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Wenn Kinder nachts ins Bett machen, verschreibt der Arzt oft einen Hormonspray. Fachleute warnen jetzt vor den riskanten Nebenwirkungen.
Bettnässen ist für Kinder und Eltern belastend: Fast jeden Tag muss man die Bettlaken wechseln, Berge von Wäsche waschen. Und den Kindern ist es peinlich, dass sie ihre Blase nicht im Griff haben.
Der Arzt verschreibt in solchen Fällen oft einen Spray mit dem Wirkstoff Desmopressin. Das künstliche Hormon verhindert, dass sich die Blase nachts zu schnell füllt. Der Spray wird unter den Namen Nocutil und Minirin verkauft. Den Wirkstoff gibts auch in Tablettenform.
Doch jetzt warnen Fachleute: Sprays führten dreimal so häufig zu gefährlichen Nebenwirkungen wie die Tabletten, schreibt die Fachzeitschrift «Arznei-Telegramm». Es könne leicht zu einer Überdosierung kommen. Im Körper sammelt sich dann immer mehr Wasser an. Das Kind nimmt plötzlich zu, fühlt sich müde und erbricht. In schlimmen Fällen schwillt das Hirn an. Das Kind bekommt Krämpfe, ist verwirrt und fällt schliesslich ins Koma.
Im Mai dieses Jahres hat die europäische Arzneimittelbehörde deshalb beschlossen, den Nasenspray nicht mehr zuzulassen. In der Schweiz ist er hingegen immer noch erlaubt. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic wolle zwar die gleichen Bestimmungen erlassen, sagt der zuständige Andres Schneider. Wann dies sein wird, lässt er jedoch offen.
Die beiden Herstellerfirmen Ferring (Minirin) und Gebro Pharma (Nocutil) wollen mit Verweis auf den hängigen Entscheid von Swissmedic keine Stellung nehmen.
Alternativen: Weckhöschen oder Weckmatten
Da auch Tabletten die schweren Nebenwirkungen auslösen können, empfehlen Fachleute bei Bettnässen eine Therapie mit speziellen Weckhöschen oder Weckmatten. Diese sind mit einem Messfühler ausgestattet, der bei den ersten Tropfen Urin einen Weckalarm auslöst. Damit lernt das Kind innerhalb einiger Wochen, die volle Blase rechtzeitig zu bemerken. Das Gerät erhält man in Sanitätshäusern für 200 bis 300 Franken. Bei einigen Ärzten und Kliniken kann man es auch mieten. Informationen dazu hat der Kinderarzt.
10. Oktober 2007 | Sonja Marti
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