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Artikel | Gesundheits-Tipp 06/2008

Eigenblut soll den schlimmen Juckreiz lindern

Ein deutscher Mediziner will eine Therapie gegen die unheilbare Schuppenflechte entdeckt haben. Er findet auch Patienten in der Schweiz. Hautärzte sind skeptisch.


Die Stellen jucken, schuppen und sind rot: Bei Menschen mit Psoriasis – Schuppenflechte – vermehren sich die Hautzellen viel schneller als normal. Die überflüssigen Zellen sterben ab und sind als Schuppen weiterhin sichtbar. Zudem bleiben Rötungen, die sich entzünden können.

Die Ursache von Psoriasis ist noch immer ein Rätsel. Fachleute sind sich einig, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen und Stress die Krankheit verschlimmern kann. Heilen lässt sie sich bis jetzt nicht.

Genau das Gegenteil behauptet der deutsche Allgemeinarzt Horst Kief. Er habe herausgefunden, «dass die Ursache für Schuppenflechte im Darm liegt». So sollen Patienten mit Psoriasis bestimmte Darmbakterien nicht vertragen.


Renommierte Hautärzte winken ab

Welche Bakterien dies beim einzelnen Betroffenen sind, ermittelt der Arzt durch einen Test. Danach wendet er beim Patienten eine selbst entwickelte Form der Eigenbluttherapie an. «Sie heilt Menschen mit Psoriasis», ist der Arzt überzeugt. Er berichtet von vielen mittlerweile «beschwerdefreien Betroffenen». Es handle sich um «einen in dieser Form bislang nicht bekannten, positiven Therapieverlauf der Krankheit».

Der Gesundheitstipp befragte 20 renommierte Forscher und Hautärzte in der Schweiz, in Österreich und Deutschland. Keiner kannte Kiefs Methode. Es gibt auch keine wissenschaftliche Literatur dazu.

Adelheid Witzeling, Präsidentin der Psoriasis-Gesellschaft SPVG, rät abzuwarten: «Es sollten mehr Infos über die Behandlungsmethode zur Verfügung stehen.» Kief begründet die fehlenden wissenschaftlichen Publikationen damit, dass seine Resultate «durch ein Leck an die Publikumspresse gelangt seien».

Bloss: Die Medienmitteilungen wurden breit gestreut. Und: Auftraggeberin war die Firma FBM Pharma in Ludwigshafen (D), die die Eigenblutpräparate produziert – und deshalb eng mit Kief zusammenarbeitet. Die Werbung macht sich für Kief bezahlt: Es hätten sich zahlreiche neue Patienten gemeldet – auch aus der Schweiz.

Einer davon ist Michael Hasler. Der Aargauer Schreiner und Karatelehrer leidet seit 13 Jahren an Psoriasis. Betroffen sind Haaransatz, Ellenbogen und Knie. Um den Juckreiz loszuwerden, hat der 38-Jährige «alles probiert»: Von Akupunktur über den Verzicht auf Fleisch und Milch bis zu Bestrahlungen und Medikamenten.


Therapie kostet 5000 Franken – Kassen zahlen nichts

Anfang Mai fuhr Michael Hasler zu Kief nach Ludwigshafen und machte die Tests. Kief und sein Team erklärten ihm den Therapieverlauf – und wie er sich das Blut spritzen muss. «Das habe ich nun mehrmals gemacht. Es geht gut», sagt Hasler.

Die Therapie dauert neun Monate und kostet rund 5000 Franken. Haslers Leidensdruck ist gross: Er hat auch Arthritis, die häufig zusammen mit Schuppenflechte auftritt. Die Therapie zahlt Hasler selber – Krankenkassen geben nichts.

So wie Michael Hasler geht es vielen. Sie probieren alles Mögliche und hoffen auf Besserung. Doch Christoph Brand, Chef-Dermatologe am Luzerner Kantonsspital, empfiehlt, Patienten sollten sich an ihren Haus- oder Hautarzt wenden. «So schützen sie sich vor unseriösen Anbietern.


Gratis-Merkblatt Psoriasis

Zum Herunterladen unter www.gesundheitstipp.ch oder zu bestellen gegen frankiertes C5-Antwortcouvert bei Gesundheitstipp «Psoriasis», Postfach 277, 8024 Zürich.

09. Juni 2008 | Gabriela Braun


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