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Artikel | Haus & Garten 01/2008

Grüne Oase statt Gerümpel-Balkon

Der kleinste Balkon wird zur grünen Insel, wenn man ihn nicht als Abstellkammer missbraucht. Wichtig: Richtig bepflanzen und sparsam möblieren.


Abfallsäcke, Plastikeimer, Bügelbrett und dergleichen verstellen und verunstalten schnell mal einen Balkon – das einzige Freiluft-Zimmer einer Wohnung verliert seine Funktion. In der warmen Jahreszeit ist nämlich auch der Kleinbalkon einer Stadtbleibe ein erholsames Refugium: Inmitten von Grün den Apéro schlürfen, ein Buch lesen oder einfach relaxen.

Enge Platzverhältnisse verlangen nach einer gewissen Beschränkung: Weniger ist mehr. Eine ausladende Terrasse, ein grosser Balkon sind leichter zu gestalten – auf grosszügigen Flächen verschwindet die eine oder andere Möblierungssünde zwischen den Pflanzen.

«Viele Leute flanieren durch die Gartenzentren und lassen sich von der Blütenpracht verführen, kaufen wahllos Blumen, Stauden und Grünzeug», sagt Botanik-Spezialist David Müller. «Und daheim wissen sie nicht, wohin mit all den Töpfen.» Müller hat schon viele Balkone gestaltet und rät: «Zuerst überlegen, was man von einem kleinen Balkon erwartet: Will ich mich vor allem zurücklehnen und lesen, mal zu zweit draussen ein Abendessen geniessen, mich mit eigenen Küchenkräutern versorgen oder an einem Blumenmeer freuen?»


Ausgewählte Töpfe, Kletterpflanzen

Grundsätzlich wirken zwei, drei grosse Töpfe ruhiger und grosszügiger als zahlreiche kleine, die man hinter- und übereinanderstellt. Schön sind hochkletternde Pflanzen: Sie schaffen eine lauschige Atmosphäre und beanspruchen wenig Bodenraum.

Eine Kletterrose oder zwei kann man sowohl hoch als auch horizontal ziehen. Rosen blühen den ganzen Sommer und bis in den Herbst hinein. Zudem sind sie winterhart – kein unwesentlicher Faktor: Denn mehrjährige, aber nicht kälteresistente Gewächse muss man an einem geeigneten, kühlen Platz überwintern. Was in kleineren Wohnungen schwierig sein dürfte. «Daher», sagt Müller, «wählt man dann am besten winterharte und einjährige Pflanzen.»


Mediterrane Gewürze auf Sonnenbalkonen

Befindet sich der Balkon auf der Südseite, hat man eine riesige Auswahl: Den Platz im grossen Kübel einer Kletterrose nutzt man für mediterrane Gewürze wie Rosmarin, Thymian, Oregano und Lavendel: Sie verfeinern die Speisen. Zudem betört ihr Duft, wenn man draussen sitzt.

Wichtig zu wissen: Kräuter in Nachbarschaft zur Rose benötigen ebenfalls wenig Wasser. Auch eine Clematis gedeiht im Topf, sofern dieser genug tief ist. Man wählt jedoch kleinblütige Wildformen: Sie sind widerstandsfähiger. Auch viele einjährige Kletterer wie Prunkwinde, Ballonwein und Glockenrebe sind eine Augenweide.


Tomaten und verschiedene Chili-Sorten


Ideal für den Balkon sind Tomaten in grossen Gefässen – direkt ab Staude schmecken sie herrlich zum Aperitif. «Das Angebot umfasst viel mehr als Cherry-Tomaten», sagt David Müller. Mittlerweile fast so beliebt wie Tomaten sind Chilis von edelsüss über würzig bis hin zu höllisch scharf.


Blumenampeln und Wiesenblumen

Wer kann, hängt bepflanzte Ampeln auf – so bleibt am Boden mehr freier Platz. Mit meist einjährigem hängendem und emporwachsendem Flor in Kistchen verschwindet die Aussenseite des Balkons unter einer Blütenfülle. Sehr schön sind auch Wiesenblumen-und Blumenmischungen für Schmetterlinge und Insekten.


Im Norden: Schattengewächse


Liegt der Balkon nordseitig, ist die Pflanzenauswahl etwas geringer, obwohl im Handel mittlerweile viele Blumen und Sträucher für Halbschatten oder Schatten zu haben sind. Als mehrjähriges hochkletterndes Gewächs zieht man Efeu: Die gelb oder weiss geränderten Sorten sind besonders dekorativ und behalten auch im Winter ihr Laub. Dazu passt einjähriger rankender Kapuziner.

Farne gedeihen vor allem an schattigen Lagen. Sehr attraktiv ist wilder Wein mit seinen wechselnden Farben: Das Rebenlaub färbt sich im Herbst gelb und rötlich.

Für bunte Tupfer sorgen auch Fleissige Lieschen in Hellrosa bis Rot. Wers hölziger mag, wählt aufrechte Koniferen wie Zinnsoldaten und kombiniert sie mit hängenden Wacholder- und schleichenden Zypressenarten.

Im Halbschatten wachsen auch Schnittlauch, Pfefferminze, Borretsch, wilder Rucola und Liebstöckel. «Ich sah aber auch schon auf Nordbalkonen Rosmarin, der anständig gedieh», so Müller. Deshalb: Ausprobieren, wo sich was wohlfühlt.


Klappbare Stühle und Tischchen für die Oase

Das üppige Grün möbliert man möglichst gediegen. Ungeeignet sind die stapelbaren weissen Plastikstühle: Sie brauchen zu viel Platz. Als gemütliches Leseplätzchen dient eine Hängematte oder ein klappbarer Liegestuhl, die man bei anderweitigem Platzbedarf schnell versorgt. Für ein gemütliches Tête-à-Tête genügen ein kleines aufklappbares Tischblatt, das an einer der Balkonseiten befestigt ist, plus zwei zusammenklappbare Stühle: Aus Zedernholz sind sie zwar teurer, aber sehr witterungsbeständig – und eine Zierde für die neu geschaffene Oase.


Buchtipps

  • Eva Maria Geiger: «Balkonpflanzen. Auswählen, Gestalten, Pflegen», Verlag BLV Garten Plus, Fr. 15.60.
  • Malcolm Hillier: «Der Balkongarten. Ideen für das ganze Jahr», Verlag Dorling Kindersley, Fr. 27.50.

10. März 2008 | Regine Elsener


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