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Artikel | K-Tipp 5/2007

Kein Herz für Alleinerziehende

Im Zoo, im Museum oder auf der Skipiste erhalten Familien oft Rabatt auf Eintritte und Tageskarten. Für Alleinerziehende und ihre Kinder gibts hingegen weniger Ermässigung.

Kein Herz für Alleinerziehende

Für einen Tag im Berner Tierpark Dählhölzli zahlt eine Familie mit drei Kindern 19 Franken. Eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern zahlt zwar ebenfalls maximal 19 Franken, allerdings müsste eine zweite erwachsene Begleitperson zusätzlich ein Einzelbillett für 8 Franken lösen.

«Unsere Eintrittspreise sind sehr moderat, und der Kinderzoo kann sogar gratis besucht werden», rechtfertigt sich Agnese Bronzini vom Dählhölzli.

«Es ist für mich unbegreiflich, dass ich als alleinerziehende Mutter vielerorts nicht ebenso von Vorzugsangeboten profitieren kann wie eine klassische Familie», sagt Claudia Hofer aus Gümligen BE. Vor allem seit ihre Tochter Mara sechs Jahre alt ist und damit fast überall Eintrittsgeld bezahlen muss, spüre sie den Unterschied.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel des Walter Zoos in Gossau SG: Neben der Jahreskarte für Familien für 150 Franken gibt es hier eine spezielle Jahrskarte für Alleinerziehende, die 110 Franken kostet.

Im Zoo Zürich gibt es zwar keine eigentliche Familientageskarte für Alleinerziehende. Doch das Familienbillett des Zoos schliesst noch eine beliebige weitere erwachsene Person mit ein.

Auch in Tourismusgebieten kommen Familien besser weg als Alleinerziehende: Im Skigebiet Jaunpass-Boltigen kostet eine Familientageskarte günstige 65 Franken. Eine Familie (zwei Erwachsene und zwei Kinder) spart so satte 35 Franken. Für 30 Franken Aufpreis gibt es sogar noch ein Mittagsmenü für die ganze Familie.

Alleinerziehende hingegen zahlen für die Tageskarte ebenfalls 65 Franken und sparen so gegenüber dem Vollpreis nur bescheidene fünf Franken. Das sei «tatsächlich eine Lücke im Angebot», räumt Manfred Müller, Präsident der Bergbahnen Jaunpass-Boltigen, ein.

Vorbildlich: Skigebiet Stoos

Kein Problem scheint das zusätzliche Billett im Innerschweizer Skigebiet Stoos SZ zu bereiten: Eine Tageskarte für Alleinerziehende kostet 77 Franken, eine Familientageskarte 111 Franken. «Dies ist der dritte Winter, in dem wir das Angebot für Alleinerziehende haben», erklärt Barbara Bühler vom Tourismusbüro Stoos. Die Nachfrage nach dem erweiterten Angebot sei nun sehr gross.


Nachteile in der Badi und in Museen

Negativbeispiele gibt es in anderen Bereichen zuhauf: So etwa das Schwimmbad in Münsingen BE. Hier erhalten Familien die Saisonkarte für 150 Franken. Sie sparen damit gegenüber dem Normalpreis 60 Franken. Ein gleichwertiges Angebot für Alleinerziehende bietet das Freibad nicht an.

So ein Abonnement koste ja nicht alle Welt, «und im Vergleich zu einem Fitnesscenter sind wir immer noch günstig», begründet Pia Würthner von der Gemeindeverwaltung Münsingen die Benachteiligung der Alleinerziehenden.

Auch die Schweizer Schifffahrt hat ein Herz für Familien mit Kindern: Sie bietet für 70 Franken einen sogenannten Familyboatpass an. Damit fahren die Kinder das ganze Jahr gratis auf Seen und Flüssen herum, und ihre Eltern zahlen bloss die Hälfte des ordentlichen Billettpreises. Unschön daran: Alleinerziehende zahlen ebenfalls die vollen 70 Franken für den Familienpass.

Nicht anders sieht es im Verkehrshaus Luzern aus. Auch hier zahlen Alleinerziehende mit Kindern den gleichen Preis wie klassische Familien: Man wolle «nicht mit einer zusätzlichen Preiskategorie für Verwirrung beim Kunden sorgen», entschuldigt Marketingleiter Beat Heuberger die Preispolitik des Verkehrshauses.

Und auch im Freilichtmuseum Ballenberg BE geht in dieser Hinsicht noch alles zu wie zu Gotthelfs Zeiten: Eine Familie erhält 14 Franken Rabatt auf den Eintrittspreis, eine Ermässigung für Alleinerziehende gibt es nicht.

14. März 2007 | Deborah Balmer


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