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Artikel | Haus & Garten 4/2007

Tipps vom Profigärtner

Kurt Meister von der Gartenbauschule Oeschberg in Koppigen BE berät Leserinnen und Leser bei Problemen mit Zimmer- und Gartenpflanzen.


Hängende Zweige: Hat der Weihnachtskaktus Pilze?

Ich habe immer wieder Probleme mit meinen Weihnachtskakteen: Sie lassen einerseits Zweige hängen, andererseits erinnern einige beim Austritt aus der Erde an Zunder. Die Zweige daneben sehen gesund aus. Handelt es sich um einen Pilzbefall? Im Mai gebe ich den Pflanzen jeweils neue Erde, im Sommer sind sie unter einem Dach im Freien und blühen ab November prächtig.
- Heidi Widmer, Bolligen

Kurt Meister: Die Kakteen haben einen Pilz namens Fusskrankheit. Vom Boden her befällt er den Spross mit Pilzfäden, einem sogenannten Myzel, das sich durch die Rinde nach oben ausdehnt. Am Fuss entstehen oft Faulstellen und am Spross Flecken, die später einfallen und eintrocknen. Der ganze Spross beginnt zu welken, weil das Myzel die Leitungsbahnen für den Wassertransport verstopft.

Der Pilz befällt die Pflanzen sporadisch bei ungünstigen Witterungs- oder Kulturbedingungen. Einfluss haben zum Beispiel reiner Stickstoffdünger, unharmonische Düngung, zu viel Nässe, zu kühle Verhältnisse. Der Pilz kann in der Erde überdauern. Deshalb gilt: Jeden Frühling neue Erde in den Topf.

Weiter beugen Sie dem Pilz vor, indem Sie Staunässe vermeiden. Halten Sie den Weihnachtskaktus speziell nach der Blüte eher trocken. Wichtig auch: Ausgewogen düngen – und zwar mit einem Volldünger, der die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium enthält. Im Herbst nach dem Umzug in die Innenräume – nach dem Knospenansatz – den Standort nicht mehr wechseln, sonst könnte der Kaktus seine Knospen abstossen.


Was hilft gegen Algen auf einem Platz mit Splitbelag?

Zwischen unserem Einfamilienhaus und einer Scheune liegt ein etwa 250 Quadratmeter grosser Platz mit Splitbelag. Seit über zehn Jahren kämpfen wir gegen Algen, die besonders bei nasser Witterung überhandnehmen. Ist es trocken und heiss, sind die Algen kaum auszumachen: Sie haben keine Wurzeln, vermehren sich aber dauernd sehr stark. Was raten Sie uns?
- Hanspeter Corradini, Affoltern am Albis

Meister: Auch wir Gärtner haben mit Algen zu tun – in Gewächshäusern, an Fenstern, auf Tischen und Wegen. Wir behandeln diese Flächen mit einem sehr guten, pflanzenverträglichen Desinfektionsmittel der Firma Maag namens «Algicid fluid». Es wird im Verhältnis 1 : 100 angewendet, zum Beispiel 1 Deziliter auf 10 Liter Wasser. Damit können befallene Stellen (inklusive Arbeitsgeräte) gründlich abgespritzt, gegossen oder getaucht werden. Behandelte Stellen und Geräte sollten mindestens 30 Minuten ununterbrochen lang feucht bleiben. Nach der Behandlung kann man die Flächen sofort wieder mit Pflanzen belegen.


Kann ich die Blütenstängel stehen lassen?

Lässt man bei Lilien die langen Blütenstängel eigentlich stehen – oder schneidet man sie weg, wenn die Blüten welken und abfallen?
- Elfriede Sachs, Esslingen

Meister: Für die Pflanze spielt es keine Rolle, ob man die Blütenstängel wegschneidet oder nicht. Während der Blütezeit selber sind die Pollenblätter das Problem: Diese schneidet man vorsichtshalber heraus – vor allem, wenn man die Lilie als Schnittblume verwendet. Kommen Pollen auf die Kleider, entstehen bleibende Flecken.


Verbundsteine: Sind das Pilz- oder Flechtenflecken?

