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Wer Ferienfilme am PC schneiden will, kann für die nötige Software leicht viel Geld ausgeben. Dabei gibt es günstige, anwenderfreundliche Programme. saldo stellt sie vor.
Videoschnittprogramme können heute meist mehr, als der Nutzer wirklich brauchen kann. Dies macht sie kompliziert und teuer. Doch für die Bedürfnisse eines Hobbyfilmers leisten auch kostengünstige Softwares meist genug. saldo testete ein Freeware-Videoschnittprogramm sowie drei Programme, die zwischen 70 und 120 Franken kosten. Alle vier Produkte sind Windows-, aber nicht Mac-tauglich.
Wer im Internet nach Gratis-Software zum Videoschnitt sucht, stösst schnell auf das Programm Free DV des Herstellers Avid. Dabei handelt es sich um die Gratisversion eines professionellen Schnittprogramms – und die Anwendung ist entsprechend komplex.
saldo hat es geprüft und rät Hobbyfilmern von dessen Einsatz ab: Die Bedienung ist ganz auf Profis ausgerichtet. Erst mit der Online-Einführung auf der Avid-Homepage bekommt man das Programm langsam in den Griff. Für Anfänger ist Free DV völlig ungeeignet.
Die meisten Schnittprogramme gleichen sich im Aufbau: Zunächst lädt man die einzelnen Filmszenen ins Programm und schneidet sie auf die gewünschte Länge. Mit der Maus zieht man sie danach in ein sogenanntes Storyboard oder eine Zeitachsenleiste. Dort sind die Szenen grafisch dargestellt und lassen sich anschaulich in der richtigen Reihenfolge ordnen. Zudem kann man hier Überblendungen einfügen oder den Film neu vertonen. Zuletzt rechnet das Programm den bearbeiteten Film in eine neue Datei um, die man dann auf DVD brennen kann.
Jede der hier vorgestellten Softwares arbeitet nach diesem Schema. Die Unterschiede liegen in den Details.
Windows Movie Maker
Das kostenlose Programm ist Bestandteil von Windows XP. Damit ist es auf jedem Computer mit einer aktuellen Version dieses Betriebssystems bereits installiert.
Übersichtlichkeit: Fast alles, was das Programm kann, ist auf einen Blick zu sehen: In der Mitte die einzelnen Filmszenen, rechts der Monitor, um die Szenen anzusehen und zu schneiden, unten die Storyboard-Leiste.
Bedienung: Praktisch ist die grosse Bandbreite an Videoeffekten und Szenenübergängen. Mit wenigen Mausklicks lassen sich Szenen einblenden, wegrollen oder auffalten.
Gestaltungsmöglichkeiten: Gering. Die Effekte sind vorgegeben und lassen sich nicht dem persönlichen Geschmack anpassen. Auch wer vorhat, seinen Film zu vertonen, stösst schnell an Grenzen. Dank einer zweiten Tonspur kann man zumindest Musik zum Originalton hinzufügen. Doch die Einstellungsmöglichkeiten sind sehr beschränkt: «Lautstärke», «Einblenden», «Ausblenden und «Ton aus».
Weiterverarbeitung: Unter «Filmdatei speichern» kann man wählen, ob man den fertigen Film auf eine Kamera überspielen, auf CD kopieren, ins Internet stellen oder auf die Festplatte speichern will. Eine DVD lässt sich mit dem Movie Maker nicht herstellen. Dazu muss der Film in höchster Qualität auf die Festplatte gespeichert und mit einem anderen Programm weiterverarbeitet werden.
Fazit: Die Software eignet sich für Leute, die ihren Videofilm schnell und ohne viel individuelles Gestalten zusammenschneiden wollen.
Ulead Video Studio Plus 11
Diese Software gibts im Fachhandel ab 110 Franken. Zum Ausprobieren kann man eine 30-Tage-Testversion auf www. ulead.de herunterladen.
Übersichtlichkeit: Die anschaulichen Symbole helfen, sich schnell zurechtzufinden. Dank der oberen Menüleiste kann man mühelos zwischen Arbeitsschritten wie «Aufnehmen», «Bearbeiten» oder «Ausgeben» wechseln.
Bedienung: Nach kurzer Einarbeitung problemlos. Effekte lassen sich einfach auf die gewünschte Szene ziehen. Leider sind nur zwei Tonspuren verfügbar. Dies kann beim Vertonen knapp werden.
