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Artikel | K-Geld 3/2007

«Hoffmann, sei doch nicht blöd!»

Die Firma United Trading Services kennt keine Skrupel, wenn es darum geht, Kunden für ihre hochriskanten Optionsgeschäfte zu gewinnen.

Roland Hoffmann hat ein Velogeschäft in Pfungen ZH. Vor rund zwei Monaten erhielt er einen Anruf von der Firma UTS United Trading Services AG in Zürich.
Der Anrufer schwärmte gegenüber Hoffmann von den hohen Renditechancen der Anlagen von 40 oder mehr Prozent innert weniger Monate. Hoffmann sagte, er habe kein Interesse.
Darauf begann ihn der UTS-Mitarbeiter zu duzen und sagte: «Hey, Hoffmann, du willst doch auch etwas verdienen, oder? Sei doch nicht blöd!»
Hoffmann ist tatsächlich nicht blöd und stieg nicht ein auf das Angebot, für 12 000 Franken Optionen auf BP-Aktien zu kaufen. Das sagte er dem UTS-Mitarbeiter auch deutlich.
Doch der Verkäufer liess nicht locker. In den kommenden Wochen belästigte er den Velohändler immer wieder. An einem einzelnen Tag rief er gleich dreimal an. Hoffmann sagte ihm jedes Mal, er solle aufhören ihn zu terrorisieren.
Doch es nützte nichts. Etwa einen Monat nach dem ersten Anruf sagte der UTS-Verkäufer: «Siehst du, Hoffmann, jetzt hättest du schon 5000 Stutz gewonnen.»

Kleingewerbler im Visier der Maklerfirma UTS
Die Firma UTS hat es vor allem auf Kleingewerbler abgesehen. Die Mitarbeiter verdrehen in ihren Verkaufsgesprächen die Tatsachen und setzen die potenziellen Kunden unter Druck. Das geht aus K-Geld vorliegenden Tonbandaufzeichnungen hervor.
Ein UTS-Mitarbeiter versucht darin, einem Kunden Optionen auf Novartis-Aktien zu verkaufen. Er spricht von einer «ultrakonservativen Anlage». Novartis sei ein topseriöses, beständiges Schweizer Unternehmen mit einem Riesenpotenzial.
Das mag zutreffen. Der Verkäufer erwähnt aber nur am Rand, dass der Kunde in Optionen investieren würde. Und er erwähnt mit keinem Wort die Risiken von Optionen, sondern lediglich deren «gewaltige Hebelwirkung». Tatsache ist: Optionen führen leicht zum Totalverlust.
Der UTS-Verkäufer drängte: «Wichtig ist, dass wir schnell zu einem Abschluss kommen. Die Börse in den USA ist noch nicht geöffnet.»
Ähnlich tönt es auch am UTS-Sitz in Zürich-Oerlikon. Eine Verkäuferin schrie - hörbar bis auf den Gang des Bürogebäudes - ins Telefon: «Ich möchte Ihnen 3000 Franken zu 5000 Franken machen. Wären Sie mir dann böse?» Und weiter: «Ich schicke Ihnen nächste Woche jemanden vorbei, schnell unterschreiben und auf die Post einzahlen gehen. Das ist eine Sache von zehn Minuten.»
UTS verdiente viel Geld, Kunde verlor

Hintergrund der hektischen und aufsässigen Methode zur Kundengewinnung: Die UTS verdient mit dem Kauf jeder einzelnen Option viel Geld. Die Makler?rma hat zum Beispiel einem Winterthurer Maurermeister 208 Optionen à rund 70 Dollar verkauft.
Zusätzlich kassierte sie vom Kunden eine Kommission von 8 Prozent des Betrags. Total verdiente die UTS dabei rund 21 000 Franken. Der Maurermeister hingegen verlor mehr als 26 000 Franken (siehe K-Geld 6/2006).
Die UTS hat gegenüber K-Geld keine Stellung genommen.

30. Mai 2007 | Philipp Lütscher


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