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Die Pharmahersteller liefern sich wilde Rabattschlachten. Ob das den Patienten billigere Medikamente beschert, ist aber höchst zweifelhaft.
Eines vorweg: Die meisten ?rzte und Apotheker arbeiten korrekt. Leider gibt es auch andere. Sie lassen sich beim Medikamenteneinkauf von Rabatten der Hersteller k?dern oder fragen sogar gezielt danach. Wer solche Verg?nstigungen beh?lt, statt sie an den Patienten weiterzugeben, verletzt das Gesetz. Aber es ist leicht verdientes Geld und die Gefahr aufzufliegen ist gering.
Ein internes Papier des Pharmaherstellers Mepha gibt Aufschluss ?ber die aktuelle Situation in der Schweiz: «In den letzten Monaten haben Rabatte im Generikamarkt stark zugenommen. Wir haben aus diesem Grund schon einiges an Umsatz verloren und m?ssen ohne Gegenmassnahmen unsererseits mit wachsenden Verlusten rechnen.»
Als «Gegenmassnahme» hat Mepha im letzten September die «Herbstaktion Antiinfektiva» durchgef?hrt: ?rzten und Apothekern wurde bei Bestellung von Antibiotika ein Rabatt von 10 Prozent einger?umt. Mepha-Chef Andreas Bosshard: «Das stimmt. Wir haben die Aktion vorg?ngig von Swissmedic absegnen lassen. Wir weisen alle Rabatte auf der Rechnung sauber aus und machen ?rzte und Apotheker darauf aufmerksam, dass sie den Vorteil an die Patienten weitergeben m?ssen. Ob das tats?chlich geschieht, kann Mepha nicht kontrollieren.»
Etwa zur gleichen Zeit wie Mepha f?hrte auch Hauptkonkurrentin Sandoz eine Antibiotika-Rabatt-Aktion durch. Nur viel dreister: Die Novartis-Tochter liess ?rzte und Apotheker einen Vertrag der speziellen Art unterzeichnen. Offiziell wurden sie daf?r bezahlt, Prospekte mit allgemeinen Informationen ?ber Antibiotika aufzulegen. Tats?chlich sollten sie aber Antibiotika mit versteckten Rabatten einkaufen. Bei Bestellungen ab 3000 Franken verg?tete Sandoz 5 Prozent des Umsatzes, zahlte eine Pauschale von 200 Franken und verschenkte Medikamente im Wert von 120 Franken.
«Eine neutrale Beratung wird verhindert»
«Dieser Deal ist auch mir angeboten worden», sagt Peter Bosshardt von der Generika-Apotheke Winkelried am Z?rcher Rigiplatz. Doch bei ihm ist die Novartis-Tochter an den Falschen geraten. «Ich bin an solchen Gesch?ften nicht interessiert. ?berh?hte Rabatte und undurchsichtige Verkaufsmethoden passen nicht zu einer ethisch verantwortungsbewussten Apotheke. Massive und einseitige Aktionseink?ufe f?hren zu einem unausgewogenen Sortiment. Die Versuchung aufgrund erh?hten “Lagerdrucks” ?bervorr?te abzubauen, verhindert wohl eher eine neutrale Beratung», sagt Apotheker Bosshardt.
Sandoz: Aufwandsentsch?digung in Form von Medikamenten
Sandoz best?tigt den Sachverhalt, macht aber geltend, diese Zuwendungen h?tten nicht direkt mit der Arzeimittelbestellung zu tun. «?rzte und Apotheker haben unsere Antibiotikabrosch?ren in Wartezimmern oder Apotheken aufgestellt. F?r diese Dienstleistung haben wir ihnen bei einer Antibiotikabestellung eine Aufwandsentsch?digung verg?tet», sagt Mediensprecherin Claudia Schaufelberger. Sie gibt aber zu, dass niemand nur f?r das Verteilen der Prospekte bezahlt worden ist. Und noch mehr: Zum Zeitpunkt der Aktion existierten die Brosch?ren noch gar nicht. Zu den Gratismedikamenten erkl?rt Sandoz: «Ob der Arzt oder Apotheker die Medikamente gratis abgibt oder nicht, entzieht sich unserer Kenntnis.»
Unschlagbar sind die Sonderangebote der Sanofi-Aventis-Tochter Winthrop: Wer bis Ende 2006 mindestens f?nf Schachteln des Blutdrucksenkers Amlodipin oder des Antidepressivums Citalopram kaufte, hat die gleiche Menge gratis erhalten. ?rzte und Apotheker sparen so die H?lfte. Das ?berrascht sogar Swissmedic-Chefjurist Andreas Balsiger. Sein Urteil ist eindeutig: «Dieser Rabatt geh?rt den Patienten.» So sieht es auch der Hersteller.
Neue Pr?parate: Einf?hrungsrabatte von bis zu 20 Prozent
Beliebt und ?blich in der Branche sind Umstellungs- oder Einf?hrungsrabatte, wenn ein Medikament neu auf den Markt kommt oder kassenzul?ssig wird. Pharmahersteller Spirig offerierte bis Ende Februar f?r das Anti-Epileptikum Gabantin sowie f?r den Betablocker Carvedilol einen Preisnachlass von 20 Prozent. Gleich viel Erm?ssigung gew?hrte auch die Firma Abbott f?r den Schlankmacher Reductil. Der Rabatt sei handels?blich, rechtfertigt sich Abbott.
Spirig-CEO Christian Pflugshaupt erkl?rt: «Der Preisnachlass ist eine Aufwandsentsch?digung, die der Arzt oder Apotheker f?r sich beanspruchen darf.» Das sei nicht mehr so, widerspricht Swissmedic-Chefjurist Balsiger: «Ab sofort gilt: Einf?hrungs- oder Umstellungsrabatte m?ssen an den Patienten weitergegeben werden.»
Hans-Ulrich Kull, Pr?sident der Vereinigung der selbstdispensierenden ?rzte, hat eine klare Meinung zu den Sonderangeboten der Pharmahersteller: «Rabatte auf Arzneimitteln sind unethisch und geh?ren verboten.»
07. März 2007 | Franco Tonozzi
