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Artikel | Haus & Garten 02/2008

Gemüse, Zwetschgen, Fliegen, Nüsse

Von Problemen mit Fenchel bis zum serbelnden Nussbaum: Kurt Meister von der Gartenbauschule Oeschberg in Koppigen BE beantwortet Fragen der Leserinnen und Leser.



Fenchel: Weshalb gibt es keine Knollen?

Unsere Fenchel machen keine Knollen, dafür aber viel und zu langes Grün. Der Garten liegt in Südwestlage und ist von Norden her geschützt.
- Dorli und Kurt Poglies, Sementina TI

Kurt Meister: Knollenfenchel gedeiht in der Schweiz am besten auf humus- und nährstoffreichen, tiefgründigen Böden. Bei der Sortenwahl unterscheidet man zwei Typen:

- Sommerfenchel: Er entwickelt bei früher Saat (Aussaat-zeit Februar bis Ende Juli) genügend grosse Knollen vor dem Aufschiessen (Schossen) und bildet viel Laub: Beim Schossen macht der Fenchel keine Knollen. Er wächst nur in die Höhe und produziert viel Grün. Das Schossen endet mit der Entwicklung einer Blüte. Setzlinge baut man im Gewächshaus an, weil der Fenchel sonst erfrieren würde. Pflanzzeit: frühestens Mitte April bis Ende Juni. Später sollte man ihn nicht mehr setzen, weil er nur viel Laub und keine Knollen mehr bildet.

- Herbstfenchel: Es droht Schossgefahr. Deshalb sollte die Direktsaat zwischen 20. Juni und 10. Juli erfolgen. Reihenabstand 40 cm, auslichten in der Reihe auf 25 bis 30 cm. Erntezeit ist Mitte September bis Anfang Oktober. Herbstfenchel kann man auch als Setzlinge pflanzen. Zeitpunkt: Anfang Juli bis Mitte August.


Was ist mit den Zwetschgenbäumen los?

Anfang Sommer verfärben sich die Blätter an den Astspitzen meiner zwei Zwetschgenbäume jeweils braun. Dann werden sie lahm und sterben ab – obwohl ich die Bäume zweimal pro Jahr mit einem Mittel gegen Pilze (Maag) spritze. Die restlichen Blätter sind nicht dunkel-, sondern hellgrün. Die meisten Früchte werden vorzeitig gelb und fallen ab. Wie kann ich dem abhelfen?
- Walter Reinegger, Maienfeld GR

Meister: Eine Pilzkrankheit haben Ihre Zwetschgenbäume kaum, obwohl die Symptome der Monilia-Erkrankung ähneln. Dass die angewendeten Spritzmittel nicht wirkten, bestätigt meine Vermutung: Wahrscheinlich liegt eine physiologische Störung im Zusammenhang mit dem Boden und der Nährstoffversorgung vor.

Neben den äussersten, braun und dürr gewordenen Blättern haben die anderen keine sattgrüne Farbe wie bei einem gesunden Baum. Deshalb schliesse ich auf Nährstoffmangel oder Vernässung des Bodens. Dafür sprechen die gelblichen Blätter und die vorzeitig abfallenden Früchte.

Auslöser von physiologischen Störungen und schlechter Nährstoffaufnahme ist der Boden: Staunässe, Lehmschichten, Bodenverdichtung, Schuttablagerungen aus der Bauphase usw. Ich empfehle Ihnen, eine Bodenprobe machen zu lassen oder die Fachstelle für Obst und Beeren am Plantahof in Landquart GR zu kontaktieren (E-Mail: info@plantahof.gr.ch).


Was tun gegen weisse Fliegen an den Tomaten?

Wie bekämpfe ich im Folientunnel die weisse Fliege an den Tomaten – möglichst ohne Gift? Mit dem schwarzen Belag sehen die Früchte so unappetitlich aus.
- Erika Turtschi, Zäziwil BE

Meister: Im Folientunnel und im Gewächshaus bekämpft man weisse Fliegen mit einem Nützling – der Schlupfwespe (Encarsia formosa). Sie ist ein Parasit und befällt die weissen Fliegen, indem sie Eier in ihre Larven legt. Daraus schlüpfen Schlupfwespen-Larven, die sich von den Larven der weissen Fliege ernähren: Die Population stirbt langsam aus. Auch die erwachsenen Schlupfwespen (Adultinsekt) ernähren sich von den Larven der weissen Fliege.

