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Artikel | saldo 12/2007

Der Schlüssel zu teuren Börsenseminaren

Wer anderen viel Geld verspricht, hat in der Regel nur eines im Sinn: Sich mit fremdem Geld zu bereichern. Grosse Versprechen macht zurzeit die Aktienpower AG aus dem Kanton Zug.

An Bahnhöfen verteilt eine Firma namens Aktienpower AG zurzeit gelbe Kartonschlüssel an Passanten. Sie seien der «Schlüssel zur finanziellen Freiheit», heisst es. Tatsächlich will Aktienpower mit der Werbeaktion zu teuren Börsenseminaren locken.
Um bald erfolgreich mit Aktien zu handeln, muss man auf der Homepage von Aktienpower die auf dem Kartonschlüssel aufgedruckte Nummer und seine Adresse eintippen. Schon ist die Firma im Besitz der Daten möglicher Neukunden. Zwar erhält man wie versprochen eine Gratis-CD. Doch auf dieser wird nichts Brauchbares geschildert. Zugleich erhält der Interessierte eine Einladung zum kostenfreien Informationsabend. An diesem werden Teilnehmer für teure Börsenseminare geködert.
Wer sich nicht gleich für die Info-Veranstaltung anmeldet, wird telefonisch daran erinnert. Dabei wird betont, dass der erste Abend gratis sei. Auf die Frage, wie teuer das eigentliche Börsenseminar sei, heisst es: «Das Platin-1-Seminar kostet 220 Euro. Inklusive der Börsensoftware.» In den Werbeunterlagen von Aktienpower, die saldo vorliegen, steht jedoch: «Die Börsensoftware und das 14-stündige Einsteiger- und Anwender-Seminar kosten 1240 Euro.» Auf Nachfrage bei Aktienpower erfährt saldo, dass zudem «jährlich 299 Euro für die tägliche Aktualisierung der Börsendaten sowie der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Software» anfallen. Nicht eben günstig.

Zweifelhafte Versprechen auf der Informations-CD
Auf der Gratis-CD schwärmt Aktienpower-Präsident Alfredo Cuti in den höchsten Tönen von seinen Spezialstrategien namens «Gold, Platin und Turbo-Platin». Man müsse nur eine halbe Stunde täglich aufwenden, um das Kapital jedes Jahr zu verdoppeln. Wie dies funktioniert, wird natürlich nicht verraten.
Dafür gibt Cuti umso dickere Versprechen ab:
«Sie geniessen absoluten Schutz vor jedem Crash», sagt er auf der CD. Und noch besser: Wer bei Aktienpower mitmache, brauche sich nicht mehr zu sorgen, ob die Aktie steige oder falle. Man mache sein Geld auf jeden Fall. Die Gratis-CD vermittelt den Eindruck, dass man mit einer jährlichen Verdoppelung des eingesetzten Kapitals rechnen kann. Gegenüber saldo gibt sich Cuti jedoch vorsichtiger: «Unsere Software ermöglicht definitiv ein hocheffizientes Risiko-Management. Kapitalverdoppelung ist möglich.»
Alfredo Cuti selbst bezeichnet sich in der Eigenwerbung unbescheiden als «Europas führender Experte auf dem Gebiet der konstanten und schnellen Geldvermehrung an der Börse». Tatsächlich ist er gelernter EDV-Kaufmann mit deutschem Pass und italienischen Wurzeln.

Aktienpower AG operiert ohne Bewilligung
Die Aktienpower AG liegt im Clinch mit der Eidgenössischen Bankenkommission. Die Behörde betrachtet Cutis Unternehmen als Investmentgesellschaft und hat ihm eine Frist bis Ende Jahr gesetzt, um für seine Tätigkeit ein Bewilligungsgesuch einzureichen.

27. Juni 2007 | Pascal Tischhauser


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