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Fieberkrämpfe bei Kleinkindern schockieren die Eltern. Die Angst wäre nicht nötig - doch die Ursache sollte geklärt werden.
Lena Meier (Name geändert) nahm ihren neun Monate alten, scheinbar leblosen Jungen auf den Arm und rannte mit ihm aus dem Haus: «Mein Sohn stirbt», schrie sie in Panik. Die Nachbarn eilten zu Hilfe, schüttelten den kleinen Nick, doch das Kind reagierte nicht. Niemand wusste Rat. Schnell wurde die Ambulanz angefordert.
Für die Mutter war dies einer der schlimmsten Augenblicke ihres Lebens. Doch die grosse Angst wäre nicht nötig gewesen. Nick hatte einen Fieberkrampf erlitten. Ein solcher Anfall sieht zwar schlimm aus, ist aber grundsätzlich harmlos.
Der Krampf kann bis zu 20 Minuten lang dauern
Doch wer das nicht weiss, kann in Panik geraten. Lena Meier schildert den Anfall ihres Sohnes so: «Nick hatte recht hohes Fieber und jammerte nur vor sich hin. Plötzlich sah er in eine Ecke, seine Augen weiteten sich, der Blick wurde starr. Dann fingen seine Beine und Arme rhythmisch an zu zucken. Ich hatte das Gefühl, er atme nicht mehr, und geriet in Panik. Ich legte ihn auf den Boden. Seine Lippen waren mittlerweile blau angelaufen. Ich war mir sicher, dass Nick am Sterben war.»
Die Ursache der Fieberkrämpfe ist zwar nicht ganz klar, man nimmt jedoch an, dass sie eine Reaktion des noch nicht vollständig ausgebildeten Gehirns auf einen schnellen Fieberanstieg sind. Fieberkrämpfe erleiden etwa 2 bis 5 Prozent aller Kinder in den ersten fünf Lebensjahren. Der Krampf kann nur einige Sekunden oder bis zu 20 Minuten lang dauern.
Am häufigsten werden Fieberkrämpfe ausgelöst durch Erkältungen, Dreitagefieber, akute Mittelohrentzündungen oder Fieberreaktionen nach Impfungen. Bleibende Schäden sind nicht zu erwarten.
Bei rund zwei Drittel aller Fälle ein einmaliges Ereignis
Trotzdem empfiehlt Georg Staubli, leitender Arzt der Notfallstation des Kinderspitals Zürich, Kinder insbesondere nach dem ersten Fieberkrampf unbedingt einem Arzt zu zeigen: «Das kann, muss aber nicht im Spital sein. Wichtig ist, dass die Ursache des Fiebers geklärt werden kann.» In seltenen Fällen können nämlich auch eine Harnwegsinfektion oder eine Nierenbeckenentzündung, eine Lungenentzündung oder ein bakterieller Infekt für das Fieber verantwortlich sein.
Auch Lena Meier war mit ihrem kleinen Sohn nach dem Fieberkrampf auf der Notfallkinderklinik. Dort wurden diverse Tests durchgeführt. In Nicks Fall waren alle Werte normal und das Kind durfte wieder nach Hause. «Es war danach noch rund eine Woche geschwächt, hat sich in der Folge aber gut erholt», berichtet die Mutter.
Bei rund zwei Dritteln aller betroffenen Kinder bleibt es bei einem einzigen Ereignis, ein Drittel der Kinder erleidet zwei oder mehr Fieberkrämpfe. Das Risiko ist erhöht, wenn bei den Eltern oder Geschwistern eines Kindes schon Fieberkrämpfe aufgetreten sind.
Häufig machen sich betroffene Eltern Sorgen, dass die Krämpfe Anzeichen einer Epilepsie sein könnten. Doch 97 Prozent aller Kinder mit Fieberkrampf entwickeln keine Epilepsie. Falls doch, ist anzunehmen, dass es sich nicht um einen Fieberkrampf gehandelt hat, sondern bereits um den ersten Anfall einer Epilepsie.
So reagieren Sie richtig
- Einen Fieberkrampf kann man allenfalls vermeiden, wenn das Fieber mit Wadenwickeln gesenkt wird. Bei einer Körrpertemperatur über 38 Grad Celsius ist es sinnvoll, dem Kind fiebersenkende Medikamente mit dem Wirkstoff Paracetamol zu geben.
- Kommt es trotzdem zum Fieberkrampf, sollte man vor allem dafür sorgen, dass sich das Kind während des Anfalls nicht verletzt. Am besten legt man es in sein Bett oder auf den Boden und deckt es leicht zu.
- Auf keinen Fall sollte man das Kind während des Fieberkrampfs festhalten und seine Bewegungen unterdrücken.
- Nach dem Krampf übergeben sich viele Kinder. Mit einer Seitenlagerung verhindert man, dass es am Erbrochenen erstickt.
- Wenn der Anfall länger dauert als zehn Minuten, muss man den Notarzt rufen.
- Spätestens am nächsten Tag sollten die Eltern mit dem Kind zum Arzt oder ins Spital gehen, um die Ursache zu klären.
04. April 2007 | Mirjam Fonti
