|
(0) |
Die Angebote der Zusatzversicherungen sind kaum zu durchschauen. Einer betagten Privatpatientin wurde dies zum Verhängnis: Trotz 800 Franken Monatsprämie weigert sich die Kasse, für ihre letzten Tage im Spital zu zahlen.
Die 98-jährige Greta Bühler * musste im letzten Dezember wegen Gelbsucht ins Spital. Sie lag dort auf der privaten Abteilung - schliesslich war sie auch entsprechend versichert. Während ihres Aufenthaltes ging es der betagten Frau aber immer schlechter -, bis sie nach drei Wochen an Altersschwäche starb.
Ihre Schwester Elisabeth Bühler * erschrak, als die Krankenkasse Supra ihr im Februar mitteilte, dass sie die letzten sieben Spitaltage ihrer Schwester nicht bezahlen würde. Kostenpunkt: 4117 Franken.
Die Supra begründete dies damit, dass Greta Bühler in den letzten Tagen nur noch palliativ begleitet wurde. Diese Art der Pflege auf der privaten Abteilung werde nicht bezahlt.
Um Palliativpflege handelt es sich, wenn man eine Person kurz vor dem Tod nicht mehr gegen die Krankheit behandelt, sondern vor allem Schmerzen lindert.
Elisabeth Bühler kann nicht verstehen, dass sich die Krankenkasse weigert zu bezahlen: Über 800 Franken hatte ihre Schwester monatlich für die Grundversicherung und diverse Zusatzversicherungen bezahlt.
Das Paradoxe ist: Hätte die 98-Jährige auf der allgemeinen Abteilung gelegen, hätte die Grundversicherung die Kosten bis zu ihrem Tod übernommen - denn dort ist die palliative Pflege inbegriffen. Die Versicherungsbedingungen der Supra-Zusatzversicherung hingegen schliessen diese Pflege in privaten und halbprivaten Abteilungen aus. Davon wussten aber weder die Sterbende noch ihre Schwester. Das Spital und die Supra haben sie nicht darauf hingewiesen.
Die Supra ortet die Schuld beim Spital: Zwar habe die Versicherung vom Spital einen Antrag zum Verlängern der Leistungen erhalten. Die Kasse habe darauf Vorbehalte angebracht, aber vom Spital keine Antwort bekommen. «Es war uns deshalb nicht möglich, die Familie unverzüglich zu informieren», schreibt die Krankenkasse.
Palliative Pflege bei einigen Kassen ausgeschlossen
Für Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation SPO, ist die Haltung der Supra «ethisch unhaltbar»: «Die Versicherung kann doch nicht zurückkrebsen, bloss weil es sich in den letzten Tagen um Palliativmedizin gehandelt hat.» Die Supra verweist auf den Vertrag. Das Ausrichten der Leistungen sei bei Zusatzversicherungen «streng geregelt»: «Wir müssen alle Versicherten gleich behandeln.»
Die Supra ist nicht die einzige Krankenkasse, die so geschäftet. Auch andere Versicherungen bezahlen Patienten auf der privaten Abteilung keine palliative Pflege.
Für Versicherte ist es schwierig, sich im Dschungel der Zusatzversicherungen zurechtzu?nden. Das weiss auch der Ombudsmann der sozialen Krankenversicherung, Rudolf Luginbühl. «Die Leistungen, Bedingungen und der Tarif der Kassen unterscheiden sich stark.» Er warnt: «Bei einzelnen Privatversicherungen sind Psychiatrie, Mutterschaft, Palliativmedizin oder Rehabilitation ausgeschlossen. Man muss sich sehr genau informieren, was man benötigt und was alles in der Zusatzversicherung enthalten ist.»
Das heisst, Patienten mit einer Zusatzversicherung sollten unbedingt eine Kostengutsprache von ihrer Krankenkasse verlangen, bevor sie ins Spital eintreten.
* Namen der Redaktion bekannt
Testen Sie Ihre Zusatzversicherung!
Möchten Sie eine Zusatzversicherung abschliessen? Oder Ihre jetzige überprüfen? Als Gesundheitstipp-Leser oder -Leserin können Sie die Leistungen der Zusatzversicherungen testen lassen (siehe nebenstehenden Talon).
13. Juni 2007 | Gabriela Braun