Erhältlich sind die Encarsien bei der Firma Andermatt Biocontrol in Grossdietwil LU. Sie werden als Eier geliefert, aufgeklebt auf einen Karton. Diesen hängt man an die Tomatenpflanzen, und schon beginnen die Nützlinge zu arbeiten. Sobald auf dem Karton alle Eier schwarz sind, sind alle Schlupfwespen ausgeflogen. Man muss neue Encarsien-Eier anbringen.


Wie bringe ich die lästige Vogelmiere weg?

In meinem Garten gedeiht leider die Vogelmiere – und trotz Jäten wächst das Unkraut jedes Jahr erneut. Wie komme ich dagegen an?
- Lily Fuhrer, Thunstetten AG

Meister: Die Vogelmiere, auch bekannt unter dem Namen Hühnerdarm oder botanisch Stellaria media, kann sich rasant schnell ausbreiten, auch als «Unkraut». Diese Pflanze ist ein Kosmopolit, also überall auf der Welt heimisch. Sie trägt ihren Namen, weil sie auch Nahrung ist für die Vögel – und diese verbreiten die Pflanze zusätzlich.

Es gibt nur eines: Konsequent und vor allem regelmässig jäten. Sie müssen die Pflanzen samt Wurzeln ausreissen, damit sie nicht sofort wieder austreiben. Unbedingt auch einzelne Pflanzenteile entfernen, denn auch sie treiben wieder aus. Und noch ein Tipp: Jäten Sie, bevor die Vogelmiere absamt – sie kann mehrere Male pro Jahr blühen.


Woher kommt der Gestank am Kiwibaum?

Wir haben einen grossen alten Kiwi-Spalierbaum. Er verbreitet einen unangenehmen Geruch – ähnlich wie Katzenkot. Kennen Sie dieses Phänomen und wissen Sie Rat?
- Meret Jenny, Kriens Lu

Meister: Von diesem Phänomen habe ich noch nie gehört: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kiwis nach Katzenkot riechen – es sei denn, den Katzen gefalle es so hinter einem alten Spalierbaum, dass sie dort ihre Geschäfte verrichten. Wahrscheinlich ist dort der Boden sehr trocken und locker, sodass die Katzen ihren Kot gut verscharren können. Von den Kiwis kommt dieser Geruch meines Wissens nicht.

Es gibt einen Baum namens Ginkgo biloba: Seine Früchte riechen wie Hundekot. Ginkgo ist ein zweihäusiger Baum, es gibt also männliche und weibliche Pflanzen – wie bei den Kiwis. Kommt es zu einer Befruchtung und bilden sich dann Früchte, stinken diese wie Hundekot. Das ist im Herbst der Fall.


Faule Nüsse: Was stimmt nicht mit dem Nussbaum?

Wir haben drei Nussbäume, optisch scheinbar gesund, sie tragen schöne Nüsse. Aber bei einem Baum verfärben sich die Früchte ab einer gewissen Grösse braun-schwarz und fallen ab. Der Inhalt ist faul. Was können wir tun?
- Trudi und Jakob Beerli, Rorschacherberg SG


Meister: Umgebung, Bodenbeschaffenheit, klimatische Verhältnisse usw. spielen häufig die entscheidende Rolle. Üblicherweise ist der Nussbaum pflegeleicht. Trotzdem können vor allem in regenreichen Jahren die Pilzkrankheit Blattbräune (Marssonina juglandis) und der Bakterienbrand (Xanthomonas juglandis) zu starkem Blattfall und Ernteverlusten führen.

Die Krankheiten sind schwierig zu unterscheiden: Beide äussern sich durch Flecken auf Blättern und Früchten. Wenn der Erreger in die Nüsse eindringt und diese innen schwarz und schleimig werden, handelt es sich meist um die Bakterienkrankheit. Das scheint hier der Fall zu sein. Deshalb sind zwei Spritzbehandlungen mit einem Kupferpräparat nach dem Austrieb im Frühjahr angezeigt.

Wichtig ist zudem ein lockerer Aufbau der Baumkrone, damit die Blätter in Nassperioden schnell abtrocknen. Den Nussbaum schneidet man im Spätsommer bis Herbst (August bis Oktober) oder sofort nach der Ernte. Wenn Nussbäume in den Winter- oder Frühlingsmonaten geschnitten werden, «bluten» sie sehr stark.


Sie Fragen, wir Antworten

Haben Sie Fragen rund um den Garten oder zu den Pflanzen auf Ihrem Balkon oder in Ihrer Wohnung? Oder haben Sie eigene Anregungen? Bitte erwähnen Sie in Ihrer Frage Bodenbeschaffenheit, Lage und Standort der Pflanzen.

Wenden Sie sich schriftlich an redaktion@hausundgarten.ch (bitte Absender angeben).

26. Mai 2008


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