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Lippenherpes kann man nachhaltig mit Medikamenten behandeln. Cremes hingegen verkürzen die Dauer der Erkrankung nur geringfügig.
Zuerst ein Gefühl zwischen Jucken und Kribbeln auf den Lippen, dann bilden sich schmerzhafte Bläschen, die aufbrechen und verschorfen. Der ganze Spuk ist in der Regel nach zehn Tagen vorbei - um aber in unregelmässigen Zeitabständen wieder aufzutauchen.
Zwischen 70 und 90 Prozent der Weltbevölkerung sind Träger des Virus HSV-1, das die «Fieberbläschen» (Lippenherpes) auslösen kann. Dies ist bei rund der Hälfte der Infizierten der Fall.
Die meisten Betroffenen behelfen sich bei Lippenherpes mit speziellen Cremes. Dabei gäbe es wirkungsvollere Hilfe. «Die wenigsten Menschen, die von Herpes betroffen sind, holen sich medizinischen Rat», sagt Werner Kempf, Dermatologe in Zürich, «dabei können wir heute Lippenherpes mit antiviralen Medikamenten effizient behandeln.»
Die bekanntesten dabei eingesetzten Medikamente sind Famvir und Valtrex. Die Tabletten enthalten dieselben Stoffe wie die bekannten Herpes-Cremes. Ab Ausbruch der Erkrankung dauert die Therapie fünf Tage und ist rezeptpflichtig. Die Virusvermehrung wird gestoppt und die Bläschenbildung verhindert oder abgekürzt.
Starker Lippenherpes: Langzeittherapie zeigt gute Erfolge
Wer aber häufiger als sechsmal im Jahr einen Herpes-Ausbruch hat und unter diesem stark leidet, dem empfiehlt Werner Kempf eine Langzeit-Unterdrückungstherapie, die die Rückfälle effizient verringert. Dieselben Medikamente werden dann während 6 bis 12 Monaten eingenommen.
Die Erfolge mit dieser Behandlungsmethode sind erstaunlich gut. «Ein Drittel der Betroffenen hat zwar gleich viele Rückfälle wie vor der Therapie, ein Drittel aber weniger und beim letzten Drittel hören die Herpes-Ausbrüche ganz auf», bilanziert Werner Kempf. Die Nebenwirkungen sind laut Kempf gering. 10 bis 15 Prozent bekommen ein leichtes Kopfweh oder leichte Magenschmerzen. Die Kosten für eine solche Therapie belaufen sich auf 2000 bis 3000 Franken im Jahr, werden aber bei klarer Diagnose und Indikation von den Krankenkassen übernommen.
Die meisten Betroffenen holen sich im Akutfall in der Apotheke eine Creme wie Zovirax oder Acyclovir-Mepha. Was die wenigsten wissen: Diese Cremes haben nur auf die Symptome wie Brennen, Jucken, Schwellungen einen Einfluss. Die Dauer der lästigen Erkrankung verkürzen sie nur wenig. Studien zeigen, dass sich bei Benutzung der Cremes der Abheilungsprozess nur um einen halben bis einen ganzen Tag verkürzen lässt.
Es gibt aber auch einige Patienten, die durch die lokale Behandlung mit den Cremes die Entstehung der Bläschen verhindern können. Werner Kempf: «Wenn die Betroffenen beim ersten Jucken und Brennen diese Cremes auftragen, kann die Behandlung Erfolg haben.» Grund: Das Herpes-Virus vermehrt sich nur während der ersten 72 Stunden.
Pflaster, Softlaser, Hitzestift: Wirkung noch nicht erwiesen
Seit kurzem sind zudem spezielle Lippenpflaster auf dem Markt, sogenannte Compeed Herpes Patches. «Die Pflaster haben eher eine kosmetische Wirkung», sagt Dermatologe Kempf. Ob das Pflaster auch eine Ansteckung mit dem Herpesvirus verhindern kann, ist noch nicht bewiesen.
Schliesslich sind auch Geräte zur Herpesbehandlung wie Softlaser (Vitacell) oder Hitzestift (Herpotherm) auf dem Markt. Der Softlaser soll das körpereigene Abwehrsystem vor Ort anregen. Beim Hitzestift wird seine auf 50 Grad aufgeheizte Spitze für vier Sekunden auf die betroffene Stelle gehalten. So soll die Vermehrung des Virus unterbunden werden. Auch diesen Methoden steht Werner Kempf kritisch gegenüber: «Es fehlen aussagekräftige Studien. Ich kann solche Geräte zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfehlen.»
Lippenherpes: Richtig vorbeugen und lindern
- Lippenherpes kann durch UV-Licht aktiviert werden. Meiden Sie deshalb starke Sonneneinstrahlung (zum Beispiel Gletschersonne) oder tragen Sie Cremes mit hohem Lichtschutzfaktor auf die Lippen auf. Am wirkungsvollsten sind sogenannte Sun-Blocker-Pasten.
- Vermeiden Sie extreme körperliche Anstrengungen (zum Beispiel Marathonlauf), denn auch dadurch kann Lippenherpes ausgelöst werden. Dasselbe gilt für seelische Belastungen.
- Dagmar Simon, Dermatologin am Inselspital Bern, empfiehlt, beim ersten Anzeichen die betroffene Stelle auf der Lippe zu kühlen, zum Beispiel durch das Auflegen eines kalten Löffels. Man kann auch einen Eiswürfel in ein sauberes Taschentuch wickeln und auflegen.
- Sind die Bläschen bereits da, sind austrocknende Massnahmen angesagt. Geeignet sind Umschläge mit Kupfer-Zink-Lösung, Gels (z. B. Lipactin), Zinkpasten oder Zinklotionen (z. B. Tanno Hermal-Lotion) und Desinfektionsmittel wie Merfen. Auch Zahnpasta kann wegen der antiseptischen Zusätze helfen.
- Meiden Sie fettende Salben, da sie neue Infektionen begünstigen.
- Bilden sich Krusten, kann man sie mit lauwarmen Umschlägen aufweichen. Nicht abkratzen.
- Ansteckungsgefahr: Berühren Sie die Bläschen nicht mit den Händen, denn so kann das Virus auf andere Körperstellen übertragen werden. Berühren Sie keinesfalls Neugeborene.
18. April 2007 | Angelica Schorre