Rund um unser Haus wurden vor Jahren Beton-Verbundsteine verlegt. Sie haben sich inzwischen dunkelgrau bis schwarz verfärbt – was ja normal ist. Seit etwa drei Jahren aber bilden sich auf den Oberflächen weiss-graue Flecken. Ihr Durchmesser: ca. 2 bis 3 Zentimeter. Unter den Bäumen sind sie zahlreicher. Mit dem Hochdruckreiniger bringt man die Flecken kaum weg. Handelt es sich um einen aggressiven Pilz oder um eine Flechte?
- Ruedi Aeschlimann, Strengelbach

Meister: Beton-Verbundsteine können bei einem Wechsel der Feuchtigkeit im Boden Ausblühungen erzeugen. Die Feuchtigkeit löst Bestandteile heraus, die leicht lösliche Salze bilden – vor allem Kalium- und Natriumsulfat. Trocknen die Betonplatten wieder ab, dringt das Wasser mit den gelösten Salzen zur Plattenaussenseite. Dort verdunstet es und lässt die Salze auf der Plattenoberseite zurück. Die Folge: meist weisse Flecken.

Flechten oder Pilze beseitigt man relativ leicht mit einem Hochdruckreiniger – wie auch die weissen Flecken. Bloss verschwinden diese nur teilweise. Man muss sich wohl damit abfinden.

 

Wann und wie soll man Rebstöcke schneiden?

Wann im Jahr und wie schneide ich einen alten Rebstock? Er bedeckt eine Pergola. Bisher habe ich ihn eher intuitiv zurückgestutzt. Das Laub sollte Schatten spenden, der Stock einen anständigen Ertrag liefern.
- Stefan Britsch, Zürich

Meister: Rebstöcke schneidet man relativ früh – am besten im Januar. Schneidet man sie erst im Frühling, bluten sie sehr stark, weil die Wasserleitungsbahnen schon wieder mit Wasser gefüllt sind.

Die Triebe schneidet man auf drei Augen zurück. Beachten Sie, dass pro Ansatzstelle maximal zwei Austriebe stehen bleiben. Während der Vegetationsperiode entfernt man laufend alle Geiztriebe (Seitentriebe), damit die Kraft der Pflanze in die Früchte investiert wird und nicht ins vegetative Wachstum. Man belässt auch nicht zu viele Fruchtstände: Lichtet man sie aus, werden die übrigen Früchte viel süsser. Achten Sie darauf, dass die Früchte besonnt sind. Grosses Laub, das im Weg steht, schneidet man weg.


Wie werde ich die Windenplage los?

Winden, Winden – der ganze Garten (300 m2) ist voll davon. Obwohl ich sie ausreisse, vermehren sie sich rasant und umwickeln alles – Rosen sehe ich bald keine mehr. Die Landi verkauft ein Spritzmittel, aber es ist teuer, mühsam und für so viele Winden nicht geeignet. Was soll ich tun?
- Margrit Soland, Rohr

Meister: Winden machen unterirdische Ausläufer. Jätet man von Hand, bleibt meist ein Stück des Ausläufers im Boden und schlägt sofort wieder aus. Das heisst: Man vermehrt sie, statt sie zu reduzieren. Diese Pflanze kann man nur mit «Windenschaum» vernichten. Es ist das einzige Herbizid (Unkrautvernichtungsmittel), das ich regelmässig auch in meinem Garten einsetze. Obwohl die Arbeit mühsam und zeitintensiv ist.

Man behandelt die obersten sechs bis zehn Blätter der Winden mit dem Schaum – am besten bei schönem und warmem Wetter. Er wird durch das Blatt aufgenommen und in die Wurzeln transportiert. So sterben nicht nur die Blätter ab, sondern auch die unterirdischen Ausläufer und Wurzeln. Welkende und absterbende Triebe nicht abreissen, sondern warten, bis der gesamte Trieb eingegangen ist. Hat man den Bestand unter Kontrolle, hält sich der Aufwand der Behandlung in Grenzen. Das Herbizid ist in Gartencentern und Landi-Läden erhältlich.

 

26. November 2007


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