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Artikel | saldo 4/2007

3a-Konten: Banken nutzen die Ohnmacht der Kunden aus

Die Banken geizen bei den Zinsen für 3a-Konten. Sparer sind gut beraten, die Angebote kleiner Institute oder die Pensionskassen-Variante zu prüfen.

Wenn Banken Geld ausleihen, etwa bei einer Hypothek, verlangen sie 3 bis 4 Prozent Zins. Weit über 10 Prozent sind es in der Regel bei Kleinkrediten oder Kontoüberzügen.

Wenn die gleichen Banken von ihren Kunden Geld bekommen, zahlen sie ihnen nur einen Bruchteil dieses Zinssatzes. Das spüren zurzeit auch die Sparer der Säule 3a. Das dort angelegte Geld können sie im Normalfall nicht vor der Pensionierung beziehen. Die Banken nützen das aus: UBS, CS und ZKB beispielsweise zahlen magere 1,5 Prozent Zins. Ein Viertelchen mehr gewährt die Raiffeisen.


Wir Bank: Gibt den höchsten Zinssatz auf 3a-Guthaben

Zum Vergleich: Bei Pensionskassen ist ein Mindestzinssatz von 2,5 Prozent vorgeschrieben. Die Anlagenrendite im letzten Jahr betrug im Schnitt 6,9 Prozent (siehe «Gute Performance», Kasten rechts). Was bei Pensionskassen geht, müsste auch für Banken möglich sein.

Die Banken behaupten, sie könnten 3a-Gelder nicht langfristig anlegen, weil der Kunde das Konto jederzeit auflösen und sein Guthaben etwa für einen Hauskauf einsetzen kann. Doch dieses Problem hätten auch die Pensionskassen: Sie müssen das gesparte Geld bei jedem Stellenwechsel mitgeben und auf Antrag ebenfalls Wohneigentum finanzieren.

Trifft es überhaupt zu, dass 3a-Kunden die Bank oft wechseln? Nein, sagen selbst die Banken. Bei der CS sei die Abwanderungsquote bei 3a-Kunden «sehr tief», sagt Mediensprecher Georg Söntgerath. Und die UBS verzeichne unter dem Strich einen «Nettozuwachs» solcher Konten, sagt Mediensprecherin Rebeca Garcia.

Dass bei 3a-Guthaben auch anders kalkuliert werden könnte, beweist die Wir Bank. Sie gewährt 2,25 Prozent Zins. «Wir gehen von einem längerfristigen Engagement der Kunden aus», so Michael Schnebli, Leiter Produktmanagement.


Transfer zu Banken mit höheren Zinsen zahlt sich aus

Die Banken bewirtschafteten 2005 ein 3a-Gesamtvermögen von 34 Milliarden Franken, hat eine Umfrage der Schweizerischen Bankiervereinigung unter ihren Mitgliedern ergeben. In den letzten Jahren sind Kunden vermehrt auf das gewinnträchtigere, aber auch risikobehaftete Fondssparen umgestiegen. Bei der CS seien das mittlerweile gut ein Drittel aller Anleger. Doch der Löwenanteil der Gelder, rund 20 Milliarden Franken, liegen noch heute auf den Tiefzinskonten.

«Die Banken nützen die Unwissenheit ihrer Kunden aus», sagt der Berner Sozialversicherungsexperte Werner C. Hug. Sparern ist oft nicht klar, welche Einbusse ihnen über die Jahre aus Zinssatzunterschieden erwächst. Beispiel: Wer jährlich den steuerabzugsfähigen Maximalbetrag von gut 6300 Franken zu den aktuellen Konditionen der Grossbanken (1,5 Prozent Zins) über 30 Jahre anlegt, erhält 242 500 Franken. Ist der Zinssatz nur 0,75 Prozent höher - wie bei der Wir Bank - ergibt das 274 700 Franken. Das sind über 32 000 Franken mehr.

3a-Sparer können ihr Geld immer und meist spesenfrei zu einer anderen Bank transferieren, die höhere Zinsen zahlt. Werner C. Hug rät, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Und: «Alternativ lohnt es sich abzuklären, ob man sich mit dem 3a-Guthaben bei seiner Pensionskasse überobligatorisch versichern soll.» Die Zürich beispielsweise bietet aktuell 3,5 Prozent Zins. «Wenn ein Angestellter diese Möglichkeit prüfen möchte, klären wir das gern mit ihm ab», sagt Zürich-Mediensprecher Oliver Michel. Die gleiche Auskunft hat saldo auch von anderen Pensionskassen erhalten.

07. März 2007 | Franco Tonozzi


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