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Artikel | K-Geld 3/2007

Bankberater lassen Anleger ratlos zurück

K-Geld hat vier Banken und die Postfinance um eine Anlageberatung gebeten. Keines der Geldinstitute überzeugte.

Bankberater lassen Anleger ratlos zurück

Es war überall das Gleiche: Ein Mitarbeiter von K-Geld besuchte Bank Coop, Berner Kantonalbank, Credit Suisse, Post?nance und UBS, um sich beraten zu lassen. Die Anlageberater und -beraterinnen stellten ein paar Fragen, werteten die Antworten aus und machten einen Vorschlag. Dann noch einen. Vielleicht einen zusätzlichen. Und noch ein paar weitere.
Bis der potenzielle Kunde völlig verwirrt war: Strategiefonds? Kassenobligation? Oder Sparkonto? Ein Strauss von Möglichkeiten mit verschiedensten Charakteren.
Das kritisiert auch Rolf Biland, Anlagespezialist beim VZ Vermögenszentrum in Zürich: «Die Institute sind nicht auf den Kunden eingegangen, sondern haben einfach eine Produkteauswahl vorgestellt.» Damit, ?ndet Biland, hätten sie sich aus der Verantwortung gestohlen.
Naheliegend wäre gewesen, Anlagen mit hohem Aktienanteil zu empfehlen. Denn der Kunde hatte klar gemacht, dass er an einer anständigen Rendite interessiert sei, dass er langfristig anlegen wolle und dass er keine Angst vor vorübergehenden Kurseinbrüchen habe.
Naheliegend wäre auch gewesen, leicht verständliche Produkte zu empfehlen. Denn der Kunde hatte von Anfang an betont, er sei Laie.

Expertenurteil: «Keine wirkliche Beratung»
Doch die Empfehlungen lauteten anders (siehe Tabelle).
- Bank Coop: Ein Fonds mit nur 10 bis 30 Prozent Aktienanteil, dazu zweijährige Kassenobligationen.
Das Expertenurteil von Rolf Biland: «Weder langfristig noch renditeorientiert. Aufgrund des Investorenpro?ls nicht sehr geeignet.»
- Berner Kantonalbank: Sieben verschiedene Fonds mit unterschiedlichem Aktienanteil und dazu noch Kassenobligationen. Allenfalls zeitlich gestaffelter Kauf.
Das Expertenurteil: «Eine sehr unklare Beratung. Die Verantwortung wird an den Kunden zurückdelegiert. Die Beratung hilft nicht weiter.»
- Credit Suisse: Ein Fonds mit 30 bis 60 Prozent Aktien, dazu eventuell ein sogenanntes strukturiertes Produkt mit Kapitalschutz.
Das Expertenurteil: «Auch die CS trägt der Risikobereitschaft und -fähigkeit des Kunden nicht Rechnung. Zudem ist ein Kapitalschutz nicht nötig.»
- Postfinance: Ein Fonds mit 50 Prozent Aktienanteil, ein Aktienfonds in Kombination mit einem Sparkonto, eventuell Festgelder. Allenfalls zeitlich gestaffelter Kauf.
Das Expertenurteil: «Eine simple Beratung. Sie trifft die Kundenwünsche nicht.»
- UBS: Ganz unterschiedliche Fonds und ein strukturiertes Geldmarktprodukt.
Das Expertenurteil: «Eine ganze Palette von Produkten, aber keine wirkliche Beratung. Einige Produkte verfehlen das Anlageziel des Kunden total.»
Rolf Biland kritisiert ferner, dass einige Produkte «für nicht versierte Anleger schwierig zu durchschauen sind». Das ist höflich ausgedrückt. Nehmen wir das strukturierte Geldmarktprodukt der UBS mit dem wunderbaren Namen CHF 5yNC12m HBOS CSUN.
Was der Name bedeutet, konnte die Anlageberaterin nicht sagen. Und was das Produkt genau ist, erschliesst sich dem Laien auch nicht.
Denn das Datenblatt ist voll von Fachbegriffen. Und es ist nur in Englisch erhältlich. Unklar ist bei vielen strukturierten Produkten laut Biland auch, «welche versteckten Kosten anfallen».
Die Kosten sind überhaupt ein dunkles Kapitel. Zwar gaben die Anlageberater und -beraterinnen darüber Auskunft. Allerdings liessen es jene von Bank Coop, Berner Kantonalbank und Credit Suisse bei Gebühren für Käufe, Verkäufe und Wertschriftendepot bewenden. Keine Rede war von laufenden Kosten, die dem Kunden zwar nicht direkt belastet werden, aber die Rendite des Anlageprodukts schmälern.
Unschön auch: Die Anlageberater nahmen den Wunsch des Kunden nach einem Indexfonds auf den SMI nicht sehr ernst. Angesichts der Risikobereitschaft des Kunden wäre eine Anlage in einen solchen Fonds plus in zwei, drei weitere passive Produkte, die andere Aktienindizes abbilden, durchaus vernünftig gewesen. Auffallend zudem: Mit Ausnahme von Post?nance empfahlen alle Geldinstitute ausschliesslich eigene Fonds.
An ihren Anlageberatungen lassen die Medienstellen der Banken jedoch kaum Kritik gelten: Die UBS streicht heraus, dass der Kunde, welcher ein Produkt nicht verstehe, Fragen stellen könne und «mit Produktinformationen dokumentiert» werde. Stimmt - aber, wie bereits erwähnt, in Fach-Englisch. Ansonsten habe die Anlageberaterin «ein sehr geeignetes Anlageinstrument» empfohlen. Dieses entspreche «den Renditevorstellungen und dem Risikoappetit des Kunden».

