das Berühmte: Gimp
www.wingimp.de
Gimp ist die bekannteste Freeware für die Bearbeitung von Bildern. Einst für Linux hergestellt, gibt es inzwischen auch Versionen für Windows und Mac OS X (www.gimpshop.com). Im Internet finden sich zudem zahlreiche Ratgeberseiten und Diskussionsforen. Doch das zeigt bereits: Gimp kann viel, ist aber kompliziert.Anfänger sollten daher zusätzlich die 22 Megabyte grosse Hilfedatei herunterladen.
Die Bildbearbeitung ist unterschiedlich anspruchsvoll: Wie man den Farbton ändert, versteht man kaum auf Anhieb. Einfache Arbeiten wie das Zuschneiden oder Retuschieren des Bildes sind dagegen kein Problem. Gimp bietet zusätzliche Werkzeuge, die bei anderen Programmen fehlen: So lassen sich auf einfache Weise die Winkel zwischen den Objekten auf dem Bild messen. Für Alltagsanwender bringen solche Funktionen aber kaum einen Nutzen.
+ Für die einfache Bildbearbeitung ein guter Photoshop-Ersatz.
- Gimp besitzt eine Ebenenfunktion wie der Photoshop, diese ist allerdings recht unübersichtlich gestaltet.
Das Vollautomatische: Picasa
http://picasa.google.com
Picasa 2 ist in erster Linie eine leistungsstarke Bildverwaltungs-Software. Doch nebenbei lassen sich die Bilder auch bearbeiten. Picasa war mit Abstand die benutzerfreundlichste Software im saldo-Test. Technisches Vorwissen oder Erfahrungen mit Bildbearbeitung sind nicht nötig.
Ein Klick auf «Kontrast» oder «Farbe», und schon führt die Software die entsprechenden Änderungen automatisch aus. Wer nicht weiss, wo er mit dem Bearbeiten beginnen soll, kann den Knopf «Auf gut Glück» drücken. Das Programm entscheidet dann selbständig, was dem Bild fehlt, und verbessert es.
Die Automatikfunktionen ergaben im Test zum Teil sehr ansprechende Ergebnisse. In einzelnen Fällen wünschte man sich jedoch, selbst noch am Kontrast oder der Sättigung arbeiten zu können - doch manuell lässt sich bei Picasa nur wenig einstellen. Gerade einmal für die Helligkeit und die Farbtemperatur gibt es entsprechende Regler.
Praktisch sind die Filter wie «scharf einstellen» oder «wärmer gestalten», die ebenfalls mit einem Mausklick für Verbesserungen sorgen können.
+ Wer ohne grossen Zeitaufwand die Fotos attraktiver gestalten will, ist mit Picasa gut bedient.
- Kreatives Bildbearbeiten ist wegen der fehlenden manuellen Möglichkeiten stark eingeschränkt.
Das Umständliche: Digifoto
www.foto-freeware.de/
digifoto.php
Digifoto ist kompliziert wie ein Profiprogramm, aber ohne dessen Möglichkeiten. Die Arbeitsoberfläche ist mit Symbolen überladen. Doch im Gegensatz zu Photofiltre oder der Foto Clinic bringen diese Symbole nur eine geringe Arbeitserleichterung.
Das Einstellen der Bildschärfe erweist sich als mühsam: Wer auf das Symbol klickt, muss noch einen Zahlenwert eingeben, wie stark sich die Schärfe ändern soll. Hier hilft nur mühsames Ausprobieren, um zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen.
Auch wer Kontrast oder Helligkeit ändern will, hat es schwer: Der Kontrast lässt sich nur erhöhen und das Bild nur heller, nicht dunkler machen. Ebenfalls weniger handlich als bei andern Programmen war das Retuschierwerkzeug oder die Ebenenfunktion.
+ Einfache Funktionen für das Kaschieren von roten Augen sowie für das Zuschneiden des Bildes.
- Für die meisten Bearbeitungen sind andere Programme erfolgversprechender.
Praktische Spezialprogramme
Gegen rote Augen: Red-e-Rem
www.geocities.com/
rederemhome
Bei Blitzaufnahmen erscheinen die Augen der fotografierten Personen oftmals leuchtend rot. Dieser Effekt entsteht, weil das Licht des Blitzes von der Netzhaut reflektiert wird.
Mit der Software Red-e-Rem kann man den unschönen Effekt leicht rückgängig machen. Wenn man mit der rechten Maustaste auf das Bild klickt, erscheint ein vergrösserter Bildausschnitt. Dort kann man die roten Augen anklicken. Die Software färbt sie dann automatisch schwarz ein.
Gegen Verzerrungen: Shift N
http://shiftn.softonic.de/ie/55655
Wer häufig Häuser fotografiert, weiss: Auf dem Bild scheinen sich die Hauswände zueinander zu neigen. Das Programm Shift N kann diese sogenannten stürzenden Linien begradigen: Das Bild laden, auf «automatische Korrektur» klicken, und schon wirkt das Haus so, wie man es mit blossem Auge sieht.
Was Shift N automatisch macht, muss man bei den anderen Bildbearbeitungsprogrammen manuell ausführen: Das Bild wird leicht gestreckt oder zusammengestaucht, bis die Hauskanten wieder parallel verlaufen.
21. Februar 2007 | Marc Mair-Noack