Gestaltungsmöglichkeiten: Die Symbole für Übergänge, Effekte oder Farbkorrektur helfen Einsteigern, schnell gute Ergebnisse zu erzielen. Fortgeschrittene können einige der vorgegebenen Einstellungen noch gezielt anpassen.
Weiterverarbeitung: Sehr vielseitig. Der Film lässt sich in verschiedenen Formaten ausgeben, auch in HDV-Qualität. Klickt man auf «Disc erstellen», kann man eine DVD samt Menü erstellen und brennen.
Fazit: Anfänger sollten mit dem Video Studio schnell zurechtkommen. Für kreative, erfahrene Nutzer gibt es viele Gestaltungsmöglichkeiten.
Magix Video Deluxe
Mit rund 70 Franken ist Magix Video Deluxe eine günstige Einsteiger-Software.
Übersichtlichkeit: Obwohl mehr Funktionen auf einen Blick zu sehen sind als beim Ulead-Programm, ist es ähnlich übersichtlich. Die Auswahl an Effekten, Überblendungen und Titeln ist kleiner, aber anschaulicher dargestellt als bei Ulead.
Bedienung: Sehr anfängerfreundlich. Einzelne Szenen lassen sich auf den 16 Spuren bequem zusammenmischen.
Gestaltungsmöglichkeiten: Nur wenig Einstellungsmöglichkeiten bei den Videoeffekten. Dafür trumpft die Software beim Ton auf: Eine grosse Palette an Audioregulierungen hilft, aus schlechtem Ton noch viel herauszuholen.
Weiterverarbeitung: Auch mit Video Deluxe lässt sich einfach eine DVD samt Menü gestalten und brennen. Hochauflösende Filme brennt das Programm nur in der teureren Plus-Version.
Fazit: Für den günstigen Preis bietet das Programm erstaunlich viele Spezialeffekte. Ausserdem ist es sehr anwenderfreundlich gestaltet.
Adobe Premiere Elements 3.0
Die abgespeckte Version des bekannten Profi-Schnittprogramms ist im Fachhandel für rund 120 Franken erhältlich.
Übersichtlichkeit: Ähnliche Anordnung der Arbeitsinstrumente wie bei den anderen Programmen. Für den Neuling sind die Funktionen aber nicht gleich gut auf den ersten Blick ersichtlich.
Bedienung: Hat man sich einmal mit der Arbeitsfläche vertraut gemacht, ist die Bedienung einfach und schnell. Effekte und Überblendungen sind ebenso mit einem Mausklick erreichbar wie weiterführende Bearbeitungen wie Farbkorrektur oder Bildkontrast.
Gestaltungsmöglichkeiten: Hier ist Premiere Elements den anderen Programmen weit voraus. Alle Effekte und Bildbearbeitungen kann der Anfänger ohne weitere Arbeit übernehmen. Für den Profi lässt sich aber beinahe alles noch individuell einstellen.
Weiterverarbeitung: Den fertigen Film kann man einfach in verschiedene Formate überspielen und auf DVD brennen. Auch hierzu gibt es noch zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten.
Fazit: Ideales Programm für erfahrene Videofilmer. Mit den grossen Gestaltungsmöglichkeiten lassen sich Filme sehr individuell zusammenschneiden.
Spezialeffekte behutsam einsetzen
Die häufigsten Anfängerfehler beim Schneiden von Videofilmen:
Off-Kommentar: Eine informierende Stimme aus dem Hintergrund macht sich gut – aber bitte erst im Nachhinein aufnehmen! Dies erspart Probleme beim Schneiden, ist verständlicher und wirkt professioneller.
Szenenlängen: Kurze Szenen wirken auf Dauer anstrengend – und zu lange Szenen monoton. Beim Schneiden also auf eine gute Mischung der Szenenlängen achten. Eine Faustregel: Geschieht im Bild nicht viel, sollte eine Szene nicht länger als 7 Sekunden dauern.
Effekthascherei: Viele Schnittprogramme bieten eine Menge spektakulärer Effekte. Die Versuchung für Anfänger ist daher gross, Filme mit rollenden, sich wegfaltenden oder neu gefärbten Bildern aufzupeppen. Hier gilt: Spezialeffekte nur behutsam einsetzen. Sonst wirkt der Film billig.
05. September 2007 | Marc Mair-Noack