Fragwürdiger Risikotest bei der Bank Coop
Ähnlich tönts bei den anderen Geldinstituten. Immerhin räumt die Credit Suisse ein, dass die Anlageberaterin auch einen Fonds mit grösserem Aktienanteil hätte vorschlagen können.
Berner Kantonalbank und Post?nance streichen - zu Recht - hervor, dass ihre Mitarbeiterinnen empfohlen hätten, die Fondsanteile zeitlich gestaffelt zu kaufen.
Die Bank Coop ihrerseits sagt, der Risikotest des Kunden habe ergeben, dass er «grossen Wert auf Sicherheit» lege. Allerdings ist der Risikotest mehr als fragwürdig. So muss der Kunde bei 15 Aussagen ankreuzen, wie sehr diese auf ihn zutreffen.
Beispiele: «Wenn ich eine Zeitung lese, so interessieren mich zuerst die Börseninformationen.» Oder: «In gewissen Situationen nehme ich unnötige Risiken in Kauf.»
Ob die Antworten überhaupt Rückschlüsse auf die Risikofähigkeit des Anlegers zulassen, ist fraglich. Wer im Sport oder im Strassenverkehr vorsichtig ist, kann ja trotzdem ein aggressiver Anleger sein.

So ist K-Geld vorgegangen
Ein K-Geld-Mitarbeiter besuchte in Bern die Filialen von fünf Geldinstituten. Er gab an, er sei ledig, habe einen guten Lohn, verfüge über 80 000 Franken, von denen er 50 000 Franken rentabler als auf einem Sparkonto anlegen möchte.
Diese 50 000 Franken brauche er die nächsten zehn Jahre bestimmt nicht. Er sei bereit, Risiken einzugehen, und gerate auch nicht in Panik, falls es mit der Börse mal abwärts gehen sollte. In Geldanlagen sei er aber völlig unerfahren.
Ein Kollege habe ihm einen Indexfonds auf den SMI empfohlen. Da fielen weniger Kosten an als bei gewöhnlichen Anlagefonds. Ob es wohl sinnvoll wäre, die ganzen 50 000 Franken so zu investieren?

30. Mai 2007 | Marco Diener


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