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Nachhaltige Anlagen boomen. Ob ihre Rendite vergleichbare nicht nachhaltige Anlagen schlägt, ist jedoch umstritten. Auch sind die Risiken von Öko-Investments nicht zu unterschätzen.
Die Klimaerwärmung wird heiss diskutiert – inzwischen auch bei Anlegern. Das von Schweizer Banken und Investmentgesellschaften verwaltete Kapital in nachhaltigen Anlagen ist gemäss dem Deutschen Aktieninstitut 2006 um 66 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro gestiegen.
In den ersten drei Quartalen 2007 ist das Volumen von in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugelassenen nachhaltigen Fonds laut dem Institut erneut um 40 Prozent gewachsen.
An der Performance allein kann das nicht liegen: Der Dow Jones Sustainability World Composite Index – ein Index von nachhaltigen Anlagen – hat in den letzten zwölf Monaten in Dollar gerechnet ein Plus von rund 6 Prozent erzielt und damit den Dow Jones World Stock Index nur ganz knapp geschlagen. Im Drei- und Fünfjahresvergleich hinkt der Nachhaltigkeits-Index dem Dow Jones World Stock Index sogar etwas hinterher.
Rolf Biland vom VZ Vermögenszentrum führt den Siegeszug der nachhaltigen Anlagen auf drei Ursachen zurück: Erstens verzeichneten einige Fonds in den letzten Jahren tatsächlich eine überdurchschnittliche Rendite, zweitens würden nachhaltige Anlagen einem gesellschaftlichen Bedürfnis entsprechen. Und drittens hätten auch die Marketinganstrengungen der Finanzbranche zum Run auf diese Anlagekategorie geführt.
Unscharf definierte Nachhaltigkeit
Der Begriff der Nachhaltigkeit wird fast überall anders definiert. «Es besteht ein eigentlicher Begriffswirrwarr», sagt Rolf Biland. So habe jeder Fonds eine eigene Nachhaltigkeits-Definition.
Als grössten gemeinsamen Nenner erkennt Biland einzig den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Meist kämen ausserdem soziale und ethische Aspekte hinzu.
Auch die Prozesse für die Auswahl der für den jeweiligen Fonds in Frage kommenden Aktien sind sehr verschieden. Sehr oft werden allerdings als Erstes Ausschlusskriterien wie «keine Aktien von Erdölfirmen sowie von Waffen-, Tabak- und Alkoholproduzenten» formuliert. So wird das Anlageuniversum eingeschränkt.
Nach dem Prinzip des «Klassenbesten» werden aus dem verbleibenden Anlageuniversum schliesslich jene Unternehmen einer bestimmten Branche ausgewählt, die ihre Konkurrenten in Sachen Nachhaltigkeit überflügeln.
Erfolgsprodukt Green Invest A: Die Kriterien
Einige Fonds picken ausserdem einen bestimmten Aspekt der Nachhaltigkeit heraus. Beispiele sind die Aufbereitung von Wasser oder erneuerbare Energien wie Solarstrom, Windkraft oder Agrotreibstoff.
Unter den in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Nachhaltigkeits-Fonds liegt der Swisscanto (CH) Equity Fund Green Invest A auf den vordersten Rängen (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Gemäss Rossitza Tzvetkova, Product Manager Anlagefonds bei Swisscanto, werden die Ausschlusskriterien in enger Zusammenarbeit mit dem WWF Schweiz, dem Nachhaltigkeits-Research der Zürcher Kantonalbank und dem Umweltbeirat entwickelt.
«Ausgeschlossen sind in erster Linie Unternehmenstätigkeiten, die aus ökologischer oder sozialer Sicht mit den weltweit grössten Problemen und Risiken verknüpft sind», sagt Rossitza Tzvetkova.
Die konkreten Ausschlusskriterien sind: Förderung fossiler Energieträger, Betrieb fossiler Kraftwerke, Automobilhersteller, Airlines, nicht nachhaltige Waldwirtschaft, Betrieb von Kernkraftwerken, Produktion von Waffen, Tabak, Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen.
Mit etwas über 7 Prozent haben Aktien des deutschen Solartechnik-Herstellers Solarworld die grösste Position im Portfolio inne.
Umstritten: Rendite dank Nachhaltigkeit
Es ist umstritten, ob Nachhaltigkeit langfristig zu einer höheren Performance führt. Auf Studien mit angeblich hieb- und stichfesten Beweisen folgen Veröffentlichungen mit ebenso überzeugend klingenden Gegenargumenten. «Es ist fraglich, wie viel der Performance dieser Anlageklasse tatsächlich auf die Nachhaltigkeit zurückzuführen ist», sagt Anlageexperte Rolf Biland.
Auf jeden Fall werde die Nachhaltigkeit aber auch in 20 Jahren die Menschen beschäftigen. «Es ist ein Megatrend», fasst der Finanzfachmann die Chancen von nachhaltigen Anlagen zusammen.
Als Hauptrisiko der nachhaltigen Anlagen nennt Rolf Biland den sogenannten Small-Cap-Bias: Viele als nachhaltig geltende Unternehmen sind mittelgross oder klein. Die Aktienkurse dieser Firmen schwanken in der Regel viel stärker als jene der grosskapitalisierten Firmen – der Blue Chips.
Das Portfolio des Swisscanto (CH) Equity Fund Green Invest A besteht aus 70 Prozent Blue Chips und Mid Caps, der Rest sind innovative Small Caps aus den Bereichen der erneuerbaren Energien, Recycling und Wasseraufbereitung.
Bei Fonds, die auf bestimmte nachhaltige Technologien spezialisiert sind, ist der Aktienanteil von mittelgrossen und kleinen Firmen ausgeprägter. Etwa im Portfolio des Sarasin New Power Fund B sind unter den grössten 10 Positionen mit Toyota und Royal Dutch Shell nur zwei Blue Chips mit einem Anteil von rund 5 Prozent am gesamten Portfolio.
Unübersichtliche Vielfalt
Gerade weil es so viele und so unterschiedliche Nachhaltigkeitsfonds gibt, fällt die Auswahl schwer. Rolf Biland vom Vermögenszentrum rät deshalb, «zunächst genau zu überlegen, was man will». Denn einzelne Fonds legen ihr Schwergewicht auf ökologisch ausgerichtete Firmen, andere setzen dagegen vor allem auf Social Responsability, also Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Weiter, so Biland, sollte man «nicht dem vom Fondshaus oft selber verliehenen Nachhaltigkeits-Label blind vertrauen, sondern die Fondsdatenblätter (Factsheets) genau lesen».
Und schliesslich dürfe man bei nachhaltigen Anlagen nicht nur in Rendite-Dimensionen denken. «Ein nachhaltiges Investment sollte in erster Linie eine Herzensangelegenheit des einzelnen Anlegers sein», sagt Rolf Biland.
03. Februar 2008 | Zoltán Tamássy
