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Artikel | Haus & Garten 2/2007

Die gute Stube im Baukastensystem

Wohnwand und Sofakombination: Zur traditionellen Einrichtung einer Stube gibt es beweglichere Alternativen.

Eine Wohnwand aus Holz, eine Sofakombination mit Glastisch, eine Hi-Fi-Anlage, ein TV-Gerät, allenfalls ein Buffet und Chlötzli-Parkett. So präsentiert sich laut einer Zürcher Werbeagentur «das häufigste Wohnzimmer der Schweiz». Die Werber hatten vor zwei Jahren aufgrund von Absatzstatistiken, Datensammlungen und ausgewählten Zimmern eine Muster-Stube zusammengestellt.

Natürlich betrieben die Fachleute mit dieser Simulation der Wohnwirklichkeit vor allem angewandte Marktforschung. Tatsache ist: «Die Wohnwand ist aus der Stube nicht verschwunden, aber sie hat sich gewandelt», so Luca Aloisi vom Möbelhaus Pfister. «Ihre Altarfunktion für die Hi-Fi-Anlage, den Fernseher, für Bücher und die Whisky-Sammlung hat sie verloren.»

«Wer kann, schafft die dunkle Wohnwand ab und ersetzt sie durch helle Sideboards», sagt auch Raumdesignerin Andrea Pasinelli aus Gränichen AG.

Dass sich die rustikale Wohngemütlichkeit der Nachkriegsgeneration allmählich überlebt, mag mit dem veränderten Geschmacksempfinden zusammenhängen. Das moderne Wohnzimmer-Design ist aber auch praktischer: Elementsysteme (flexibel zusammengesetzte, ausbaubare Möbel), die heute das Einrichtungsangebot für Wohnzimmer dominieren, lassen sich leichter transportieren - und passen sich der jeweiligen Raumsituation an.


Konzept für den gesamten Raum entwerfen

Diese modularen Systeme gibt es zwar schon lange. Wie etwa der - vor allem in Büros verbreitete - Klassiker USM Haller hatten sie allerdings ihren Preis. «Heute gibt es günstigere Alternativen», sagt Luca Aloisi. Zudem ist das Angebot vielfältiger geworden: Sideboards, Lowboards, Behältermöbel sind in den unterschiedlichsten Materialien, Farben und Oberflächen zu haben.

«Damit kann man beim Einrichten spielen», sagt Andrea Pasinelli, «etwa indem man Elemente aus Milchglas mit dunklem Holz kombiniert.» Von einer allzu wilden Kombination der Stile rät die Spezialistin ab: «Die unkoordinierte Mixtur wirkt unruhig. Man fühlt sich dann rasch unwohl.»

Pasinelli empfiehlt, sich beim Einrichten eines Wohnzimmers nicht nur auf ein einzelnes Element (Sofa, Esstisch, Ablage) zu beschränken, sondern ein Gesamtkonzept für den Raum zu entwerfen - von der Farbgebung und Beleuchtung bis zur Möblierung. Gerade der Einsatz von Farbe sollte auf die Möblierung abgestimmt sein: Kleinere Räume verlangen nach helleren Farben und zierlichen Möbeln. Auch ein Kontrast Wand/Möbel ist denkbar: Ein weisses Sofa etwa macht sich vor einer blauen Wand besser als vor dem Standard-Weiss vieler Wohnungen.



Stube einrichten: Tipps und Tricks

- Klären Sie vor dem Einrichten einige Fragen:
- Wie viel Platz steht zur Verfügung?
- Wer nutzt die Stube? Ist ein Bereich für Kinder nötig? Leben Haustiere im Haushalt?
- Wie soll die Stube gebraucht werden: als Ess- und Wohnzimmer, in erster Linie zur Nutzung von Medien (TV, Radio, Bücher) usw.
- Welche Möbel und Geräte wollen Sie unbedingt im Wohnzimmer unterbringen?

- Mass nehmen: Skizze des Raumes erstellen (Höhen, Tiefen, Fenster, Türen, Lichtschalter, Steckdosen, Sockelleisten, Heizkörper). Auch eine Wohnsoftware kann dabei eine Hilfe sein (siehe «Haus & Garten» 4/2006).
- Definieren Sie ein klares Zentrum. Gerade in neueren Wohnungen sind Wohn- und Essbereich miteinander verbunden. Wer beispielsweise gerne mit vielen Leuten isst, sollte Platz für einen grosszügig dimensionierten Esstisch reservieren. Im Gegenzug nur eine kleinere Ecke mit Sofa oder Sessel einrichten.

- Planen Sie die Möblierung gleichzeitig mit der restlichen Gestaltung (Farben, Vorhänge, Bilder). Zum Beispiel wirken kleine Räume grösser, wenn Sie helle Farben und zierliche, multifunktionale Möbel wählen.

- Wer eines Tages zügeln will oder gerne Möbel umstellt, richtet sich mit System-/Elementmöbeln in verschiedenen Grössen und Tiefen ein. Sie passen sich einer neuen Umgebung auch in einer anderen Kombination gut an.

- Genügend Stauraum einplanen: In Kastenmöbeln lassen sich viele Dinge ablegen und versorgen - entweder unsichtbar oder halb transparent, etwa in Kästen mit Glasabdeckung.

- Der Mix von Einrichtungsstilen liegt im Trend, erzeugt unter Umständen aber eine unruhige Raumwirkung. Bei der Möblierung lieber auf klare, einfache, schnörkellose Formen setzen und dafür «unpassende» Elemente als bewussten Stilbruch einsetzen: ein antikes Möbel oder ein barocker Leuchter kann in einem architektonisch modernen Raum für eine wohltuend individuelle Note sorgen.

09. Mai 2007 | STEFAN CHRISTEN


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